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Uraufführung von Peter Roths Requiem: Paradies könnte schon im Diesseits sein

In Alt St. Johann und St. Gallen erklang erstmals Peter Roths Requiem «Wisst ihr denn nicht?». Dem Komponisten ist ein reifes Werk gelungen, das nachdenklich macht und mitreisst.
Martin Preisser
Der Komponist am Flügel: Die Uraufführung von Peter Roths Requiem in Alt St.Johann. (Bild: Ralph Ribi)

Der Komponist am Flügel: Die Uraufführung von Peter Roths Requiem in Alt St.Johann. (Bild: Ralph Ribi)

Kann man ein «Pie Jesu» aus dem Requiemstext mit Jodel ausdrücken? Oder einen Choral so richtig grooven lassen? Peter Roth kann es. Sein beim Publikum begeistert aufgenommenes Requiem «Wisst ihr denn nicht?» vereint von Beginn weg Volkstümliches mit ernster Musik, Schlichtes mit Ausgefeiltem, Meditatives und Ausgelassenes.

Das Requiem für die Lebenden ist Roths bisher abgerundetstes Werk. Es trägt durchgehend die Handschrift eines Komponisten, der nicht nur viele Stile liebt und beherrscht, sondern sie in Freiheit, ohne Fesseln, ganz undogmatisch auslebt, verwebt und sich gegenseitig befruchten lässt.

Ein Herzschlag geht durch das ganze Stück

Es ist wirklich kein Totengedenken geworden, dieses Roth-Requiem, sondern ein aufrüttelndes «Lebe jetzt» und «Lebe so, dass es dieser Erde gut tut». Gewalt gegen Frauen, gegen die Natur, Gewalt in der Kirchengeschichte, Gewalt von Politikern, die überall wieder Mauern aufbauen: Dagegen singt dieses Requiem auch an. Mit aufrüttelnden Passagen aus der Bergpredigt, Worten des Indianerhäuptlings Seattle, des griechischen Dichters Konstantinos Kavafis oder der Theologin Dorothee Sölle.

Pochend wie ein Herzschlag beginnt das Stück. Und dieser Herzschlag mit dem Wunsch, doch das Paradies schon hier auf Erden zu versuchen, geht durch das ganze Stück. Es fliesst, frei, nachdenklich machend, aber auch mitreissend. Peter Roths Musik kann wachrütteln, ruft auf, tröstet und begeistert auch mit ihrem farbigen Grundklang und Groove (bestens durchgehalten von Adelina Filli, Kontrabass, und Maurizio Grillo, Perkussion).

Eindringlicher Jodel und zart improvisierende Musiker

Peter Roth weiss, wie er das macht. Indem er etwa die schönsten, aber auch aufrüttelndsten Passagen einem Frauenterzett übergibt. Mit grosser Natürlichkeit, aber auch schlichter Eindringlichkeit werden sie von Annelies Huser-Ammann, Doris Bühler-Ammann und Regina Huser interpretiert. Oder indem Roth Margrit Hess und Peter Walser mit warmen, ruhig zu Herzen gehenden Erzählpassagen betraut.

Vielleicht gelingen in diesem Requiem, das die verschiedenen Musikstile sehr persönlich mixt und färbt, die schönsten Momente, wenn der eindringlich schlichte Jodel von Annelies Huser-Ammann erklingt. Da leuchtet viel Zartheit, die Peter Roth auch den improvisierenden Musikern überlasst, allen voran mit betörender Eindringlichkeit Michael Neff (Trompete, Flügelhorn) und Albin Brun (Saxofon, Schwyzerörgeli), die dieser speziellen Sicht auf die Idee des Requiems eine oft magisch-mystische Note verleihen konnten.

Stilistische Grenzen wunderbar überwunden

Dieses freie Denken im Komponieren schien alle Mitwirkenden auch beim Interpretieren zu erfassen. Die Botschaft schien die Qualität anzuheizen, auch beim Chorprojekt – ein Chor, der anderthalb Stunden eindringlich sang, vor allem bei den Gospels den Drive feinsinnig mitfärbte. Peter Roth kann ganz kindlich sein beim Komponieren, aber auch ganz kunstvoll, eins geht ins andere über. Anspruchsvolles wird schlicht, Einfaches bedeutungsschwer.

Roth überwindet die sonst gezogenen stilistischen Grenzen wunderbar, ja hebt sie auf. Gelungen ist ihm ein Requiem nicht nur für die Lebenden, sondern eines, das alle mitgenommen hat, die sich aufs Hören eingelassen haben. Zum Glück gibt es 2019 vier weitere Aufführungen. Ein Trost für die unzähligen Musikfreunde, die in den beiden schon früh voll besetzten Kirchen nicht Platz gefunden haben.

Weitere Aufführungen: 23.2., 10.3., 15.6. und 23.6; chorprojekt.ch

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