Ohne Händedruck, mit Skype: Wie das Zivilstandsamt Werdenberg während der Corona-Einschränkungen arbeitet

Weil bei Ziviltrauungen nur noch das Brautpaar und die beiden Trauzeugen, aber keine Gäste mehr zugelassen sind, gibt es kreative Möglichkeiten, die Liebsten trotzdem daran teilhaben zu lassen.

Heini Schwendener
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Eveline Kistler, Leiterin Stv. des Zivilstandsamtes Werdenberg, erläutert Ziviltrauungen in der Coronazeit.

Eveline Kistler, Leiterin Stv. des Zivilstandsamtes Werdenberg, erläutert Ziviltrauungen in der Coronazeit.

Bilder: Heini Schwendener

Die Monate Mai, Juni, August und September sind die klassischen Hochzeitsmonate. Doch die Coronakrise hat die Heiratspläne vieler Brautpaare total über den Haufen geworfen. Ziviltrauungen beim Zivilstandsamt Werdenberg waren und sind jedoch immer möglich. Allerdings hat das Coronavirus auch dabei seine Spuren hinterlassen.

Rund 170 Ziviltrauungen vollziehe das Zivilstandsamt Werdenberg pro Jahr, sagt Eveline Kistler, dessen stellvertretende Leiterin. Für die Zivilstandsbeamten sei derzeit eine aussergewöhnliche Zeit. Sie sagt weiter:

«Die erste grosse Veränderung war etwa der Verzicht aufs Händeschütteln bei der Begrüssung, beim Abschied und bei der Gratulation kurz nach dem Jawort. Der Kontakt zum Brautpaar und den Gästen wird dadurch distanzierter, was bedauerlich ist.»

Nur noch vier Personen statt Familien und Freunde

Einschneidend sind insbesondere auch die Beschränkung der teilnehmenden Personen an einer Trauung. Neben der Zivilstandsbeamtin oder dem Zivilstandsbeamten sind nur das Brautpaar und die beiden Trauzeugen zugelassen. Ausserdem, wenn notwendig, noch eine dolmetschende Person.

Diese Skulptur eines Paares kommt als Dekorationsgegenstand bei Ziviltrauungen zum Einsatz.

Diese Skulptur eines Paares kommt als Dekorationsgegenstand bei Ziviltrauungen zum Einsatz.

Ausserhalb der Coronazeiten hingegen hängt die maximale Zahl der teilnehmenden Gäste von der Grösse des Raumes ab. In kleineren Trauungsräumen in verschiedenen Rathäusern können maximal 15Personen teilnehmen. Im Stadtratssaal in Buchs hat es Platz für bis zu 40 Personen. Auch in der Alten Mühle in Gams und im Schloss Werdenberg sind grössere «Hochzeitsgesellschaften» möglich. Aus Erfahrung weiss Eveline Kistler:

«Normalerweise nehmen etwa 10 bis 20 Personen an einer Ziviltrauung teil.»

Die Lieben daheim am Ereignis teilhaben lassen

Darum sei es derzeit sehr ungewohnt, mit so wenig Leuten an einer Ziviltrauung zu sein, sagt Kistler, «denn in der Regel bringt das Brautpaar Familie sowie Freunde mit und teilt den schönen Moment mit den Liebsten. Nun kommt es öfters vor, dass Trauungen via Skype oder dergleichen übertragen werden. So können auch die Liebsten beim schönen Moment live mit dabei sein.»

Die Zivilstandsbeamtin ist erstaunt, dass wegen der Coronakrise und deren Einschränkungen letztlich doch nicht allzu viele Trauungen abgesagt wurden, «zwei wurden im März, April und Mai definitiv abgesagt, drei wurden auf später verschoben.» In den drei «Corona-Monaten» März, April und Mai gab es im Werdenberg 29 Ziviltrauungen. Angesichts der vielen Feier- und Freitage im Mai halte sich der Einbruch der Zahl der Ziviltrauungen in diesen Monaten somit in Grenzen.

Zuwarten, bevor der Termin gebucht wird

Feststellbar sei aber, dass viele Brautpaare die Entwicklung im Auge behalten und derzeit zuwarten, bevor sie einen Termin buchen. Auch ausserhalb der Coronazeiten kommt es gelegentlich vor, dass bereits gebuchte Termine für die Ziviltrauung abgesagt werden. Gründe für die Absage muss das Brautpaar keine nennen. Eveline Kistler hat festgestellt:

«Trauungen, die schon länger geplant sind, werden eher abgesagt als Trauungen, die kurzfristig gebucht werden.»

Die Lockerung der Coronamassnahmen wird in den nächsten Wochen wohl weiter vorangetrieben. Beim Zivilstandsamt Werdenberg ist im Juni die Agenda der Trauungen noch relativ leer, Corona lässt also grüssen. Die Zivilstandsbeamtin vermutet, dass die Nachfrage im Herbst ansteigen wird. Termine für Ziviltrauungen können bis zu sechs Monate im Voraus reserviert werden.

Häufig liegen zwischen der zivilen und der kirchlichen Trauung nur einige Tage oder ein bis zwei Wochen. Das hat sich in den vergangenen Monaten geändert.

«Oftmals fanden die Ziviltrauungen trotz des Coronavirus statt, eine allfällige anschliessende kirchliche Trauung mit einem grossen Fest wird eher um ein Jahr verschoben», erzählt Eveline Kistler.