Sevelen/Wartau: Bei Streitereien versuchen Beteiligte manchmal, den Tierschutz zu instrumentalisieren

This Vetsch, der Tierschutzbeauftragte der Gemeinden Sevelen und Wartau, hat etwa 60 Einsätze im Jahr. Einige davon ärgern ihn ganz besonders.

Heini Schwendener
Drucken
Teilen
Der Tierschutzbeauftragte This Vetsch mir einer seiner Pinzgauerkühe. (Bild: Heini Schwendener)

Der Tierschutzbeauftragte This Vetsch mir einer seiner Pinzgauerkühe. (Bild: Heini Schwendener)

Im vierten Jahr ist This Vetsch nun schon der Tierschutzbeauftragte der beiden Gemeinden Sevelen und Wartau. Der Landwirt vom Pinzgauerhof im Eichlewasser in Sevelen hat täglich mit Tieren zu tun und kennt sich mit Nutz- und Haustieren bestens aus. Er sagt:

«Diese Erfahrung und dieses Wissen helfen mir natürlich bei meiner Funktion als Tierschutzbeauftragter.»

Mit der Hitzeperiode in diesen Tagen kommt erfahrungsgemäss wieder einiges an Arbeit auf ihn zu. Steigen die Temperaturen nämlich auf 25 Grad oder höher, dann sind Tierhalter verpflichtet, ihren Tieren einen vor der direkten Sonneneinstrahlung schützenden Unterstand zur Verfügung zu stellen. Das können neben Ställen und Dächern auch schattenspendende Bäume sein.

Nicht die Tierhaltung ist das Problem, sondern ein Streit

Viele Anrufe, die er in diesen Tagen erhält, seien aber schnell zu erledigen. Manchmal sehen die Leute, die den Tierschutzbeauftragten auf den Plan rufen, nämlich nicht alle Umstände. Sie sehen beispielsweise in einer Momentaufnahme nur Tiere auf der Weide, wissen aber nicht, wie lange sie schon dort sind oder noch dort sein werden. Oder sie sehen nicht, dass sich die Tiere auch in den Stall begeben können oder dass es auf der Rückseite des Stalls Unterstände oder am Ende der Weide schattige Plätze gibt. Stellt Vetsch bei einer Kontrolle aber tatsächlich fest, dass dem Tierschutz nicht Rechnung getragen wird, macht er den Tierhalter umgehend darauf aufmerksam.

Tiere suchen bei der grossen Hitze Schattenplätze. Tierhalter haben solche ab 25 Grad allen ihren Tieren bereitzustellen. (Bild: Reto Martin)

Tiere suchen bei der grossen Hitze Schattenplätze. Tierhalter haben solche ab 25 Grad allen ihren Tieren bereitzustellen. (Bild: Reto Martin)

«In den meisten Fällen wird das Problem auch sofort behoben», sagt er. Vetsch macht seine Arbeit gerne und mit Engagement. Es ärgert ihn allerdings, dass es gerade bezüglich der Hundehaltung jedes Jahr zu einigen missbräuchlichen Anzeigen beim Tierschutzbeauftragten kommt. Häufig steckt dahinter ein (Nachbarschafts-)Streit. Um dem Gegenüber eins auszuwischen, wird der Tierschutz alarmiert mit dem Verweis auf schlechte Tierhaltung. Für This Vetsch sind solche Anzeigen ärgerlich. Mit rund 60 Einsätzen im Jahr habe er genug Arbeit, ohne dass er auch noch in Streitereien verwickelt werde, bei denen Tierschutzanliegen nur vorgeschoben seien und folglich auch den Streit nicht lösen könnten.

«Mir scheint, dass seit dem spektakulären Fall Hefenhofen alle Schweizer Tierschützer geworden sind», sagt This Vetsch. Die Leute seien sensibler für das Thema Tierschutz geworden, und somit kommt auf den Tierschutzbeauftragten tendenziell mehr Arbeit zu. Wird This Vetsch auf eine problematische Tierhaltung oder auf einen problematischen Umgang mit Tieren aufmerksam gemacht, rückt er aus, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

«Es gibt in unserer Region sehr viele Hunde»

Von den rund 60 Einsätzen im Jahr betreffen etwa zwei Drittel die Hundehaltung. Etliche Anzeigen in diesem Bereich seien indes nicht berechtigt (vgl. Titelseite), sondern einem Streit zwischen zwei Parteien geschuldet, der irgendwann auch noch über einen vermeintlichen Tierschutzverstoss ausgetragen werde.

