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Verzicht auf den Führerausweis bewegt Senioren mehr als die Pensionierung

Für Seniorinnen und Senioren ist der altersbedingte Verzicht auf den Führerausweis ein bewegender Schritt. Am schwierigsten ist es, wenn sie ihn unfreiwillig abgeben müssen, wie ein Amtsarzt und die Pro Senectute wissen..
Saskia Bühler
Die bevorstehende Erhöhung der ersten ärztlichen Kontrolluntersuchung der Fahreignung von Senioren auf 75 Jahre ist auch in der W&O-Region umstritten. (Bild: Ralph Ribi)

Die bevorstehende Erhöhung der ersten ärztlichen Kontrolluntersuchung der Fahreignung von Senioren auf 75 Jahre ist auch in der W&O-Region umstritten. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Amtsarzt und der Regionalstellenleiter von Pro Senectute sind sich in vielen Punkten uneinig, was die Fahreignungsüberprüfung für Senioren betrifft.

Laut Statistik gibt es in der Schweiz rund 600000 Personen im Alter über 70 Jahren mit einem Führerausweis. Davon sind 40% zwischen 70 und 75 Jahren. Die bevorstehende Alterserhöhung von 70 auf 75 Jahre für eine erste ärztliche Kontrolluntersuchung der Fahreignung ist ein kontrovers diskutiertes Thema.

Auslöser für die Reform, die am 1.Januar 2019 in Kraft treten wird, war ein Vorstoss des 76-jährigen SVP-Politikers Maximilian Reimann. Er argumentierte in der SVP-Publikation «Klartext» vom März 2018, dass ein solcher Untersuch bei 70-Jährigen «in 98 Prozent der Fälle als völlig unnötig» erachtet werde.

Pro Senectute: "länger fit und fahrtauglich"

Christoph Zoller, Regionalstellenleiter von Pro Senectute Rheintal Werdenberg Sarganserland, ist gleicher Meinung. «Rentner sind heute wesentlich länger fit als früher und damit länger fahrtauglich. Den Test ab 70 Jahren machen zu müssen ist schon etwas veraltet», begründet er.

Dem widerspricht Aldo V. Fischer, Amtsarzt der Region Werdenberg. Gemäss seiner Meinung habe der Vorstoss des SVP-Seniors keinen medizinischen Hintergrund und sei eindeutig politisch motiviert: «Die Wählerschaft besteht aus immer mehr Seniorinnen und Senioren.»

Amtsarzt: Mehr schwere Unfälle bei über 70-Jährigen

Fischer kritisiert zudem, dass der Entscheid zur Erhöhung der Alterslimite dem Parlamentsentscheid zur Via Sicura von 2012 widerspreche. Deren Ziel sei, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Anzahl Todesopfer und Verletzte durch Verkehrsunfälle zu verringern.

Statistisch nehme die Anzahl der schweren Verkehrsunfälle bei über 70-Jährigen aber deutlich zu. Ausserdem: «Zurzeit wird von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) der Nutzen der ärztlichen Fahreignungsabklärung für Senioren evaluiert. Diese Ergebnisse hätte man vor dem Entscheid unbedingt abwarten und studieren sollen.»

Präventivmassnahme löst keinen Jubel aus

Seit der neuen Verkehrszulassungsverordnung vom 1. Juli 2016 werden vermehrt Ausweise entzogen. Während im Jahr 2015 bei 70- bis 74-jährigen Autofahrern noch 836 Ausweise aufgrund von Krankheit oder Gebrechen entzogen wurden, erhöhte sich diese Zahl im letzten Jahr auf 1257 Entzüge.

Aldo Fischer kann die Kritik daran nicht nachvollziehen. Die Kontrolluntersuchung zur Fahreignung sei nicht verschärft worden, aber die Schulungen, Abläufe, Formulare und Tests schweizweit vereinheitlicht und genauer geregelt. Mit einfachen Massnahmen seien damit eine Qualitätssteigerung und faire Bedingungen für alle erzielt worden. Diese Veränderungen haben unter anderem zu mehr Ausweisentzügen geführt. «Wenn eine andere medizinische Präventivmassnahme so erfolgreich wäre, würden alle jubeln», sagt Fischer.

