Der Start in die Bergsaison verspätet sich wegen Schnee

Weil in erhöhten Lagen vielerorts noch Schnee liegt, starten Älpler und Bergwirte auch in der Region Werdenberg und Obertoggenburg später als in den vergangenen Jahren in die Saison. Auch die Wanderwege in höheren Lagen sind noch nicht begehbar.

Corinne Hanselmann
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Der Schnee weicht zögerlich, wie W&O-Leser Jakob Hanselmann auf seiner Wanderung von Frümsen an den Fählensee feststellte. (Bild: Jakob Hanselmann)

Der Schnee weicht zögerlich, wie W&O-Leser Jakob Hanselmann auf seiner Wanderung von Frümsen an den Fählensee feststellte. (Bild: Jakob Hanselmann)

Gegenüber den vergangenen Jahren werden die Alpen im oberen Toggenburg und im Werdenberg in diesem Jahr eine bis zwei Wochen später bestossen, wie Markus Hobi und Marco Bolt vom Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez sagen.

«Das hat es schon mehr gegeben, man war die letzten Jahre einfach etwas verwöhnt und konnte oft früh auf die Alp.»

Das sagt Markus Hobi, der einen guten Überblick über die Alpen im Toggenburg hat.

Gute Heuernte

Sozusagen als Ausgleich für den späteren Alpauftrieb durften aber viele Landwirte in den vergangenen Wochen eine gute Heuernte einfahren, so Hobi. Dass auf den Hochalpen derzeit noch Schnee liegt, wertet er eher positiv. Nach dem trockenen Sommer 2018 sei dies wichtig für die Quellen und die Wasserversorgung der Alpen. «Ausserdem sorgt dies für eine natürliche Staffelung des Futterangebots, wenn auf den Hochalpen das Gras später zu wachsen beginnt», sagt Hobi.

«Jetzt mit diesen warmen Temperaturen geht es aber schnell vorwärts mit der Schneeschmelze und dem Graswachstum», sagt auch Marco Bolt, der mit den Älplern in der Region Werdenberg in Kontakt ist.

«Die Alpen mit Vorsäss auf rund 1200 Meter werden jetzt oder im Verlauf der kommenden Woche bestossen.»

Die relativ tief liegende Schaneralp im Wartau sei bereits bestossen und am kommenden Wochenende werden auch die Ziegen auf die Buchser Alp Malschüel gebracht.

Aufräumarbeiten wegen Lawinen

Lawinenabgänge bescheren dem Alppersonal in diesem Jahr viel Arbeit, wie die beiden Fachleute von der Fachstelle Alpwirtschaft wissen. Vielerorts sind Aufräumarbeiten nötig. Dies bestätigt auch Ruedi Bühler aus Salez, der den Sommer mit seinen Tieren jeweils auf der Sennwalder Alp Eidenen verbringt. «Lawinen haben auf der Alp mehrere Bäume umgerissen. Der Feuerwehrverein Sennwald half uns beim Aufräumen», so der Landwirt. Derzeit liege immer noch ein wenig Schnee auf der Alp. Bühler wird am 15. Juni und damit eine Woche später als normalerweise z’Alp gehen.

«Das ist die Natur, da kann man nicht reinfunken»

Auch Bergwirte und deren Gäste müssen sich gedulden. Eigentlich war der Saisonstart der Seilbahn und des Berghauses Palfries auf 1700 Metern über Meer an Auffahrt geplant. Doch nun bleibt es auch über das Pfingstwochenende geschlossen, weil die Zufahrtsstrasse noch nicht befahrbar ist und derzeit instand gestellt wird. «Wir können wahrscheinlich erst am 14. Juni öffnen», sagt Rita Willi, seit sechs Jahren Pächterin des Berghauses Palfries.

«Seit ich hier Pächterin bin, hatte es noch nie so viel Schnee um diese Jahreszeit. Aber das ist die Natur, da kann man nicht reinfunken.»

Sie musste einigen Gruppen absagen, die bereits einen Ausflug auf Palfries geplant hatten.

Auch auf dem Alvier liege eindeutig mehr Schnee als in anderen Jahren, wie Hüttenchefin Bernadette Frey sagt. Normalerweise öffnete die Alvierhütte (2345 Meter über Meer) meistens etwa um den 20. Juni. «Dieses Jahr wird es wohl später», so Bernadette Frey. «Aber das kommt natürlich auf das Wetter an.»

Wanderung auf Margelchopf noch nicht zu empfehlen

«Eine Wanderung auf den Margelchopf ist noch nicht zu empfehlen», sagt Paul Knupp auf Anfrage des W&O. Er ist Chef der Region Werdenberg bei den St. Galler Wanderwegen. Unter dem Isisizgrat liege noch viel Schnee. Generell sei auf über 2000 Metern noch nichts zu wollen.

«In vielen Schattenhängen hat es noch Schnee. Sobald man Schneehalden überqueren muss, droht die Gefahr des Abrutschens, wenn es steil ist.»

An den Südhängen sei die Schneeschmelze schon weiter. Es dauere je nach Wetter sicher noch zwei Wochen, bis die Wege weiter oben offen sind. «Noch ist es nicht ideal zum Wandern», so Paul Knupp.