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Toggenburg Bergbahnen AG zeigen sich «offen für bedingungslose Gespräche für eine Fusion» – Bergbahnen Wildhaus AG verlangen zuerst den Rückzug des Übernahmeangebotes

Ohne Vertrauen seien Gespräche über eine Fusion nicht denkbar. Deshalb müsse zuerst das «feindliche Aktienübernahmeangebot» der TTB an ihre Aktionäre von Tisch, sagen die Bergbahnen Wildhaus. Dann seien «Gespräche auf Augenhöhe» möglich.
Thomas Schwizer
Hochbetrieb beim Berggasthaus Oberdorf in Wildhaus: Die Toggenburg Bergbahnen AG will zum Investitionsentscheid der Bergbahnen Wildhaus für das Projekt Wildhaus 2.0 nicht klar Stellung nehmen. (Bild: Benjamin Manser)

Hochbetrieb beim Berggasthaus Oberdorf in Wildhaus: Die Toggenburg Bergbahnen AG will zum Investitionsentscheid der Bergbahnen Wildhaus für das Projekt Wildhaus 2.0 nicht klar Stellung nehmen. (Bild: Benjamin Manser)

Die Schlagzeilen um die beiden Bahnunternehmen im obersten Toggenburg reissen nicht ab. Die Verweigerung der St.Galler Regierung, den Bergbahnen Wildhaus NRP-Gelder für ihr Ausbauprojekt zu genehmigen, ein schon mehrfach verlängertes Aktienübernahmeangebot der TBB. Und zuletzt das definitive Aus für das gemeinsame Winterticket der Toggenburg Bergbahnen AG (TBB) und der Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) sowie der Entscheid der Wildhauser, ihr 11,6-Millionen-Projekt Wildhaus 2.0 im nächsten Jahr zu realisieren.

Jetzt zeigt sich die TBB plötzlich offen für bedingungslose Fusionsgespräche. Die BBW fordert aber zuerst den Rückzug des «feindlichen Übernahmeangebotes».

Strategie der TBB für Wildhaus und Realisierung durch die BBW

Die TBB hat am 28.September 2019 in einem Inserat im «Toggenburger Tagblatt» die Verlängerung des Übernahmeangebotes an die BBW-Aktionäre bis Ende August 2020 veröffentlicht. Gleichzeitig gab sie erstmals Einblick in ihre Strategie nach der angestrebten Übernahme/Fusion für Wildhaus. Konkret nannte die TBB eine «Ausweitung des Angebots für Familien und Einsteiger im Raum Oberdorf».

Die BBW hat dies in ihrem Aktionärsbrief zwei Wochen später wie folgt kommentiert: «Hierfür brauchen wir wahrlich keine Nachhilfe: Unser Projekt 2.0 ist die planungsfertige Antwort darauf.»

Am 23. Oktober hiess es dann aus Wildhaus, die BBW werde auf die Wintersaison 2020/21 mit dem Projekt Wildhaus 2.0 die neue 6er-Sesselbahn Oberdorf-Freienalp realisieren – inklusive neuen Kinderskilifts im Oberdorf, Pistenverbesserungen sowie Optimierungen bei der technischen Beschneiung. Die Finanzierung sei sichergestellt.

TBB nennt Zweifel an der Gross-Investition in Wildhaus

Erachtet die TBB diese Investition der BBW als strategisch richtig? Dazu stellt die TBB in der schriftlichen Antwort auf die Fragen des W&O fest: «Es ist nicht an der TBB, die Investitionen der BBW zu beurteilen. Ob dieses Projekt Sinn macht, werden schlussendlich die Kunden beurteilen.»

Als Fragen, die sich stellen, nennt Mediensprecher Alex Singenberger von den Toggenburg Bergbahnen: Empfinden Kunden mit Kindern einen Sessellift als familienfreundlich? Betrachtet der Gast diese Investition im Gesamtkontext als attraktivitätssteigernd? Bringt diese Investition der BBW die erforderlichen Mehreinnahmen, welche sie für eine selbstständige Zukunft braucht? «In Kreisen von Tourismus-Sachverständigen bestehen Zweifel», zeigt sich die TBB dann doch kritisch.

Übernahmeangebot wird möglicherweise angepasst

Hat der Investitionsentscheid der BBW, 11,6 Millionen Franken und rund 4 Millionen flüssige Mittel zu investieren, eine Auswirkung auf das Aktienübernahme-Angebot? Dazu schreiben die TBB: «Diese Investition lässt vermuten, dass sich die BBW weiterhin eher gegen eine Fusion positionieren will.»

