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Unternehmergeist wird für Landwirte immer wichtiger

Da Jammern über die schwierigen Zeiten wenig hilft, spucken viele Landwirte in die Hände und wappnen sich mit kreativen Ideen für die Zukunft. Sehr beliebt bei den Konsumenten sind beispielsweise Hofläden.
Jessica Nigg

Landwirtschaft ist nicht mehr das Gleiche wie noch vor 50 Jahren, als auch relativ kleine Betriebe noch ihr Auskommen hatten. Die Landwirte sind heute gezwungen, immer wirtschaftlicher zu produzieren – immer mehr zu immer tieferen Preisen. Schaffen sie das nicht, sieht die Zukunft schwarz aus. So mancher Landwirt blieb in den vergangenen Jahren auf der Strecke: Gab es 2011 noch knapp 60 000 Landwirtschaftsbetriebe in der Schweiz, waren es 2016 nur noch knapp 55 000 – 5000 Betriebe gingen in dieser kurzen Zeit ein. Das sind rund 8,3 Prozent. Auch im Kanton St. Gallen bewegte sich der Rückgang mit 8 Prozent im selben Rahmen. Etwas darunter blieb die «Sterberate» der Landwirtschaftsbetriebe im Werdenberg und Toggenburg. Hier gab es im Jahr 2016 noch 341 respektive 1216 Bauernhöfe.

Wirtschaften wie eh und je ist für viele Landwirtschaftsbetriebe nicht mehr möglich. Wer überleben will, muss entweder wachsen oder kreativ werden. Eine beliebte Art, das Einkommen aufzubessern, sind Hofläden.

Gemüse direkt ab Hof schmeckt vielen Konsumenten besser. Es ist frischer, regionaler und der Erlös kommt dem Produzenten zugute und nicht einem Grossverteiler. Ausserdem ist es je nach Hofladen sogar noch günstiger als beim Detailhändler.

Der Verkauf von Landwirtschaftserzeugnissen direkt ab Hof wird für die Bauern ein immer wichtigerer Nebenerwerbszweig. Dabei ist Hofverkauf nicht gleich Hofverkauf. Während viele Landwirte einzelne Produkte anbieten wie zum Beispiel Erdbeeren zum Selberpflücken, bieten andere ihre Erzeugnisse im kleinen Hofladen mit «Self-Check-Out» an. Manche Landwirte betreiben bediente Delikatessläden, wo man über Gemüse, Früchte, Fleisch, Joghurt, Sirup, Schnäpsen bis hin zum Saatgut für Blumenwiesen im eigenen Garten alles Mögliche findet. Hofläden gibt es für alle Wünsche und Budgets.

Wertschöpfung auf dem eigenen Betrieb behalten

Seit vielen Jahren verkaufen Andreas und Bettina Giger aus Sevelen ihr Gemüse im eigenen Hofladen. Das Provisorium wird in Kürze durch einen Neubau ersetzt. (Bild: Jessica Nigg)

Seit vielen Jahren verkaufen Andreas und Bettina Giger aus Sevelen ihr Gemüse im eigenen Hofladen. Das Provisorium wird in Kürze durch einen Neubau ersetzt. (Bild: Jessica Nigg)

Andreas und Bettina Giger aus Sevelen beispielsweise betreiben bereits seit 25 Jahren einen Hofladen. Auch für sie wird diese Einnahmequelle immer wichtiger. «Grund dafür, dass immer mehr Hofläden eröffnen, ist, dass auf dem freien Markt immer weniger bezahlt wird für die Produkte, zum Beispiel für Milch oder Fleisch», erklärt Andreas Giger. «Die Landwirte versuchen, die Wertschöpfung auf dem eigenen Hof zu behalten.» Ihr Direktverkauf sei ein Saisonladen, so Giger. «Im Winter haben wir somit weder Tomaten noch Gurken, sondern Lagergemüse und Nüsslisalat. Das, was hier wächst eben.»

Viele Landwirte arbeiten zusammen. So bezieht Giger Früchte aus Grabs, von Werdenberger Obst und Andis Hofladen. Umgekehrt beliefert er sie mit Gemüse. Das Konzept funktioniert so gut, dass Giger sein Hofladenprovisorium demnächst durch einen Hofladen-Neubau ersetzen wird.

Der Umweg in die Felder lohnt sich

Daniel und Dorli Seifert betreiben einen Hofladen und liefern auch direkt nach Hause. (Bild: Jessica Nigg)

Daniel und Dorli Seifert betreiben einen Hofladen und liefern auch direkt nach Hause. (Bild: Jessica Nigg)

Während der Hofladen der Familie Giger zwischen Vaduz und Sevelen und nahe der Autobahnanschlüsse strategisch sehr günstig gelegen ist, muss man den Böschnihof, der sich in den Feldern zwischen Räfis und Sevelen versteckt, suchen, beziehungsweise gezielt ansteuern. Um der Kundschaft den Umweg schmackhaft zu machen, hat sich Familie Seifert einiges einfallen lassen. Neben diversen Pflückfeldern gibt es einen Gourmet-Hofladen mit breitem Sortiment. Hier gibt es neben vielerlei Gemüse und Früchten auch Fleisch, Milchprodukte, Eingemachtes, Spirituosen, Blumenmischungen und vieles mehr zu kaufen. «Wir versuchen, Exklusives anzubieten. Nicht zuletzt deshalb verfügen wir wohl über eine sehr gute Stammkundschaft aus der Region und Liechtenstein», erklärt Daniel Seifert. Auch die Familie Seifert arbeitet mit anderen Produzenten aus der Region zusammen. Die verkauften Milchprodukte stammen beispielsweise aus dem Toggenburg von der Käserei Stofel in Unterwasser.

Für die Kunden, die sich nicht auf den Hof locken lassen, oder die ihr Gemüse zu einem bestimmten Zeitpunkt bequem nach Hause geliefert haben möchten, vertreibt die geschäftstüchtige Familie ihr Obst und Gemüse mit der Saisonbox.ch. «Mit Herz und Leidenschaft auf Feld und Hof produziert – mit Freude verkauft und Freude geschaffen», heisst der Werbespruch dazu. – So geht heute überleben auf dem freien Markt.

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