Marvin und Tim Slanschek: Studieren und schwimmen

Die Brüder Marvin und Tim Slanschek hat es in die USA verschlagen. Ihre Mission: Studium und Sport unter einen Hut zu bringen, was in der Schweiz nicht einfach ist.

Robert Kucera
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Marvin Slanschek vor dem Henry B. Plant Museum auf dem Universitätsgelände von Tampa. (Bild: PD)

Marvin Slanschek vor dem Henry B. Plant Museum auf dem Universitätsgelände von Tampa. (Bild: PD)

Die Slanschek-Brüder Marvin (20 Jahre) und Tim (22 Jahre) liessen Sennwald hinter sich, um in ihrer Entwicklung einen Schritt weiter zu kommen. Nun studieren und schwimmen sie in den USA - und schlagen sich nebenbei mit dem Vorurteil herum, dass die US-Amerikaner Schweizer für Schweden halten.

Tim erklärt, dass dieses Problem ein- bis zweimal vorgekommen sei. Doch er bezeichnet das Bildungsniveau in seiner Universität als so hoch, dass die Verwechslungsgefahr nicht sehr hoch sei. Sein Bruder Marvin hat diesbezüglich mehr erlebt: «Das kommt ungelogen jede Woche mindestens einmal vor.» Wenn er sich jemandem vorstellt, läuft das Gespräch in etwa so ab: «Hi, my name is Marvin, I’m Swiss. Dann antworten sie oft mit: Oh, so you’re from Sweden? That’s so cool.» Damit bestätigt Marvin, dass das Vorurteil doch Hand und Fuss hat.

Also erobern die Slanschek-Brüder nun gemeinsam die USA im Sturm? Die Antwort darauf lautet: Nein. Denn Marvin und Tim sind Luftlinie 671 Kilometer voneinander getrennt – mit dem Auto müsste man mindestens sechseinhalb Stunden Reisezeit einberechnen.

Bessere Konzentration auf den Sport

Der ältere Tim ist seit August 2016 in Atlanta und studiert am Georgia Institute of Technology. Marvin folgte seinem Bruder im August dieses Jahres und besucht die University of Tampa. Tim Slanschek wird voraussichtlich im Mai 2020 sein Studium abschliessen, bei Marvin Slanschek geht es entsprechend länger. Er hat nun noch dreieinhalb Jahre vor sich. «Ich habe mich vor zirka drei Jahren dazu entschieden, in den USA zu studieren, weil es hier die passende Infrastruktur und Organisation gibt, um das Studium mit dem Sport zu verbinden», sagt Tim. Genau gleich klingt es bei Marvin, wenn man seine Beweggründe hören will, weshalb er das beschauliche Sennwald verlassen hat: «Ich habe mich für diesen Schritt entschieden, weil es mit Abstand die beste Lösung ist, weiterhin den Schwimmsport zu verfolgen und meine akademische Ausbildung unter einen Hut zu bringen.»

Im McAuley Aquatic Center des Georgia Institute of Technology in Atlanta trainiert Tim Slanschek (Bild: PD)

Im McAuley Aquatic Center des Georgia Institute of Technology in Atlanta trainiert Tim Slanschek (Bild: PD)

Tim schätzt es sehr, dass die Universität-Sportteams der USA so unterstützt werden. «In der Schweiz scheitern viele daran, sich neben dem Studium noch auf den Sport zu konzentrieren», zieht er einen Vergleich. Sein Ziel, Qualifikation für die University Games in Neapel, hat er knapp verpasst. Marvin beschreibt seine Ziele wie folgt: «Ich hoffe, meinen College-Abschluss zu schaffen und weiterhin Fortschritte im Schwimmen zu machen.» Daneben will er neue Freunde kennen lernen und «die andere Seite der Welt erforschen». Dass er durch sein Studium fliessend Englisch sprechen lernt, kommt ihm natürlich sehr gelegen.

Trainingsgruppen werden anders aufgestellt

«Eigentlich ist das Training gleich wie in der Schweiz», sagt Tim Slanschek. «Der grösste Unterschied ist die Grösse des Teams. In der Schweiz trainieren etwa zehn Personen pro Club auf einem gleich hohen Niveau, in unserem Team sind es ungefähr 50.» Ein weiterer Unterschied, der ihm aufgefallen ist, ist jener, dass in der Schweiz die Gruppen nach Niveau aufgeteilt werden. «In den Uni-Teams in den USA kann nach anderen Kriterien aufgeteilt werden, zum Beispiel Lage oder Distanz.»

Bei der Anzahl von Einheiten sieht Marvin Slanschek keinen wesentlichen Unterschied zur Schweiz. Doch die Coaches in den USA vertreten eine andere Trainingsphilosophie. So wird mehr VO2 max (eine Art Intervalltraining) trainiert und der Wettkampf simuliert, so sein Gefühl. Speziell sind die Einheiten mit Powerracks. «Das kann man sich wie Gewichte vorstellen, die am Rand des Beckens mit einem Seilzug verbunden sind und man beim Schwimmen mitziehen muss. Das ist vor allem für das Widerstandstraining geeignet.»