Schweinehaltung in der Strafanstalt Saxerriet: Seine Sauen bringen gar die harten Kerle in Schmusestimmung

Die Saxerrieter Freilandschweine können den natürlichen Wühltrieb ausleben und haben zusätzlich eine wichtige Funktion im Strafvollzug.

Corinne Hanselmann
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Peter Moos ist Werkmeister Schweinehaltung in der Strafanstalt Saxerriet. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Peter Moos ist Werkmeister Schweinehaltung in der Strafanstalt Saxerriet. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Neugierig kommen die Schweine schauen, wer da plötzlich in ihrem grossen Freilandgehege zu Besuch ist. Schuhe, Jeans und Kameraobjektiv werden sofort beschnuppert und angeknabbert. «Sie sind sich den Umgang mit Menschen gewohnt», sagt Peter Moos. Er ist Werkleiter Schweinehaltung in der Strafanstalt Saxerriet. Rund 130 Schweine tummeln sich hier auf drei Hektaren Wiesland. Einige liegen genüsslich im Schlamm, andere bevorzugen das mit Stroh eingestreute Weidezelt, wieder andere bedienen sich gerade am Futterautomaten oder wühlen im Boden.

Rund 130 Schweine tummeln sich im Freilandgehege.

Rund 130 Schweine tummeln sich im Freilandgehege.

Schon seit über 100 Jahren werden im Saxerriet Schweine gehalten. «Vor gut zwei Jahren haben wir mit der Freilandhaltung im grösseren Stil begonnen», erklärt Peter Moos. Auf dem Naturboden können die Schweine ihren angeborenen Wühltrieb ausleben. Er schätzt, dass sie sich zu etwa zehn Prozent von Gras, Wurzeln, Engerlingen, Mäusen und ähnlichem ernähren. «Ich finde die Freilandhaltung eine gute Sache», so der Meisterlandwirt.

Peter Moos arbeitet seit drei Jahren in der Strafanstalt. Er hat die Meisterprüfung als Landwirt und ist hauptsächlich für die Schweine zuständig. Regelmässig hilft er aber auch in anderen Bereichen aus. «Der Landwirtschaftsbetrieb ist Teamarbeit.» Doch Peter Moos ist nicht «nur» Landwirt, sondern betreut auch die ihm zugeteilten Insassen.

Ferkel sind aus dem eigenen Zuchtstall

Die Jungtiere kommen aus eigener Zucht, denn die Strafanstalt betreibt auch einen Zuchtstall mit 70 Muttersauen. Fünf Wochen lang werden die Ferkel gesäugt. Ein Teil davon darf einige Wochen später für die Ausmastphase raus auf die Wiese. Den grösseren Teil jedoch verkauft das Saxerriet weiter an andere Mastbetriebe. Die Freilandschweine sind altersdurchmischt und ganzjährig draussen auf einem Acker oder Weideflächen. Zwei- bis dreimal im Jahr wird der Standort gewechselt.
Mit rund 800 Gramm pro Tag nehmen die Freilandschweine etwas weniger schnell zu als Schweine in klassischen Mastbetrieben. «Den sogenannten 1000er-Club erreichen wir natürlich nicht», so Moos.

«Dafür haben unsere Schweine mehr Kilometer in den Beinen und auch mal Muskelkater. Ich denke, das haben Stallsauen nicht.»

Mit 90 Kilogramm erreichen die Schweine das Schlachtgewicht. Etwa zehn Prozent der Tiere, das sind ein bis zwei Sauen pro Woche, schlachtet die Metzgerei der Strafanstalt selber für den Verkauf im Laden sowie für den Eigengebrauch in der Anstalt. Alle anderen werden an die Silvestri AG verkauft. Für das Fleisch erhält das Saxerriet den IP-Suisse-Tarif plus einen Franken Freilandschwein-Zuschlag pro Kilogramm. Es wird hauptsächlich in Spar-Läden verkauft.

Die Tiere sind zutraulich und neugierig.

Die Tiere sind zutraulich und neugierig.

Gute Auswertungen trotz Freilandhaltung

Peter Moos öffnet die Stalltüre und führt zu den Muttersauen mit zwei Tage alten Ferkeln. Gezüchtet werden im Saxerriet Primera-Kreuzungssauen mit der Vaterrasse Schweizer Edelschwein. «Das sind leistungsfähige Sauen, die eigentlich für die Stallmast gezüchtet werden», sagt Peter Moos. Für die Freilandhaltung gäbe es Robustrassen. Da der Konsument aber «standardisierte» Koteletts will, hat sich auch das Saxerriet für Primera entschieden. «Die Haltung im Freien klappt gut. Nur im Frühling tritt manchmal etwas Sonnenbrand auf. Trotz Freilandhaltung sind aber die Schlachtauswertung und der Magerfleischanteil gut.»

Die Schweine wählen selber, ob sie im eingestreuten Stallzelt oder draussen sein möchten.

Die Schweine wählen selber, ob sie im eingestreuten Stallzelt oder draussen sein möchten.

Gesundheitlich geht es den Schweinen im Saxerriet sehr gut. «Im vergangenen Jahr hatten wir einen Abgang von nur 0,5 Prozent – in anderen Betrieben liegt dieser Wert häufig bei etwa 2 Prozent», weiss Peter Moos. Im Zuchtstall kämen gelegentlich Milchfieber oder Gebärmutterentzündungen vor. Er arbeitet dann mit alternativer Medizin, also homöopathischen Entzündungshemmern. Peter Moos blättert in einer Auswertung vom 4. Quartal 2018. Sie zeigt: Im Schweinestall im Saxerriet wurden in diesem Quartal kein einziges Mal Antibiotika eingesetzt.