«Schönes Rindfleisch per Pfund zu 50 Rappen»: Bei einem Umbau in Sevelen kam längst Vergangenes ans Licht

Beim Umbau eines alten Wohnhauses kommen allerlei alte Schriftsachen zum Vorschein.

Hansruedi Rohrer
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Ein Stück Vergangenheit wird mit der Fassadenrenovation am Haus offen gelegt.

Ein Stück Vergangenheit wird mit der Fassadenrenovation am Haus offen gelegt.

Bild: Hansruedi Rohrer

Der alte Schindelschirm an der Fassade eines Hauses, das wohl um die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, hält für die Besitzer einiges an schriftlichen Überraschungen bereit, wenn auch oft nur bruchstückhaft und unvollständig. Das Gebäude wird in Eigenregie renoviert, und zum Beispiel die Entfernung der Fassadenschindeln, welche in alter Zeit mit vielen kleinen Nägeln befestigt wurden, bedeutet eine zeitraubende Arbeit.

Ein Vorläufer des heutigen W&O

Doch was zum Vorschein kommt, freut und interessiert die Besitzerfamilie. Das Gebäude steht im Flath, im nördlichsten Gemeindeteil Sevelens an der Grenze zu Buchs. Gefunden wurden bis anhin verschiedene Teilstücke des «Werdenberger, allgemeiner Anzeiger» aus den 1870er-Jahren und später (dem Vorläufer des «Werdenberger & Obertoggenburger») mit den Inseraten, die heute oft ein Schmunzeln auslösen.

So wurde am Sonntag, 5. Februar 1888, in der «Krone», Sax, eine «gutbesetzte Tanzmusik abgehalten, wozu höflichst einladet: der Wirt.» Und am Samstag, 4. Februar 1888, wurde bei Johann Ulrich Eggenberger, Simmistauden, Grabs, schönes Rindfleisch per Pfund zu 50 Rappen ausgewogen. Oder:

«Hafner und Ziegler gesucht, von wem, sagt die Expedition des Blattes.»

Zur Isolation des Gebäudes wurde damals fast alles Papierene verwendet, auch ganze Schulhefte mit blauem Einband oder Pachtverträge, allesamt mit sorgfältiger Tintenschrift bereichert. Nur eben lädiert.

Gut erhalten ist aber zum Beispiel eine Aufstellung in kleinem Plakatformat zu den Ausgaben für den Strassenunterhalt (Regiestrassen und verpachtete Strassen) des Jahres 1865 im Kanton St. Gallen. Im Dokument ist ersichtlich, dass der Strassenunterhalt von Gams bis an den Rhein insgesamt 1352 Franken und 37 Rappen in jenem Jahr kostete. Die Fuhrlöhne dazu betrugen 292 Franken und 60 Rappen. Das Blatt entstammt dem dazumaligen Amtsbericht des Regierungsrates an den Grossen Rat des Kantons St. Gallen.

Ein Kilo Emmentaler für zwei Franken

Bisher «gerettet» werden konnte auch die Nummer 22 des im Jahr 1880 im zweiten Jahrgang erschienenen «Landwirtschaftlichen Wochenblattes», dem Organ der landwirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons St.Gallen. Gemäss dort publiziertem Marktbericht kostete ein Kilo Emmentaler-Käse Fr. 2.00 bis Fr. 2.20, ein Kilo Tafelbutter Fr. 2.70 oder ein Kilo gesottene Butter Fr. 2.80. Die verwitterten Holzschindeln bergen wohl noch weitere schriftliche Zeugen der Zeit unter ihrem schützenden Schirm.