Eine Wanderung im Gebirge ist kein Spaziergang: Das sollte bei jedem Ausflug in den Alpstein beachtet werden

In den Bergen unterwegs sein ist beliebt und erholsam. Doch eine Wanderung im Gebirge ist kein Spaziergang, dabei passieren viele Unfälle. Der Hauptgrund ist das Überschätzen der eigenen Fitness.

Ursula Wegstein
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Beim Wandern lässt sich gut abschalten: Aufstieg von der Schwägalp über die Tierwies auf den Säntis. (Bild: Urs Jaudas/Archiv)

Beim Wandern lässt sich gut abschalten: Aufstieg von der Schwägalp über die Tierwies auf den Säntis. (Bild: Urs Jaudas/Archiv)

Die Berge stehen wieder hoch im Kurs. Und das bei Jung und Alt. Weil es sich beim Laufen auf Gipfel, durch Schluchten oder beim Klettern an Felswänden gut abschalten lässt. Weil die Bewegung in der Natur Entschleunigung und Erholung verspricht. Doch der Volkssport Wandern hat auch eine traurige Kehrseite: Im Schnitt 45 Wandertouren pro Jahr enden in der Schweiz tödlich. Grund sind Gefahren, die falsch eingeschätzt oder gar nicht wahrgenommen werden.

Das können Naturereignisse sein wie ein Wettersturz, Gewitter, Nebel, Hangrutsch oder Steinschlag. Das können aber auch persönliche Faktoren sein wie Fehleinschätzungen oder falsches Verhalten. Unfälle entstehen meist aus einer Kombination aus beidem.

Selbstüberschätzung ist Unfallursache Nummer 1

Oftmals sei die falsche Einschätzung der eigenen Kondition die Unfallursache, sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. «Das Wandern hat ein modernes Image. Die Ausrüstung ist sehr gut.» Auch Nordic Walking mit Stöcken sei «in». Es fehle letztlich am Können und an der Kondition: Man nimmt sich eine zu lange Tour vor, ist körperlich erschöpft. Hat nicht genug Getränke und Proviant dabei.

«Irgendwann lässt die Konzentration nach und man vertritt sich oder stolpert», so Norbert Gantner, Rettungschef der Bergrettung Liechtenstein. Das könne letztlich jedem passieren», stellt er fest.

Die meisten Unfälle passieren laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung an exponierten oder rutschigen Stellen sowie beim Abstieg. Besonders gefährlich seien auch harte oder steile Altschneefelder. Auch die Dynamik in einer Gruppe führt bisweilen zu einer Fehleinschätzung oder Selbstüberschätzung.

Es gibt immer ein Restrisiko

In den beiden Fällen der in diesem Sommer im Liechtenstein verunglückten Wanderer handelte es sich gemäss Gantner um erfahrene und gut ausgerüstete Alpinisten. Auch die Wetterbedingungen seien gut gewesen. Es habe nicht am Können oder an der Ausrüstung gelegen. «Ein Restrisiko bleibt immer», sagt er. Das sei beim Autofahren nicht anders. «Letztlich entscheidet der Zufall.» Manchmal leider auch mit tragischem Ausgang.

Das sollte bei jeder Wanderung beachtet werden:

  • Tourenplanung: Jede Bergwanderung erfordert eine sorgfältige Planung. Die Länge, die Schwierigkeiten, der Zeitbedarf und der Wetterbericht sollten eingehend studiert werden.
  • Man sollte sich nicht auf persönliche Tourenbeschreibungen im Internet verlassen.
  • Auch alternative Routen oder mögliche Abkürzungen sind von Anfang an in Betracht zu ziehen.
  • Eine realistische Einschätzung der eigenen Fitness und Fähigkeiten ist wichtig. Bergwandern stellt höhere Anforderungen an die Gehtechnik und verlangt Trittsicherheit und Orientierungsvermögen. Wer im Gebirge unterwegs ist, sollte über die Gefahren und elementaren Verhaltensregeln in den Bergen Bescheid wissen. Keine Überforderung riskieren.
  • Auch in einer Gruppe die eigene Schwächen eingestehen.
  • Nicht zu spät aufbrechen.
  • Ausrüstung: Feste Wanderschuhe mit Profilsohle, ein Schutz gegen Kälte und Regen und ausreichend Getränke und Proviant sind ein Muss.
  • Regelmässig rasten, trinken und essen.
  • Kontrolle und Formcheck: Das Wetter, die Zeitplanung und die eigene Leistungsfähigkeit regelmässig überprüfen.
  • Um die Zeichen der Natur zu erkennen, muss man sie ständig beobachten. Das Erkennen einer Gefahr ist die wichtigste Voraussetzung, um ihr sachgerecht zu begegnen.
  • Markierte Wanderwege nicht verlassen.
  • Steile oder harte Altschneefelder umgehen oder ohne entsprechende Ausrüstung umkehren.
  • Im Zweifel auch den Mut haben, die Wanderung abzubrechen, statt ein Risiko einzugehen, oder eine kürzere Variante in Betracht ziehen. (uw)

Wer diese Tipps befolgt, dem wünschen wir viel Spass beim Wandern. Dazu hier unsere Wandertippkarte mit sämtlichen Wandertipps des St.Galler Tagblatts: