Treffpunkt Schönenbodensee: «Stammgäste sind ein sicherer Wert»

Einheimische und Feriengäste treffen sich gerne am Schönenbodensee in Wildhaus. Für einige Fans ist fast das ganze Jahr «Badizeit».

Adi Lippuner
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Am heissen Mittwochnachmittag herrscht im und auf dem Wasser des Schönenbodensees viel Betrieb. (Bilder: Adi Lippuner)

Am heissen Mittwochnachmittag herrscht im und auf dem Wasser des Schönenbodensees viel Betrieb. (Bilder: Adi Lippuner)

Die kleine aber feine Badi am Schönenbodensee wird von zahlreichen Stammgästen frequentiert. Diese haben ihre eigene, abschliessbare Kabine und verbringen viele Sonnenstunden in ihrer geliebten Oase.

Früher mit den Grosseltern, jetzt mit den eigenen Töchtern

Viele geniessen dieses Privileg bereits seit vier Jahrzehnten, wie die ganz in der Nähe wohnende Martina Agosti betont. «Schon als Kind durfte ich mit meinen Grosseltern hier baden, heute bin ich mit den eigenen Töchtern hier.»

Drei Generationen am Ufer des Schönenbodensees, wo Grossmutter, Mutter und Kinder gerne ihre Freizeit verbringen.

Drei Generationen am Ufer des Schönenbodensees, wo Grossmutter, Mutter und Kinder gerne ihre Freizeit verbringen.

Dann ist zu erfahren, dass es, bezogen auf den Schönenbodensee, eine ganz besondere Familientradition gibt.

Mutter Erna Meile:

«Wenn die Wildhauser Bergbahnen den letzten Tag der Wintersaison in Betrieb sind, gehen wir das erste Mal im See schwimmen.»

So wie der Familie, bei der schon die nächste Generation das Badevergnügen zu schätzen weiss, geht es auch anderen Stammgästen.

«Ich fahre mehrmals pro Woche von Wattwil nach Wildhaus. Schon die Fahrt ins oberste Toggenburg ist immer eine Erholung und der See, diese Umgebung und die netten Menschen bedeuten mir sehr viel. Da kann es mir noch so schlecht gehen, sobald ich hier bin, sind die Alltagssorgen vergessen», ist von Vreni Dütscher zu hören. Auch sie verbringt ihre Sommertage bereits seit mehr als 40 Jahren in dieser Oase.

Selber grillieren oder sich verwöhnen lassen

Bademeister Philipp Kaiser und seine Partnerin sorgen mit einer breiten Auswahl an Speisen und Snacks dafür, dass die Gäste auch kulinarisch verwöhnt werden. Wer will, kann bei der Grillstelle ein Feuer entfachen und so seine Würste oder sein Stück Fleisch braten.

«Das wird sehr rege genutzt», weiss Stammgast Claudia Vetsch. Sie ist bei sonnigem Wetter fast täglich am See, geniesst die Mittagspause, eine Abkühlung und je nach Zeit auch etwas Erholung auf dem Liegestuhl, bevor die nächste Verpflichtung in Angriff genommen wird. Auch Berufstätige verbringen ihre Mittagspause gerne am See, einige treffen während der Sommerferien ihre Ehefrauen und Kinder, andere haben sich mit Bekannten oder Freunden zum Essen verabredet.

Bademeister Philipp Kaiser geniesst die noch ruhigen Morgenstunden am Schönenbodensee.

Bademeister Philipp Kaiser geniesst die noch ruhigen Morgenstunden am Schönenbodensee.

«Unsere Gäste sind friedlich und entspannt, das erleichtert uns die Arbeit»

so Kaiser. Er müsse selten bis nie zur Ordnung mahnen, die Stimmung sei selbst bei viel Betrieb angenehm und das mache die Aufgabe angenehm. Für ihn und seine Partnerin seien die drei Monate, an denen sie die Badi Schönenbodensee betreuen, ein eigentlicher Traumjob. Zudem sieht Philipp Kaiser seine Stammgäste als «sicheren Wert». «Die meisten kommen auch, wenn das Thermometer nicht so hoch klettert, und sorgen für Betrieb am See und im Restaurant.»

Gemütliches Beisammensein und Neuigkeiten austauschen

Der See ist nicht nur ein Ort zum Baden, Abkühlen und Schwimmen. Am Schönenbodensee werden auch Neuigkeiten ausgetauscht und es bleibt Zeit für gemütliches Beisammensein. Oder um es mit Erna Meile zu sagen:

«Am frühen Morgen teile ich den See mit dem Fischreiher, über Mittag sind viele Gäste hier, ich kann mich entweder in Gesellschaft oder im Wasser erholen und am Abend schliesse ich den Tag mit einer Schwimmrunde ab.»

Während die Grossmutter und die junge Mutter das Erleben am See in den schönsten Farben schildern, tauschen auf den Liegestühlen in der Nachbarschaft zwei Frauen Neuigkeiten aus. Da wird informiert, wer im Spital liegen muss, wer bereits wieder daheim ist und wer sich einen neuen Partner angelacht hat.

Im Restaurant hat sich derweil eine Jassrunde zusammen gefunden und am Tisch daneben werden die jüngsten politischen Entscheide, wie das Ja zum Klanghaus und die hohe Stimmbeteiligung in der Standortgemeinde diskutiert. Der Schönenbodensee wird während der Sommermonate sozusagen zum Stammtisch-Ersatz.

Schwimmen im 13 Grad kalten Wasser

Doch zurück zu den drei Generationen, die ihre Zeit so gerne am Schönenbodensee verbringen. «Dieses Jahr hatte das Wasser bei der ersten Schwimmrunde 13 Grad, war also ziemlich frisch», so Erna Meile. Letzten Herbst sei ihre Badesaison im November beendet worden. «Doch sogar an Weihnachten waren ein paar Unentwegte im Wasser. Wir haben die Tradition, dass Dezember, Januar und Februar keine Badizeit ist.»

Alte Aufnahmen der Badi am Schönenbodensee aus der Sammlung von Karl Rüegg.

Alte Aufnahmen der Badi am Schönenbodensee aus der Sammlung von Karl Rüegg.

Dass schon früher am Schönenbodensee gebadet wurde, zeigen alte Aufnahmen, einige davon befinden sich in der Sammlung des Dorfchronisten Karl Rüegg. «Die Badeanlage soll schon 1930 bestanden haben», ist auf der Website zu lesen. «Was den Menschen damals gefiel, bereitet auch heute noch Freude, sind sich die Stammgäste einig.»

Offiziell ist die Badi am Schönenbodensee jeweils von 9.30 bis 19 Uhr geöffnet. Der Zutritt zum Restaurantbereich ist kostenlos und auch in Begleitung eines Vierbeiners möglich.