In ihrem Aktienübernahmeangebot nennt die TBB ausdrücklich als Bedingung, dass die Verantwortlichen der BBW «bis zum Voll- oder Rückzug dieses Angebotes» keine Beschlüsse über grössere Investitionen tätigen. Alex Singenberger führt auf Anfrage aus:

«Wenn eine Anpassung des Angebots, in welche Richtung auch immer, opportun erscheint, werden wir es tun.» Alex Singenberger, Mediensprecher der TTB

«Die TBB hat sich nie verweigert, über Vorschläge zu diskutieren»

Die TBB wurde dafür kritisiert, dass sie den Vorschlag von Toggenburg Tourismus (TT) abgelehnt habe, mit dem diese Organisation dem übernachtenden Gast oder Ferienhausbesitzern vergünstigte Wintertickets beider Bahnen abgeben wollte. Dies, nachdem das gemeinsame Winterticket ersatzlos ausgelaufen ist. Die TBB würden «alle bisherigen Vorschläge und Ideen als Behinderung des Prozesses zu marktgerechten Strukturen kategorisch ablehnen», teilte Toggenburg Tourismus am 17. Oktober dazu mit.

TTB-Mediensprecher Alex Singenberger betont: «Die TBB hat sich nie verweigert, über irgendwelche Vorschläge zu diskutieren. Im Rahmen ihrer unternehmerischen Verantwortung ist es ihre Pflicht, solche Angebote sorgfältig zu prüfen und allfällige Bedenken einzubringen.» Auf diese Bedenken sei keine Antwort gekommen, «sondern das Gespräch wurde seitens TT abgebrochen.»

TBB: «Unfreundliches Angebot» liess sich nicht vermeiden

Toggenburg Tourismus hat am 17.Oktober 2019 festgestellt, die TBB würden in ihrem «unfreundlichen Übernahmeangebot» den einzigen Weg zu einem regionalen Ticket sehen. Was sagt die TBB zur Formulierung «unfreundliches Übernahmeangebot», das nun auch Toggenburg Tourismus verwendet?

Dazu schreibt Alex Singenberger: «Im Jargon wird ein Fusionsangebot, welches direkt den Aktionären zugeht, als ‹unfriendly› bezeichnet. Die TBB sei nicht darum herumgekommen, «weil der Verwaltungsrat der BBW nie zu Gesprächen für eine Fusion oder nur schon zur Anpassung des Verteilschlüssels im Tarifverbund bereit war». Die TBB habe deshalb direkt an die Kapitaleigner gelangen müssen. «Ob dieses Vorgehen aus Sicht der Aktionäre, die das finanzielle Risiko tragen, als unfreundlich zu bezeichnen ist, sei dahingestellt», so Singenberger weiter.

«Bedingungslose Fusionsgespräche» contra «Fusion nur auf Augenhöhe»

Der Mediensprecher fügt hinzu:

«Die TBB ist nach wie vor offen für bedingungslose Fusionsgespräche.» Alex Singenberger, Mediensprecher der TTB

Der Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus AG, Jakob Rhyner, hielt bereits mehrfach fest, die BBW sei für «Fusionsgespräche auf Augenhöhe» bereit. Dafür brauche es aber eine vertrauenswürdige Basis. Diese sei nur dann gegeben, wenn das «erpresserische» Aktienübernahmeangebot zurückgezogen werde, stellte Rhyner klar. In der aktuellen Situation mit dem erneut verlängerten, Übernahmeangebot empfinde die BBW das Ansinnen der TBB «vielmehr als Verlangen nach bedingungsloser Kapitulation».

«Es ist ein Angebot, kein Zwang»

Erachtet die TBB das Aktienübernahmeangebot wirklich als Fusion, obwohl diese nur ausgeübt wird, wenn die TBB 51 % der im Aktienbuch eingetragenen Aktien an der BBW halten würde – also die Mehrheit hätte?

«Gemäss Fusionsgesetz ist es in jedem Fall eine Fusion», hält Alex Singenberger fest. «Die Gewichtung innerhalb der fusionierten Gesellschaft ergibt sich aus den Unternehmenswerten der Partner. In jeden Fall ist unsere Initiative ein Angebot und kein Zwang», schreibt der TBB-Sprecher. Er wiederholt: «Für bedingungslose Fusionsverhandlungen ist die TBB offen.»

TBB: Die Behauptungen der BBW zur Liquidität sind haltlos

Die BBW werfen in ihrem Aktionärsbrief vom 9.Oktober 2019 der TBB vor, diese wolle mit der angestrebten Übernahme der BBW ihre eigene, «ungenügende Liquidität» verbessern. Denn die Liquidität in Wildhaus sei deutlich besser.

Alex Singenberger schreibt dazu: «Die Behauptungen der BBW zur Liquidität sind haltlos. Tatsache ist, dass die TBB dank unternehmerischer Sorgfalt und harter Arbeit es schafft, eine Ebitda-Marge von über 32 % zu erwirtschaften und profitabel zu sein. Ein solcher Wert ist grundsätzlich eine sehr gute Leistung und in der Bergbahnbranche gar eine Seltenheit.»

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