"Usschella" in Räfis-Burgerau: dem alten Jahr zum letzten Gruss

Den Jahresausklang mit Schellen und Glocken besorgten am frühen Silvesterabend viele Kinder und Jugendliche in Begleitung von Erwachsenen mit einem Gang durch die Quartiere.

Hansruedi Rohrer
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Das «Altjohr-Usschella» ist ein gelebter Brauch, der jeweils am letzten Tag des alten Jahres vom Einwohnerverein Räfis-Burgerau (EVRB) organisiert und durchgeführt wird.

Verdiente Stärkung nach der Rundtour

Auch diesmal versammelten sich viele Kinder samt Erwachsenen auf dem Postplatz Räfis, bewehrt mit grossen und kleinen Glocken und Schellen, und bereit zum Abmarsch um 17 Uhr. Angeführt von Plumpenträgern des Flaggala-Holzer-Vereins begab sich der Zug lautstark auf die Route.

Nach der Rückkehr zum Postplatz erhielt jedes Kind eine Stärkung mit Wienerli, Brot und Punsch. Auf dem Rundgang machten die Mitwirkenden mit viel Lärm kund, dass in wenigen Stunden das alte Jahr verschwunden sein wird. So hatte jedes den kleinen Znacht verdient.

Eine jahrzehntelange Tradition

Diese Art von Verabschiedung wurde in Räfis-Burgerau schon früher gepflegt, wenn auch in etwas anderer Form. Doch mit lautem Geschell war der Brauch immer verbunden.

So schreibt Paul Hugger in seiner volkskundlichen Monographie 1964, «Werdenberg, Land im Umbruch», zum Räfiser Altjahrbrauch: «Der Jahreswechsel wurde recht festlich begangen. Die Knaben von Burgerau und Räfis machten den Anfang.

Wenn sich am Altjahrabend die Dunkelheit über Gassen und Wege senkte, begann ihr Wirken. Mit grossen Schellen und Plumpen lärmten sie durch die Weiler, an die vierzig und fünfzig wohl, in gewaltigem Zuge. Einer, zuvorderst, war Anführer, ein starker, grosser Bursche, in den Kapuzenmantel gehüllt und mit künstlichem langen Bart. Unter den Arm geklemmt hielt er einen Besen, und von Zeit zu Zeit gab er damit der Schar seine Befehle. So zog das Geschell durch die Strassen. Keine Belohnung erwartete die Jungen. Sie gingen dennoch, aus purer Freude am Lärm.»

Tradition wird weiterhin gelebt

Heute wird der Brauch seit vielen Jahren in geordneten Bahnen und begleitet durch den EVRB begangen. Er dauerte am Montagabend auch nicht die ganze Nacht, sondern lediglich etwa eine Stunde. Doch auch auf diese Weise konnte dem alten Jahr deutlich und lärmig «adieu» gesagt werden.