Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Verschuldung: Passiert ist es schnell

Rund 85 Prozent der Personen in der Schweiz haben schon einmal einen Kredit, ein Darlehen oder eine andere Finanzierungsform aufgenommen. Nicht selten wird das Leben auf Pump zur Falle.
Jessica Nigg
Wer finanzielle Probleme hat, sollte rasch kompetente Hilfe in Anspruch nehmen. (Bild: Susanne Basler)

Wer finanzielle Probleme hat, sollte rasch kompetente Hilfe in Anspruch nehmen. (Bild: Susanne Basler)

Ganz oben auf der Liste der Finanzierungsformen stehen mit 41 Prozent private Darlehen von Verwandten oder Familienangehörigen, gefolgt von Hypotheken (38 Prozent). Weit verbreitet sind auch Auto-Leasing, Teilzahlungen im Rahmen von Kreditkarten oder Privatkredite von Banken (je 33 Prozent). Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Internet-Vergleichsdienstes moneyland.ch.

Thomas Rüthemann von der Beratungsstelle der Sozialen Dienste Werdenberg berät Menschen mit finanziellen Problemen:

«Aus meiner Erfahrung kann ich feststellen, dass eine Verschuldung in allen Altersabschnitten stattfinden kann.»

Unterscheiden würden sich dagegen die Hauptgründe für eine Verschuldung in den verschiedenen Alterssegmenten.

Es komme beispielsweise vor, dass junge Leute sich mit dem ersten fixen Einkommen einen Kredit oder eben ein schönes Auto per Leasing leisten können. Die finanzielle Situation könne sich aber jederzeit ändern: Eine Familiengründung beispielsweise bedeute nicht selten, dass das Budget arg strapaziert wird.

«Kinder kosten in der Regel doppelt»

«Zum einen vergrössern sich durch die Kinder die Auslagen, andererseits verringert sich in der Regel das Einkommen, da meist die Mutter ihre Erwerbstätigkeit zumindest reduziert», weiss Thomas Rüthemann. Die Begleichung von Kredit- oder Leasingraten kann bei einem entsprechend kleineren Einkommen dann zum Problem werden.

Gefährlich sind veränderte Lebensumstände

Bei älteren Menschen sind es eher Themen wie Krankheit oder eine eventuell sogar damit verbundene Arbeitslosigkeit, welche zu einem geringeren Einkommen führen. «Auch Trennungen oder Scheidungen führen in den meisten Fällen zu einem angespannteren Familienbudget», machte Rüthemann im Rahmen seiner Beratungen die Erfahrung. Die Finanzierung von zwei Haushalten sei immer teurer als die eines einzigen.

In den vergangenen zwölf Jahren haben die Beratungen im Bereich Schulden und Budget bei den Sozialen Diensten Werdenberg leicht abgenommen. Das müsse jedoch nicht zwingend bedeuten, dass die Schuldenprobleme auch abnehmen, erklärt Rüthemann. «Ich persönlich kann mir gut vorstellen, dass die Zahlen eher steigend sind. Dabei sehe ich das Problem allerdings weniger in der einzelnen Person, welche nicht mit Geld umgehen kann.» Mindestens ebenso in der Verantwortung sieht er die aktuell gängigen Verkaufsstrategien.

«Wo wird nicht überall damit geworben, dass man heute kaufen und morgen – mit vermeintlich geringen Zinsen – bezahlen kann?»

Gerade für Leute mit knappem Budget seien dies oft verlockende Angebote, die aber zur Gefahr werden könnten.

Ob Kredit, Leasing oder Kauf auf Ratenzahlung geht es am Schluss überall in etwa um dasselbe: «Man gönnt oder kauft sich etwas, wofür das Geld gar nicht vorhanden ist, zumindest noch nicht. Und niemand kann eine Garantie dafür geben, dass es dies jemals sein wird», so Rüthemann.

Auch Abklärungen brächten nur relative Sicherheit: «Kredit- und Leasinggeber müssen zwar mit der sogenannten Kreditfähigkeitsprüfung hinterfragen, ob sich eine Person einen Kredit oder ein Leasing leisten kann. Die bereits erwähnten Änderungen der Situation des Kreditnehmers, wie Familie, Arbeitslosigkeit oder Trennung, könne man aber nicht vorhersehen.»

Dieses Risiko, wie auch der eigene Gewinn, decke der Leasing- oder Kreditgeber über Zinsen sowie weiteren Gebühren und Kosten, die in die Raten eingerechnet werden.

«So kommt es, dass zum Beispiel für ein Auto, welches 16000 Franken kostet, über einen Leasingvertrag dann insgesamt rund 19000 Franken bezahlt werden.»

Das entspricht einem Aufschlag von fast 20 Prozent. «Das sind 3000 Franken, die ich lieber für etwas anderes ausgebe, wovon ich dann auch etwas habe», erklärt Rüthemann.

Krankenkassenprämien und Steuern kommen zuerst

Ein weiteres Problem liege darin, dass Leute mit Kredit- und/oder Leasingverträgen, wenn es finanziell knapp wird, dazu tendieren, die Leasing- respektive Kreditraten höher zu gewichten als zum Beispiel die Krankenkassenprämien oder die Steuern. Rüthemann warnt:

«Insbesondere die Krankenkassenprämien haben jedoch auf jeden Fall Priorität, da diese auch beim Betreibungsamt bevorzugt behandelt werden»

Er berät für die Sozialen Dienste Werdenberg immer wieder Menschen mit finanziellen Engpässen. Sein wichtigster Tipp, wenn es eng wird: Die Augen für das Problem öffnen und, anstatt die Probleme auszublenden, rechtzeitig eine seriöse und kompetente Beratung in Anspruch nehmen. Nicht selten können dann unangenehme Folgen abgemildert werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.