Verwerten statt wegwerfen: Familienunternehmen aus Sennwald verkauft Fuchspelze aus der Region

Wer Pelz trägt, verursacht Tierleid. Diese Regel stimmt in den allermeisten Fällen – vor allem in Bezug auf Modetrends wie den aktuell sehr angesagten Pelzkrägen und Fellbommeln. Es geht auch anders – aber nicht als Massenprodukt.

Jessica Nigg
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Ein Thema, das polarisiert: Sollen Felle von Tieren, die wegen der Bestandesregulierung geschossen werden, verbrannt werden? Isabel Müller, Inhaberin des Familienunternehmens Wild Luxe, setzt sich für deren Verwertung ein. (Bilder: Jessica Nigg)

Ein Thema, das polarisiert: Sollen Felle von Tieren, die wegen der Bestandesregulierung geschossen werden, verbrannt werden? Isabel Müller, Inhaberin des Familienunternehmens Wild Luxe, setzt sich für deren Verwertung ein. (Bilder: Jessica Nigg)

Wie bei allen tierischen Produkten, die Menschen nutzen, kommt es – zumindest aus ethischer Sicht – auch beim Pelz darauf an, wie die Tiere gelebt haben und wie sie gestorben sind. Das Tragen von Pelz ist vergleichbar mit Fleischkonsum: Genauso wenig wie beim Discounter-Poulet für wenige Franken ist bei der preisgünstigen Mütze mit Fellbommel davon auszugehen, dass das betreffende Tier angesichts einer kostenminimierten Produktion ein auch nur nahezu artgerechtes Leben führen durfte.

Tierische Produkte können aber auch auf ethisch weniger bedenkliche Weise konsumiert werden. Tiere, die ein annähernd artgerechtes Leben führen können und danach auf möglichst «humane» Weise getötet werden – «Bio»-Labels streben dieses Ziel an. Das in diesem Sinne schönste Leben dürften aber wohl Wildtiere führen. Sie leben in Freiheit und sterben meist auf natürliche Weise oder werden im Rahmen der Gesunderhaltung des Bestandes von Jägern erlegt.
 Während das Fleisch, Fell und Horn von vielen Wildtieren – zum Beispiel Hirschen, Rehen, Gämsen oder Wildschweinen – genutzt wird, landen die Überreste von Raubtieren wie Füchsen in der Entsorgung.

Verwenden statt wegwerfen

Hier setzt das Familienunternehmen Wild Luxe mit Sitz in Sennwald an: «Wir sind ein junges Ostschweizer Familienunternehmen mit dem klaren Auftrag, den edlen Rohstoffen aus der Natur mit exklusiven Produkten Rechnung zu tragen», erklärt Inhaberin Isabel Müller. «Wir verwenden Abfallprodukte aus der heimischen Jagd. Anstatt sie wegzuwerfen, wollen wir ihnen einen Sinn geben und sie verwerten. Dabei setzen wir gleichzeitig auf altes Wissen und Handwerkskunst. Unsere Produkte sind das pure Gegenteil von gewissenlos produzierten Massenwaren, die zu Dumpingpreisen an möglichst viele Kunden verschachert werden sollen», stellt sie klar. 

«Der respektvolle Umgang mit der Natur und deren Ressourcen ist dabei eine Selbstverständlichkeit und oberstes Gebot.»
Isabel Müller, die Inhaberin von Wild Luxe, vertreibt und nutzt Pelze aus heimischer Jagd. (Bild: Jessica Nigg)

Isabel Müller, die Inhaberin von Wild Luxe, vertreibt und nutzt Pelze aus heimischer Jagd. (Bild: Jessica Nigg)

Hier geht es nicht um das Vorzeigen von edlen Pelzen als Statussymbol: «Wir erachten es als sinnvoll und ethischer, die natürliche heimische Wertschöpfungskette nachhaltig und bewusst zu nutzen, anstatt deren Erzeugnisse künstlich nachzuahmen oder aus undurchsichtigen Quellen einzuführen», sagt Isabel Müller weiter. «Unsere Verantwortung liegt darin, die Zusammenhänge des natürlichen Kreislaufes zu verstehen und massvoll und bewusst damit umzugehen – stets mit höchstem Respekt vor dem Tier und unserem teils gemeinsamen Lebensraum.»

Den meisten tierliebenden Menschen dürfte es schwerfallen, selbst diese Art von Pelz zu benutzen, so tief haben sich die Bilder von leidenden Tieren beziehungsweise Bergen von gehäuteten Tierkadavern in ihr Gedächtnis eingebrannt. Es brauche diesbezüglich noch viel Aufklärungsarbeit, ist sich auch Isabel Müller bewusst. Vergleichbar ist der Gebrauch von Pelz mit dem Gebrauch von jedem anderen tierischen Produkt – egal ob Fleisch, Milch oder Leder. Wem das Schicksal der Tiere wichtig ist, verzichtet aus moralischen Gründen entweder komplett darauf oder versucht auf die Herkunft der Produkte zu achten. Geiz ist dabei niemals «geil».

Keine Zucht und keine Massentierhaltung

Wer auf Labels, wie die «Knospe» Bio-Suisse achtet, fördert damit aktiv eine tierfreundlichere Haltung. Gewisse Labels zeigen an, dass Tierleid komplett vermieden wurde. Dazu gehört im Fall der Produkte von Wild Luxe das Label «Friendly Fur». Die Idee vom wilden Fuchs in der Natur, der in Frieden und Freiheit lebt bis zu dem Augenblick, in dem er von einer Kugel niedergestreckt wird, ist in diesem seltenen Fall Realität und keine Fiktion. «Uns ist es wichtig, dass ganz klar ist, dass unsere Felle aus der Jagd zur Bestandesregulierung und nicht zur Fellproduktion stammen», betont Isabel Müller. Es gebe keine Zucht, keine Massentierhaltung, keine Leidensgeschichten.

Die Frage, ob offenes Tragen von Pelzen nicht besser tabuisiert beziehungsweise sogar generell verboten und Pelzabfälle aus der Jagd versteckt als Isolierung oder Ähnliches genutzt werden sollte, bleibt offen. Wer tierische Produkte nutzt, sollte nicht in erster Linie seine Konsumlust befriedigen, sondern Kopf und Herz einschalten. Fleisch essen oder Pelz tragen wird ethisch immer hinterfragt werden können. Mit dem eigenen Verhalten kann der Konsument sehr viel dafür tun, dass Tierleid vermindert oder verhindert werden kann.

Aus Schweizer Jagd

Der Rotfuchs zählt zur Ordnung der Raubtiere. Die massvolle Reduktion der aktuell hohen Raubwildbestände ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt einer gesunden Artenvielfalt. Ebenso führen zu hohe Wilddichten – insbesondere beim Rotfuchs – sehr schnell zu Krankheiten oder Seuchen, welche für das Tier mit viel Leid verbunden sind oder gar ganze Bestände dahinraffen können. Im Rahmen dieser nachhaltigen Massnahmen werden in der Schweiz jährlich rund 30 000 Rotfüchse durch ordentliche Jagdausübung erlegt. Ein Grossteil der Fuchsbälge wird heute verbrannt oder anderweitig entsorgt. (pd)