Vaduz
Bereits zum dritten Mal: Mutmasslicher Pokerbetrüger muss vor Gericht

Zwei Casinobesuchern wird vorgeworfen, sich bei einer Pokerrunde illegal einen Spielvorteil verschafft zu haben. Weil das Obergericht der Berufung des Angeklagten Folge geleistet hat, muss sich das Erstgericht erneut mit dem mutmasslichen Pokerbetrug befassen.

Bettina Strahl-Frick
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Einem 60-jährigen Mann wird vorgeworfen, beim Pokern betrogen zu haben.

Einem 60-jährigen Mann wird vorgeworfen, beim Pokern betrogen zu haben.


Dynamixx/Fotolia

«Zurück an das Erstgericht», verkündete am Mittwoch der Senatsvorsitzende des Obergerichts am Ende der Berufungsverhandlung. Mit seinem Urteil habe es sich das Erstgericht im Oktober vergangenen Jahres «einfach gemacht», erklärte er weiter. Die damals vom Verteidiger gestellten Beweisanträge seien zu Unrecht abgewiesen worden.

Somit hat das Obergericht der Berufung des Erstangeklagten, eines 60-jährigen Mannes aus der Ukraine, Folge gegeben. Das Erstgericht wird sich erneut mit dem mutmasslichen Pokerbetrug befassen müssen.

Die Unterseite der Spielkarten gefilmt

Zwei Casinobesucher haben vergangenes Jahr allenfalls zu hoch gepokert: Mit einem modifizierten Handy filmten sie heimlich die Unterseiten der Spielkarten. Konkret legte sich einer der beiden während des Spiels ständig sein Handy – getarnt in einer unauffälligen Hülle – auf dem Tisch zurecht. Was dem Croupier dadurch nicht auffallen konnte: Das Handy verfügte über eine eingebaute Periskoplinse, welche die Unterseite der Karten filmte, während der Groupier diese zog.

Per Livestream sollen diese Daten dann an einen dritten Komplizen übertragen worden sein, der den beiden Spielern über einen kabellosen Kopfhörer schliesslich mitgeteilt haben soll, welches Blatt gerade verdeckt auf dem Tisch liegt. Bei den beiden Casinobesuchern handelte es sich um einen 60-jährigen Mann aus der Ukraine und eine 38-jährige Begleiterin, ebenfalls aus der Ukraine.

Der Sachverhalt sei unvollständig ermittelt

Letztere hat das Urteil des Erstgerichts angenommen: Eine Geldstrafe in der Höhe von 1200 Franken. Der Mann, dem das Erstgericht dieselbe Strafe ausgesprochen hatte, legte Berufung gegen das Urteil ein. Die beiden Angeklagten haben das Casino gemäss Strafantrag um einen Geldbetrag in der Höhe von 9300 Franken geschädigt. Allerdings zahlte der Betreiber den Geldbetrag nicht aus, sondern erstellte eine Quittung.

Der Mann aus der Ukraine zeigt sich nach wie vor nicht geständig. Coronabedingt liess er sich, wie bereits für die erste Verhandlung, entschuldigen. Sein Verteidiger warf am Mittwoch dem Erstgericht vor, den Sachverhalt unvollständig ermittelt zu haben. Zu diesem Entscheid kam schliesslich auch das Obergericht. Der Richter hätte den Beweisantrag, eine Tatrekonstruktion durchzuführen, nicht abweisen dürfen, argumentierte der Senatsvorsitzende.

Fall muss nochmals unter die Lupe genommen werden

Weiteres hätte bei der entsprechenden Telefongesellschaft unbedingt abgeklärt werden müssen, ob zu jenem Zeitpunkt tatsächlich grössere Datenmengen vom Handy des Angeklagten transferiert wurden.
Ebenso habe der Mann das Recht auf ein Sachverständigengutachten zu seinem Spielverhalten an jenem Abend.

Denn hätte er die Karten tatsächlich gekannt, hätte sich dies auf das Spiel deutlich ausgewirkt. Für den Angeklagten geht es um den Vorwurf des schweren Betrugs. Nun wird das Erstgericht den Fall noch einmal genauer unter die Lupe nehmen müssen und der Pokerbetrug geht in Runde drei.

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