Steinbruch Campiun in Sevelen: Interesse am Hartgesteinabbau überwiegt das Interesse am Schutz der Landschaft

Nach einer harten Interessenabwägung schickt die Regierung den Steinbruch Campiun als Standort für den Abbau von Hartgestein in die Vernehmlassung.

Katharina Rutz
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Der Steinbruch Campiun soll reaktiviert werden. Der Standort soll in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden.

Der Steinbruch Campiun soll reaktiviert werden. Der Standort soll in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden.

Corinne Hanselmann

Der Kanton St. Gallen brauche neue Deponien, schreibt die Staatskanzlei in der Medienmitteilung zum kantonalen Richtplan 20, der nun in die Vernehmlassung geht. Und – «er braucht neue Standorte, wo Gestein abgebaut werden kann.»

Deshalb wird der ehemalige Steinbruch Campiun in Sevelen wieder in Betrieb genommen und erweitert. Geplant ist der Abbau von Hartgestein. Ausserdem ist in der bestehenden Grube und im Erweiterungsgebiet eine Deponie für unverschmutzten Aushub und Inertstoffe geplant. Der Abbaustandort und die Deponie werden im Richtplan festgesetzt, schreibt die Staatskanzlei des Kantons St.Gallen.

Sensibles Gebiet

«Wir sind uns bewusst, dass es sich um ein sehr sensibles Gebiet handelt und der Entscheid, den Standort in den Richtplan aufzunehmen, ist der Regierung nicht einfach gefallen», sagt Ralph Etter, Leiter Amt für Raumentwicklung und Geoinformation, auf Anfrage des W&O.

Tatsächlich handelt es sich beim Steinbruch Campiun um einen Standort, wo zwei nationale und mindestens so viele lokale Interessen aufeinanderprallen. Die nationalen Interessen begründen sich aus dem Bedarf an Hartgestein für den Bau von Bahnlinien und Strassen auf der einen Seite und der Schutzwürdigkeit der Naturlandschaft auf der anderen Seite.

40 Prozent des Gesteins wird importiert

Der Steinbruch liegt innerhalb des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) mit dem Objektnamen Speer-Churfirsten-Alvier. Zudem besteht eine Schutzverordnung der Gemeinde Sevelen. Aufgrund des Sachplans Verkehr mit der Ergänzung Hartgesteinabbau ist allerdings der Bedarf an neuen Abbaugebieten ausgewiesen. «Nur rund 60 Prozent des benötigten Schotters wird in der Schweiz abgebaut, 40 Prozent wird importiert», erklärt Ralph Etter. Standorte bei denen 200000 Tonnen Hartgestein pro Jahr abgebaut werden können, seien damit von nationaler Bedeutung.

Auf dem Areal des Steinbruchs Campiun herrscht ein Betretungsverbot aus Sicherheitsgründen.

Auf dem Areal des Steinbruchs Campiun herrscht ein Betretungsverbot aus Sicherheitsgründen.

Corinne Hanselmann

Aufgrund eines konkreten Gesuches für die Aufnahme des Standortes im kantonalen Richtplan hat die Regierung die beiden nationalen Interessen abgewogen und kam zum Schluss, dass der Richtplan entsprechend angepasst in die Vernehmlassung gehen soll. Diese dauert bis zum 30. April.

Widerstände sind zu erwarten

Würde das Verfahren danach reibungslos ablaufen, könnte in rund 1,5 Jahren im Steinbruch Campiun wieder gearbeitet werden. Seit Jahren versucht die Basaltstein AG in Buchs, die bis 1996 in Campiun Hartgestein abgebaut hat, den Standort zu reaktivieren. Es tobte ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen dem Unternehmen bzw. der Ortsgemeinde Sevelen als Besitzerin und dem Einwohnerverein Rans-Oberräfis (Evro). Widerstände gegen das aktuelle Projekt sind deshalb zu erwarten.

Mit der Aufnahme des Steinbruchs Campiun in den Richtplan-Entwurf ist die Basaltstein AG, die heute der Holcim AG gehört, ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen.

Interesse am Hartgestein überwiegt

Damit heisst die Regierung ein entsprechendes Gesuch der Basaltstein AG gut. «Das Interesse am Hartgesteinabbau am Standort Campiun überwiegt das Interesse am Schutz von Natur und Landschaft im Sinne einer möglichst autonomen Versorgung mit diesem Rohstoff», heisst es im Bericht zur Interessenabwägung.

Die Regierung habe sich den Entscheid nicht leicht gemacht, sagt Ralph Etter, Leiter Amt für Raumentwicklung und Geoinformation. Nach wie vor stehe man dem Ansinnen im Volkswirtschaftsdepartement, wo das Kantonsforstamt und das Amt für Natur, Jagd und Fischerei angesiedelt sind, kritisch gegenüber. Die Gesamtregierung habe aber im Sinne des Baudepartements entschieden. «In der Ostschweiz gibt es keine Alternative zum Standort in Campiun», sagt Ralph Etter. Zudem ist mit einem jährlichen Abbauvolumen von rund 250000 Tonnen Gestein das Kriterium für die nationale Bedeutung erfüllt. Diese Menge entspricht über 10 Prozent des schweizerischen Bruttobedarfs an Hartgestein.

Kulturlandschaft in 100 Jahren wiederhergestellt

Die Staatskanzlei räumt in ihrer Medienmitteilung zwar eine massgebliche Beeinträchtigung der Landschaft auf längere Zeit ein. «Doch mit einer sorgfältigen Rekultivierung und Endgestaltung lassen sich ökologisch wertvolle Strukturen wiederherstellen.» Die Zeitdauer, bis dies der Fall sei, schätzt Ralph Etter auf ungefähr 100 Jahre. Er rechnet mit einer Abbauperiode von 50 Jahren und einer ebensolangen Rekultivierungsphase.

Ein allfälliges konkretes Abbauprojekt hätte ausserdem einen kantonalen Nutzungsplan zur Folge. Darin würden Details unter anderem zur Rekultivierung oder dem Verkehrskonzept geklärt. Aus der Interessenabwägung zum Standort Campiun ist bereits ersichtlich, dass die Basaltstein AG beabsichtigt, 80 Prozent des abgebauten Gesteins per Bahn abzutransportieren. 20 Prozent soll auf der Strasse in die nähere Region abgeführt werden. Mögliche Erschliessungsvarianten seien ein Förderband zum Umschlagsareal Sevelen Oberräfis und ein neuer Tunnel für die Zufahrt zum Steinbruch. Grund für die neue Erschliessung sei die Vermeidung von Emissionen auf die Wohngebiete von Rans.

Schollberg als Deponie festgesetzt

Auch die Aufnahme des Deponiestandorts Schollberg in Wartau in den Richtplan wird beantragt. Das Angebot an Deponieraum halte nicht Schritt mit der unverändert grossen Menge von unverschmutztem Aushub, heisst es in der Medienmitteilung der Staatskanzlei.

Der Vernehmlassungs-Entwurf ist unter www.areg.sg.ch – Kantonale Planung – Richtplan-Anpassungen aufgeschaltet.

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