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Thomas Gnägi ist vom Konzept bis zum Nagel dabei

Bei seiner Arbeit als Leiter Schloss Werdenberg und somit Verantwortlicher zweier Museen beschäftigt ihn die Frage, wie bei den Besuchern das Interesse an historischen Inhalten geweckt wird.
Esther Wyss
Thomas Gnägi behält den Überblick, wenn es um die Belange des Schlosses Werdenberg geht. (Bild: Mareycke Frehner)

Thomas Gnägi behält den Überblick, wenn es um die Belange des Schlosses Werdenberg geht. (Bild: Mareycke Frehner)

Pünktlich erreicht Thomas Gnägi mit öffentlichen Verkehrsmitteln sein Büro im ehemaligen Rathaus des Städtchens Werdenberg. «Ich reise von Stadt zu Stadt und liebe das Unterwegssein in beiden Richtungen gleichermassen. Für mich ist das Pendeln eine Bereicherung», sagt er. Sein Lebensmittelpunkt ist Zürich, sein Arbeitsort das Städtchen Werdenberg. «Ich bin in Zürich aufgewachsen, unsere beiden Kinder sind hier ein­geschult, und wir wohnen sehr schön in der Nähe des Klusplatzes. Ich pendle gerne und während der Zugfahrt kann ich ungestört arbeiten.»

Seine Freizeit verbringt Thomas Gnägi mit sportlichen Tätigkeiten und mit seiner Familie beim Wandern. Das gemeinsame Essen in der Familie ist ihm wichtig.

Enge Verbindung zwischen Schlangenhaus und Schloss

Thomas Gnägi hat 2014 die Leitung der Museen Werdenberg übernommen. Damals war das neue Konzept für das Schloss Werdenberg bereits durch externe Profis erarbeitet und die Umsetzung desselben fast abgeschlossen. Ein leises Bedauern ist herauszuhören, nicht von Anfang an mit dabei gewesen zu sein. Als Leiter von Schloss Werdenberg ist er nun für den ganzen Betrieb zuständig.

Das Schlangenhaus und Schloss Werdenberg sind für ihn eng miteinander verbunden. Beide Bauten sind als architektonische Highlights die Hauptausstellungsstücke der Museen und dadurch ein einmaliges Museumskonzept.

Zu den Aufgaben von Gnägi gehört alles, was nach aussen sichtbar ist, sowie die Organisation dessen. (Bild: Mareycke Frehner)

Zu den Aufgaben von Gnägi gehört alles, was nach aussen sichtbar ist, sowie die Organisation dessen. (Bild: Mareycke Frehner)

Im Schlangenhaus wird Kultur­geschichtliches ausgestellt. Die Museumsbesucher können in die Geschichte des Werdenbergs eintauchen. Da finden sie schöne alte kulturhistorische Gegenstände. Zum Beispiel ein einfach geschnitztes Holzspielzeug, eine Handorgel oder ein Bett mit einem Laubsack. Es sind Objekte und Funde, mit denen man die kleine Welt der Vergangenheit erklären kann.

Das Schloss ist das Pendant dazu. Hier sind als Zeitzeugen die Möbel und die Bildersammlung der Hiltys ausgestellt, deren Glarner-Bezug offensichtlich ist.

«Wir wollen in nächster Zukunft herausfinden, wie es wirklich war, denn über die Zeit der Vögte und die Grafen wissen wir noch wenig. 2018 haben wir eine Wandmalerei in der Vogtstube freilegen können, die die Geschichte eines Vogtes erzählt. Es ist wie ein Fenster in die Vergangenheit.»

Als Jugendlicher war für Thomas Gnägi noch alles offen. Da es in seiner Verwandtschaft einige Lehrer gab, besuchte auch er zuerst das Lehrerseminar. Geprägt hat ihn dort das Fach Landschaftsbetrachtung. Die Studenten wurden beauftragt, die Landschaft zu skizzieren und anschliessend ohne Vorwissen zu erklären, warum es hier so aussieht.

Die Marke Schloss Werdenberg umfasst die Museen Schloss und Schlangenhaus, das Bistro und das Informationszentrum mit Museumsshop und Werdenberg Tourismus. (Bild: Mareycke Frehner)

Die Marke Schloss Werdenberg umfasst die Museen Schloss und Schlangenhaus, das Bistro und das Informationszentrum mit Museumsshop und Werdenberg Tourismus. (Bild: Mareycke Frehner)

Noch heute geht es Gnägi um die unvoreingenommene Beobachtung, also darum, die Dinge fragend wahrzunehmen. «Im Museum mache ich überall mit, vom Konzept bis zum Nagel. Besonders in der Museumsarbeit geht es um Wahrnehmung und die Frage, wie schaue ich. Als Museumsleiter wähle ich ein Objekt, stelle es auf ein Podium und richte den Lichtstrahl darauf. Die Auswahl ist sehr subjektiv. Ich geniesse einen grossen Spielraum, bin aber immer der Wissenschaftlichkeit verpflichtet. Ich bin mir dieser Verantwortung durchaus bewusst», sagt er. «Es ist dieselbe Tätigkeit wie die eines Lehrers.»

«Immer wieder geht es dabei darum, einen komplizierten Sachverhalt in eine verständliche Form zu bringen, sodass die Besucher sich dafür interessieren.»

