Operette-Solist Christian Büchel will stets noch besser werden

Christian Büchel aus Buchs liebt das Singen über alles. Er wagt sich an herausfordernde Rollen, etwa den Oberst Ollendorf in «Der Bettelstudent».

Heidy Beyeler
Drucken
Teilen
 Christian Büchel als Oberst Ollendorf.

Christian Büchel als Oberst Ollendorf.

Aufgewachsen ist Christian Büchel in Feldkirch. Schon als Kind gehörte die Musik für ihn zu seinem Leben. Die Liebe zur Musik hat er schon früh kennen gelernt. «Dabei spielte meine Mami die wichtigste Rolle.»

«Mami hat immer gesungen, für und mit uns – für meine Schwester und mich. Alle Kinderlieder, alle Weihnachtslieder haben wir mit ihr gelernt.»

So sei denn auch seine Freude zur Musik im Allgemeinen und zum Gesang im Speziellen gewachsen. Häufig sei er beim Sternsingen dabei gewesen, erinnert sich der erfolgreiche Sänger.

Ja, und dann sei es darum gegangen, in welche Richtung er seine Ausbildung machen soll. Sein damaliger Klassenlehrer war überzeugt, dass er den Weg Richtung Mathematik einschlagen werde. «Nein», meinte damals der Schüler Christian, er wolle ans Musikgymnasium. Und so fing er mit zwölf Jahren mit dem Klavierunterricht an, bei Melody Wu. Vorher spielte er Flöte und Akkordeon, später auch Kontrabass. Und dann ging’s los am Musikgymnasium in Feldkirch. Domorganist Waly Kraher habe ihn schon früh für die Musik begeistern können, wie Christian Büchel im Gespräch erwähnt.

Einen guten Rat befolgt

Nach der Matura macht er sich auf zum Musikschulstudium am Mozarteum in Innsbruck. Zum Abschluss bekam er von den Professoren einen guten Rat mit auf den Weg in die Zukunft. «Mit dem Singen könntest du schon noch ein bisschen mehr tun.» Und so folgte dann die Aufnahmeprüfung an der Hochschule in München. «Dort wurde mir das Glück beschert: Von 140 Bewerbern war ich einer von fünf, die aufgenommen wurden», freut sich Christian Büchel noch heute. «Das war ein grosser Schritt. Ich erkannte allerdings erst viel später, dass die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für mich ein Meilenstein darstellte.» Heute erinnert er sich an diese glückliche Episode. «Als Musiklehrer an der Kantonsschule St. Gallen unterrichte ich einen Gesangsschüler, der ganz ähnlich singt wie ich. Er studiert derzeit die Arie ‹Leporello› aus Mozarts Oper ‹Don Giovanni› ein – ausgerechnet jene Arie, die ich bei meiner Aufnahmeprüfung in Innsbruck vortrug.»

Christian Büchel aus Buchs in der Maske. Er wird vorbereitet auf seine Rolle als Oberst Ollendorf in der Operette «Der Bettelstudent», welche die Operettenbühne Vaduz ab dem 29. Januar aufführt. (Bilder: Mareycke Frehner)

Christian Büchel aus Buchs in der Maske. Er wird vorbereitet auf seine Rolle als Oberst Ollendorf in der Operette «Der Bettelstudent», welche die Operettenbühne Vaduz ab dem 29. Januar aufführt. (Bilder: Mareycke Frehner)

Nach dem Studium in München machte der «Sänger mit Leib und Seele» noch weiter, besuchte Opernschulen und war über mehrere Jahre in der Liedklasse bei Helmut Deutsch Pianist.

«Von ihm habe ich sehr viel gelernt».

Als er 30 Jahre alt war, kehrte Christian Büchel nach Feldkirch zurück und musste gleich noch den Zivildienst absolvieren. Gleichzeitig inszenierte er damals sein erstes Musical «Der Zauberer von Oz». Inzwischen ist dieses Musical in der Region etliche Male aufgeführt worden. In jener Zeit bekam er die Chance, in der Operette «Der Zigeunerbaron» als Graf Homoney im Vaduzersaal mitzuwirken. Bei dieser Gelegenheit lernte er seine spätere Frau Susanna kennen und lieben. Im Jahr 2000 heirateten die beiden. Seit dieser Zeit wohnt die Familie Büchel in Buchs. Christian Büchel unterrichtet seither an der Kantonsschule St. Gallen Gesang. Wiederum war ihm das Glück gutgesinnt. Heute sagt er:

«Susanne ist der Jackpot meines Lebens.»

Auszeit in den USA

Er habe alles, was er gelernt habe, bisher auch umsetzen können. Das Lernen und Lehren bereitet ihm Spass. Vor drei Jahren gönnte er sich eine Auszeit, flog nach Nashville in den USA und besuchte einen Lehrgang in «Singing Success». Aus seiner Sicht ist dies die umfassendste, systematische und effektivste Gesangstechnik für Popstimmen. Nach sechs Monaten kehrte er zurück als lizenzierter Vocal Coach. Die neu erworbene Gesangstechnik Singing Success hat der nimmermüde Sänger weiter ausgebaut mit Elementen des klassischen Gesangs. Eine Entwicklung der Gesangstechnik, die er liebevoll «Amavox» nennt. «Davon profitiere ich, und ich kann sie an meine Schüler weitergeben. Das erste Mal konnte ich das bei der ‹Carmina Burana› 2016 bei einer eigentlich unmöglichen Baritonpartie zeigen», erzählt Büchel.

Therapeutischer Erfolg

Als Gesangslehrer wird er häufig mit Stimmstörungen konfrontiert, wenn Jugendliche infolge des Stimmbruchs beim Singen beeinträchtigt sind. «Mit meiner Technik kann ich die Jugendlichen unterstützen beim Übergang zur Erwachsenenstimme.» Insofern habe Amavox auch einen therapeutischen Aspekt.

Vorbereitung in der Maske.

Vorbereitung in der Maske.

«Die grösste therapeutische Erfolgsgeschichte habe ich erlebt, als Adolf Real sich bei mir für einen Einzelkurs im Singen anmeldete», freut sich Büchel. Der Mann erlitt einen Schlaganfall und konnte dadurch nicht mehr sprechen. In den ersten Stunden des Unterrichts habe er Mühe mit dem Schluckvorgang gehabt. «Mittlerweile ist er mit seiner sicheren Tenorstimme eine wichtige Stütze im Chor. «Es freute Adolf Real besonders, dass er im vergangenen Sommer beim ‹La Traviata›-Opernchor mitwirken durfte».

Christian Büchel möchte seine Kraft für gutes Singen weitergeben. Ich denke, das ist mein Weg. Ab 1. Februar wird der Sänger und Coach Christian Büchel im Auftrag des Bernhard-Theaters Schauspielerinnen wie Bella Neri, Viola Tami, Bettina Kuhn jeweils freitags in die Amavox-Technik einführen. Sie werden von ihm lernen, wie es gelingt, Emotionen in die Töne reinzubringen, um leichte Tonhöhen zu kreieren, die klar und sauber sind.

Vor «Bettelstudent»-Premiere

Derzeit steckt der hingebungsvolle Sänger mitten in den Proben für die Operette «Der Bettelstudent». Die Premiere vom 25. Januar im Vaduzersaal steht kurz vor der Türe. Auf die Frage, ob er sattelfest sei für diese anspruchsvolle Hauptrolle, sagt Christian Büchel selbstbewusst: «Ja, ich bin bereit für die Premiere. Ich habe mir seit vergangenem Sommer viel Zeit zur Vorbereitung dieser Aufführung genommen.»