«Vor Ort sehe ich meist sehr schnell ob die Tierhaltung in Ordnung ist und muss spätestens dann feststellen, dass die Ursache für die Anzeige wohl ein Streit ist, der nun auch noch auf dem Rücken von Tieren ausgetragen wird»,

erzählt This Vetsch. Hunde sind in seinem Alltag immer wieder ein Thema, was ihn nicht verwundert: «Es gibt in unserer Region sehr viele Hunde und natürlich auch viele sehr gute Hundehalter. Aber es gibt leider auch Hundehalter, die ihre Tiere nicht im Griff haben und die sich nicht korrekt verhalten.»

Stichworte sind: Hunde an der Leine führen oder nicht; Hundehalter, die mit zu vielen Tieren unterwegs sind; die Kotaufnahmepflicht wird ignoriert usw. Erfährt Vetsch davon, nimmt er mit den betroffenen Tierhaltern Kontakt auf und verweist sie auf die einschlägigen Vorschriften.

Nur ein Betretungsrecht

Der Tierschutzbeauftragte hat nur ein Betretungsrecht für ein fremdes Grundstück und er darf lediglich einen Blick von draussen in den Stall werfen. Lässt der Tierhalter ihn nicht in den Stall oder ins Wohnhaus, wo beispielsweise Hunde oder Katzen gehalten werden, wendet sich der Tierschutzbeauftragte an das Veterinäramt, das sich dann, teils in Begleitung der Polizei, Zutritt verschafft. This Vetsch selber musste noch nie mit Polizeischutz ausrücken. Er hat bei seinen Einsätzen aber auch schon eine zusätzliche Person beigezogen. «Wenn wir mit vier Ohren zuhören, wird es für Tierhalter schwieriger, später plötzlich wieder etwas anderes zu behaupten.»

Bedroht worden sei er noch nie, sagt Vetsch, «aber manchmal fällt schon das eine oder andere grobe Wort.» Damit müsse man als Tierschutzbeauftragter eben klar kommen.

Ein krähender Hahn hält viele Leute auf Trab

Der Tierschutzbeauftragte ist oft auch Anlaufstelle für Fragen zur Tierhaltung. Aber auch für Leute, die sich von Tieren gestört fühlen. Ein Hahn, der schon viele Jahre mitten im Dorf lebt und nie Reklamationen ausgelöst hat, ist einem neuen Anwohner ein Dorn im Auge. Inzwischen wird die Geschichte hin- und hergereicht, und landet letztlich immer wieder beim Tierschutzbeauftragten. Der hat sich die Tierhaltung angesehen und entschieden, aus Sicht des Tierschutzes dürfe der Hahn draussen bleiben, auch wenn er frühmorgens kräht. Ausserdem sei dem ländlichen Charakter der Gemeinde Rechnung zu tragen, «hier gehört ein Hahn auch heute noch immer dazu», so This Vetsch.

Die Geschichte beschäftigt unterdessen nicht nur Vetsch, sondern auch die Gemeindebehörde, das Veterinäramt und die Polizei. Der vom Hahn um seinen Schlaf gebrachte Bewohner pocht vehement auf seine Nachruhe.

Rückhalt bei den Behörden

This Vetsch ist den Gemeindebehörden von Sevelen und Wartau dankbar, dass er ihr volles Vertrauen geniesst, «denn anders könnte ich die Arbeit nicht ausführen». Als er beispielsweise einmal eine Hundehalterin ermahnt hatte, ihren Vierbeiner an die Leine zu nehmen, weil er Menschen angesprungen hatte, beschwerte sich die Frau sofort bei der Gemeinde über den Tierschutzbeauftragten. «Die ist aber ganz schön abgeblitzt», freut sich This Vetsch. Viele Tierhalter seien sich ihrer Fehler gar nicht bewusst. So musste er z. B. Reiter darauf aufmerksam machen, mit ihren Tieren bei grosser Hitze nur am frühen Morgen zu reiten. Mit gesundem Menschenverstand hätten sie doch selber darauf kommen müssen, so Vetsch. (she)