Nach der Ausbildung zum Lehrer unterrichtete Thomas Gnägi vier Jahre an einer Primarschule im Kanton Aargau. Anschliessend reiste er während eines Jahres durch Südamerika. Eindrücke und Ausbildungen sammeln «Ich komme aus einer weltoffenen Familie. Mein Vater war während des Studiums im Ausland, meine Mutter gehörte zu den ersten Freiwilligen für die Eidgenossenschaft bei Entwicklungsprojekten in Afrika.» Solches inspirierte auch ihn, früh in die Fremde aufzubrechen: so absolvierte Thomas Gnägi zum Beispiel sein Französisch-Praktikum nicht in der nahen Westschweiz, sondern im fernen afrikanischen Togo. Über das spätere Südamerika-Jahr resümiert er: «Während der Reise war ich auf mich alleine gestellt und hatte alles, was ich brauchte in meinem Rucksack verstaut. Mir war wichtig, das Land und die Menschen zu erleben und die Orte zu erwandern», erklärt Thomas Gnägi.

Thomas Gnägi, Leiter Schloss Werdenberg. (Bild: Mareycke Frehner)

Thomas Gnägi, Leiter Schloss Werdenberg. (Bild: Mareycke Frehner)

Zurück in der Schweiz vertiefte er sich an der Universität Zürich in Kunst- und Architekturgeschichte und Mittelalterarchäologie und verfasste seine Doktorarbeit zum Schweizer Architekten Karl Moser, der als «Vater der Moderne» die Schweiz mit diversen Grossbauprojekten und als Architekturprofessor nachhaltig prägte. Gnägi vermutet, dass sein Interesse an historischen Fakten familiär begründet sei, denn schon sein Urgrossvater habe sich intensiv mit der Geschichte seines Tals befasst.

Forschungsprojekte an der ETH Zürich zur Theorie des Städtebaus und an der Universität Bern zur Schweizer Architektur- und Designgeschichte des Werkbundes brachten ihn schliesslich zu einer vertieften Kenntnis über historische und gegenwärtige Gestaltungsfragen.

Klare Strukturen und getrennte Arbeitsbereiche

Gnägi staunt, dass sein beruflicher Werdegang genau auf das Stellenprofil in Werdenberg passt: die Mittelalterarchäologie und das mittelalterliche Städtchen, die Kunstgeschichte und die Vermittlungsarbeit in den Museen, die wissenschaftliche Forschung und die längerfristige Sicherung der Geschichte des Ortes – alles passt.

Die Marke Schloss Werdenberg umfasst die Museen Schloss und Schlangenhaus mit Bistro und dem Informationszentrum mit Museumsshop und Werdenberg Tourismus. (Bild: Mareycke Frehner)

Die Marke Schloss Werdenberg umfasst die Museen Schloss und Schlangenhaus mit Bistro und dem Informationszentrum mit Museumsshop und Werdenberg Tourismus. (Bild: Mareycke Frehner)

Die Marke Schloss Werdenberg umfasst die Museen Schloss und Schlangenhaus mit Bistro und dem Informationszentrum mit Museumsshop und Werdenberg Tourismus. Unter den Veranstaltungen ist selbstverständlich die Schlossmediale, das internationale Pfingstfestival für Alte und Neue Musik und Kunst, zentral. Dies wird von der künstlerischen Leiterin Mirella Weingarten verantwortet.

Zusammen mit Christina Rohner-Grob, der administrativen Leiterin und dem Schlossleiter Gnägi bilden die drei die Geschäftsleitung. Zu den Aufgaben von Gnägi gehört alles, was nach aussen sichtbar ist sowie die ­Organisation dessen: Museumsveranstaltungen, Konzerte, Kultur im ­Bistro und natürlich die Führung des Teams.

«Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Ich vernetze Schloss Werdenberg mit anderen ­Museen und Schlössern sowie in der Region und darüber hinaus. Ich kenne die Bewohner des Städtchens und bringe ihnen jeweils die Einladungen zu Veranstaltungen persönlich ­vorbei.»

In der bevorstehenden Saison befasst sich das Schloss mit dem Thema Gold. In dem speziell entworfenen Programmgefäss «Gold-Rahmen-Programm» werden unterschiedlichste Menschen eingeladen, sich zum Thema auf ihre Weise zu äussern. Begeistert berichtet Gnägi über die für die kommende Saison eingerichtete Installation «Posen für die Ewigkeit»: Mit einem Fotoapparat können sich die Besucherinnen und Besucher aufnehmen. Das so entstandene «Selfie» wird in einen barocken Bilderrahmen an eine Wand im zweiten Stock im Schloss projiziert, zwischen all die historischen Gemäldeporträts vergangener Jahrhunderte. Die Aufnahme kann man sich dann auch per E-Mail nach Hause schicken lassen. Wieder gehe es dabei um die persönliche Wahrnehmung, sagt Thomas Gnägi.

Thomas Gnägi, Leiter Schloss Werdenberg. (Bild: Mareycke Frehner)

Thomas Gnägi, Leiter Schloss Werdenberg. (Bild: Mareycke Frehner)

Und dann erzählt er, was bis zur Saisoneröffnung noch alles getan werden muss, um das Schloss aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Es wird geputzt, repariert, Dinge werden an den rechten Platz gerückt, Hörspiele ergänzt und Flyer kreiert, sodass alles bereit ist, um die Museen und das Schloss für alle Interessierten Anfang April bereit zu haben.

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