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Tote Bäume beleben den Wald

Baumstrünke und Baumstämme werden im Wald bewusst liegen gelassen. Sie dienen als Nahrung und Unterschlupf für viele Tiere, fördern die Biodiversität und den Jungwuchs.
Alexandra Gächter
Durch die Zersetzung von Baumstrünken gelangen Nährstoffe in den Boden. Das hilft der Verjüngung des Waldes. (Bild: Alexandra Gächter)

Durch die Zersetzung von Baumstrünken gelangen Nährstoffe in den Boden. Das hilft der Verjüngung des Waldes. (Bild: Alexandra Gächter)

Alt, krank, tot, nutzlos. Was der Mensch in vielerlei Hinsicht so wertet, gilt für die Natur nicht. Für sie ist nichts Pflanzliches oder Tierisches, das im Wald steht oder liegt, nutzlos. Selbst abgestorbene Bäume oder Teile davon nicht.

«Es kommt hin und wieder vor, dass Waldbesucher sagen, man solle herumliegende Äste, Baumstrünke oder -stämme wegräumen», sagt der Wartauer Revierförster Ernst Vetsch. «Nicht alle wissen, dass wir Totholz teilweise bewusst liegen lassen.» Einerseits hat das ökonomische Gründe: «Die Möglichkeit und das Geld fehlt, um alle Äste und Baumstämme herauszuholen.» Anderseits ökologische: «Totholz ist wichtig für die Biodiversität im Wald», sagt Vetsch.

Lebensraum für unzählige Lebewesen

Eine Vorgabe, wie viel Totholz ein Wald enthalten muss, gibt es nicht. Gemäss Pro Natura hat es in den Schweizer Nutzwäldern durchschnittlich 21,5 m3 Totholz pro Hektare. Das ist vergleichsweise wenig. In Osteuropas Naturwäldern gibt es bis zu 400 m3 Totholz pro Hektare.

Wie viel totes Holz in der Region Werdenberg im Wald liegt, ist unbekannt. Ernst Vetsch findet jedoch, dass es zu wenig ist. «Vor allem im Mittelland ist der Anreiz gross, liegende Stämme für die Holzverarbeitung zu nutzen.» In abgelegenen Orten des Werdenbergs gibt es mehr Totholz, da die Kosten für das Bergen und den Transport höher sind als die Einnahmen des Holzes.

Als tot gilt ein Baum in Försterkreisen dann, wenn er keine Blätter mehr produzieren kann. Bis er vollständig zu Staub zersetzt ist, können je nach Baumart, Klima und Umgebung Jahrzehnte bis Jahrhunderte vergehen. Erst wird das Holz besiedelt, dann zerfällt es, dann wird es zu Erde. So lange ist das Holz der Natur von Nutzen. «Das abgestorbene Holz ist Lebensraum für unzählige Lebewesen. Käfer, Würmer und Pilze ernähren sich davon – Kleintiere finden Unterschlupf und Nistgelegenheiten darin.» Das Überleben gewisser Arten wie zum Beispiel der Schwarzspecht, der Hirschkäfer und der Alpenbock ist sogar von abgestorbenem Holz abhängig.

Totholz nützt nicht nur der Fauna, auch die Flora profitiert. «Die Verjüngung der Bäume klappt besser, wenn es Totholz in der Nähe hat. Durch den Zersetzungskreislauf gelangen wertvolle Nährstoffe in den Boden. Totholz nimmt den jungen Bäumen auch weniger Licht weg als ein Baum mit Laub oder Nadeln», so Vetsch.

Gewisse Stämme und Äste müssen entfernt werden

Totholz lockt jedoch – aus Menschensicht – Schädlinge wie den Borkenkäfer an. «Bei liegenden Fichten schneiden wir deswegen die Rinde ein. Die Fichte trocknet aus und die Larven des Borkenkäfers können sich nicht weiterentwickeln. Andere Baumarten sind weniger heikel, da ihr abgestorbenes Holz auch Feinde des Borkenkäfers anlockt», so Ernst Vetsch.

In manchen Fällen muss Totholz aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Neben Wanderwegen werden abgestorbene Bäume, die noch stehen, gefällt. Baumstrünke und Äste, welche in Gewässern zu liegen kommen, werden entsorgt, damit daraus keine Überschwemmungen resultieren. In Schutzwäldern werden kranke, alte oder tote Bäume auf etwa einen Meter abgesägt. Die Baumstrünke lässt man stehen, da diese immer noch Schnee und Geröll abhalten können. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden die gefällten Stämme quer hinter die Baumstrünke gelegt und dort liegen gelassen. «Ein richtig ­platzierter Stamm nimmt seine Schutzfunktion wahr, bis das Jungholz nachgewachsen ist.»

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