Unterwasser
Tragikomödie mit einer Prise Witz: In einer Woche geht im Zeltainer die Premiere von «Einer flog über das Kuckucksnest» über die Bühne

«Einer flog über das Kuckucksnest» ist die vierte Eigenproduktion im Zeltainer in Unterwasser. Regisseur Daniel Koller zeigt mit seinen Laienschauspielern das gesellschaftlich aktuelle Theaterstück auf der Bühne.

Christiana Sutter
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Die Laienschauspieler sind mit viel Freude bei den Proben dabei: (von links) Dr. Spivey, Cilga Kobelt Wattwil; Randy McMurphy, Anja Eberl Bazenheid; Pfleger Finn, Bruno Pfyl Rapperswil: Oberschwester Ratched, Elfriede Verbruggen Züberwangen; Pflegerin Williams, Claudia Rickenmann Benken.

Die Laienschauspieler sind mit viel Freude bei den Proben dabei: (von links) Dr. Spivey, Cilga Kobelt Wattwil; Randy McMurphy, Anja Eberl Bazenheid; Pfleger Finn, Bruno Pfyl Rapperswil: Oberschwester Ratched, Elfriede Verbruggen Züberwangen; Pflegerin Williams, Claudia Rickenmann Benken.

Bild: Christiana Sutter

Zum vierten Mal wird im Zeltainer ein Theater in Eigenproduktion vorgeführt.

«Für mich ist es eine grosse Freude, dass mir Martin Sailer seit so vielen Jahren das Vertrauen schenkt, im Obertoggenburg spannende Theaterprojekte zu realisieren.»

Das sagt Daniel Koller. Mit «Einer flog über das Kuckucksnest» realisiert der in Unterwasser aufgewachsene Schauspieler, Theaterpädagoge und Regisseur ein weiteres anspruchsvolles Theaterstück. Die Auswahl der Stücke erfolgt auf gute Geschichten mit gesellschaftlich aktuellem Hintergrund und einer Prise Witz. Die erste Eigenproduktion war 2015 «Die Schweizermacher». 2017 folgte «Der Besuch der alten Dame» und 2019 «Adams Äpfel».

Mit Medikamenten und Elektroschocks ruhiggestellt

«Einer flog über das Kuckucksnest» thematisiert das Leben auf einer psychiatrischen Station, die unter der Tyrannei der Oberschwester Ratched steht. Die Hauptfigur ist die rebellische Randle McMurphy. Zu Beginn der Handlung wird McMurphy in die Anstalt eingeliefert. Er ist wegen Gewalttätigkeiten und Wettspiel zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Um dieser zu entgehen, simuliert McMurphy eine psychische Erkrankung. Die Anstalt erlebt er als menschenverachtendes System, denn die Insassen werden mit Medikamenten und Elektroschocks ruhiggestellt.

McMurphy macht es sich zum Sport, Oberschwester Ratched herauszufordern. Dies, indem er mit seinen Mitinsassen Wetten abschliesst, wie lange es dauert, bis er sie mürbe gemacht hat.

Mit Freude bei den Proben dabei

Die Laienschauspieler, Verantwortlichen für das Bühnenbild, die Kostüme, die Maske und die Technik sind ein eingespieltes Team und leisten viel freiwillige Arbeit. Einige der Schauspieler sind bereits zum vierten Mal dabei. Alle freuen sich auf eine gelungene Aufführung und sind mit viel Freude bei den Proben dabei. Für ihr Engagement kann man sie mit dem Besuch bei den Aufführungen belohnen.

Daniel Koller ist Regisseur.

Daniel Koller ist Regisseur.

Bild: Christiana Sutter

Daniel Koller, was fasziniert Sie an diesem Stück?

«Einer flog über das Kuckucksnest» legt sehr eindringlich dar, wie fatal sich der Machtmissbrauch einer einzelnen Person auf eine ganze Gesellschaft auswirken kann. Mich beeindruckt die Hauptfigur, die zwar selber keine blütenweisse Weste hat, sich aber gegen Diskriminierung auflehnt und für die Würde des Menschen kämpft. Die Wahrung der Menschenrechte sollte auf der ganzen Welt oberste Priorität haben.

Ist das Stück nun eine Tragödie oder ein Drama?

Es ist eine Tragikomödie, obwohl es auch ein Drama sein könnte. Für mich ist immer die Herausforderung: Je ernster ein Stück, umso grösser der Reiz, den Humor herauszukitzeln.

Alle Theaterstücke, die im Zeltainer schon gespielt wurden, beleuchten ein gesellschaftliches Thema. Ist das Absicht oder Zufall?

Ich finde es schon wichtig, Themen zu beleuchten, die die Gesellschaft aktuell beschäftigen. Es soll ja auch etwas hängenbleiben, über das man nachdenken, debattieren, aber auch lachen kann.

Ein schwieriges Jahr liegt hinter uns. Für Sie als Schauspieler, Theaterpädagoge und Regisseur gab es im letzten Jahr nicht viel zu tun. Wie haben Sie die Zeit genutzt?

Es war schon eine zähe Phase. Aber ich nutzte die Zeit unter anderem, um mit meiner Gruppe «Urstimmen» an einem neuen Abendprogramm zu feilen oder als Theaterpädagoge an Schul-Theater-Projekten mitzuwirken. Ich konnte mich also einigermassen über Wasser halten und wenn mir doch mal alles in den Kopf gestiegen ist, ging ich einfach in die Berge. Ich bin es aber gewöhnt, auch mal Dürreperioden auszuhalten und darauf zu vertrauen, dass wieder bessere Zeiten kommen. Das hat mir während Corona sehr geholfen.

Wie wichtig ist es, dass wieder kulturelle Anlässe stattfinden?

Für mich gar keine Frage: überlebenswichtig.

Aufführungen: 6./7./12./13./14. August um 20 Uhr, 8. August um 18.30 Uhr; Türöffnung 45 Minuten vor der Aufführung. Reservation erforderlich: 071 999 99 09/079 337 66 61. Im Innern des Zeltes ist Maskenpflicht. Weitere Informationen: www.zeltainer.ch

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