Eine strenge Mostsaison geht zu Ende

Die letzten Äpfel werden derzeit geerntet. Auch schönes Tafelobst landete dieses Jahr in der Presse oder in der Industrie, weil der Markt schlicht nicht so viele Äpfel benötigt, wie an den Bäumen gewachsen sind.

Corinne Hanselmann
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Dieses Jahr wurden mehr Äpfel zu Most verarbeitet als in einem Durschnittsjahr. (Bild: Donato Caspari)

Dieses Jahr wurden mehr Äpfel zu Most verarbeitet als in einem Durschnittsjahr. (Bild: Donato Caspari)

Heute mostet Hans Zogg von der Zogg Mosterei-Brennerei AG am Grabserberg zum letzten Mal in diesem Jahr. Damit geht eine strenge Mostsaison zu Ende, die bei ihm schon Anfang August und somit deutlich früher als in «normalen» Jahren angefangen hat.

Die Menge der Äpfel, welche die Mosterei Zogg in diesem Jahr verarbeitet hat, war deutlich grösser als in einem durchschnittlichen Jahr, so Hans Zogg. Das bedeutete sehr viel Arbeit für die Mosterei. «Wir haben länger gearbeitet als normalerweise. Es gab Tage, an denen wir morgens um fünf Uhr angefangen haben und abends um acht Feierabend machten», so Zogg. «An ein solches Jahr mit so vielen Äpfeln kann ich mich wirklich nicht erinnern», sagt er, der seit rund 40 Jahren im Geschäft ist. Gegenüber der wegen Frost sehr klein ausgefallenen Ernte im Jahr 2017 stehe die diesjährige Ausbeute in keinem Verhältnis. Auffällig sei, dass vor allem auch mehr Private als sonst das Obst aus ihrem Garten zum Mosten gebracht haben.

Überschuss mosten oder an Industrie verkaufen

Schweizweit werden im Handel pro Jahr durchschnittlich rund 100000 Tonnen einheimische Tafeläpfel verkauft. Gemäss Aussagen von Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbandes, erntete die Branche dieses Jahr Schätzungen zufolge aber rund 168000 Tonnen.

«Grosse Abnehmer wie die Tobi Seeobst AG nehmen die erste Lese – also die Äpfel bester Qualität – zum Einlagern», erklärt Florian Vetsch aus Grabs, der Werdenberger Obst anbaut und direkt vermarktet. Zudem ist er Betriebsleiter der Frümsner Obstanlage des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen. Der verbleibende, in diesem Jahr sehr grosse, Rest der Ernte wird demzufolge gemostet oder an die Industrie verkauft. Daraus entstehe zum Beispiel Apfelmus, so Vetsch.

Für Most- und Industrieäpfel erhalten die Produzenten viel weniger Geld

Für Most- und Industrieäpfel erhalten die Produzenten nur etwa einen Drittel des Preises für Lageräpfel. Für diese werde derzeit je nach Sorte zwischen 0.90 und 1.10 Franken pro Kilogramm bezahlt. Für Mostäpfel liegt der Preis bei 28 Rappen, für Industrieobst bei 31 Rappen. Mehr Äpfel einzulagern, als bis zur Ernte im kommenden Jahr vom Markt verbraucht werden, mache dennoch keinen Sinn, sagt Vetsch. Dann bekomme man für die Äpfel nämlich gar nichts mehr.

«Wir haben in diesem Jahr viel mehr Most gepresst als in durchschnittlichen Jahren», sagt Florian Vetsch. Ob er verkauft werden kann, werde sich zeigen. Aber der pasteurisierte Saft könne natürlich länger gelagert werden als frische Äpfel.

In Zahlen ausdrücken, wie viel grösser die diesjährige Apfelernte in der Region Werdenberg war, kann weder Hans Zogg noch Florian Vetsch. Beiden blieb aufgrund der arbeitsintensiven Ernte und der Mostsaison noch keine Zeit für die Statistik im Büro.