Ein weiterer Grund für mehr Entzüge sei die demografische Entwicklung: Es gebe immer mehr ältere kranke Lenker, die unter Medikamenteneinfluss stünden. Vor dem Alter von 70 Jahren wird kaum ein Ausweis wegen Krankheit oder Gebrechen entzogen oder abgegeben, zwischen 70 und 71 Jahren schnellt diese Zahl aber in die Höhe, zitiert Fischer eine Stellungnahme eines renommierten Schweizer Verkehrsmediziners. Die erstmalige Untersuchung erfasse somit Lenker, die schon seit längerem nicht mehr fahrtauglich waren. Mit der neuen Regelung würden sie fünf weitere Jahre unentdeckt bleiben.

Amtsarzt: "Vor allem beginnende Demenz ist problematisch"

Christoph Zoller findet, dass Probleme durch Medikamenteneinfluss, aber auch Konzentrationsschwäche, Bewegungseinschränkung am Hals oder Sehschwäche nicht an ein bestimmtes Alter gebunden seien. Er beurteilt die Altersgrenze aus diesem Grund als problematisch, aber dennoch nötig.

Fischer erklärt, dass Seh- und Hörvermögen im Alter abnehmen, aber als Problem für die Fahreignung über die Jahre konstant geblieben sind. Es würden sich laut der verkehrsmedizinischen Stellungnahme stattdessen vermehrt Probleme wie beginnende Demenz, Parkinson-Erkrankungen oder Diabetes mellitus zeigen. Diese stellten die wichtigsten verkehrsrelevanten Problemkreise dar und entkräfteten damit das Argument des besseren Gesundheitszustands bei 70- bis 75-Jährigen. Bei diesen Erkrankungen funktioniere auch die Eigenverantwortung zur Abgabe des Führerscheins nicht.

Auch Zoller sieht das Problem der Demenz als vordergründig. Betroffene Personen seien im Strassenverkehr öfter aufgeregt und unsicher. «Sie halten sich für gute Fahrer und sehen nicht ein, dass sie sich nach alternativen Lösungen zum Führerschein umsehen sollten», erklärt er. Spätestens wenn Angehörige nicht mehr gerne mitfahren, sollte ein Test zur Fahreignung veranlasst werden, so Zoller.

Versuch, von freiwilliger Abgabe zu überzeugen

Vor allem wenn eine Person den Führerschein nicht freiwillig abgibt, sei der Entzug ein schwerer Schritt, sind sich Fischer und Zoller einig. Fischer versucht deshalb immer, Betroffene von der freiwilligen Abgabe zu überzeugen. Zum einen sei dies billiger, und zum anderen einfacher zu akzeptieren als eine amtliche Auflage zur Abgabe des Führerausweises. Grundsätzlich gilt für den Amtsarzt: «Die Sicherheit der Gesellschaft hat einen höheren Wert als das persönliche Recht aufs Autofahren.»

Fahrsicherheitstraining

Die Stiftung Pro Senectute veranstaltet regelmässig Kurse zur Fahrsicherheit. Sie bestehen aus einem Theorieblock und einer freiwilligen Fahrstunde im eigenen Auto. Die nächsten Kurse finden am 25. September in Sargans, am 22. Oktober in Buchs und am 8. November in Altstätten statt. Eine frühzeitige Anmeldung unter Telefon 058 750 09 00 ist empfehlenswert. Hinzu kommen im Frühling 2019 Kurse zum Fahrsicherheitstraining mit dem E-Bike und die Kurse mit Experten des ÖV und der Polizei zur sicheren Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Unter derselben Nummer kann man sich dafür vormerken lassen.

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