Staatswingert Frümsen
Waschwasser von Pestizidresten reinigen und wiederverwenden: «Resultat darf sich sehen lassen»

Mit neuen Prozessen und Gerätschaften übernimmt das Landwirtschaftliche Zentrum eine Vorreiterrolle. Die Inbetriebnahme des Waschplatzes mit Pestizidabscheider ist ein Paradebeispiel gekonnter Nutzung der Synergien.

Adi Lippuner
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Michael Burkhardt von der Fachhochschule Ost erläutert den Anwesenden die technologische Innovation.

Michael Burkhardt von der Fachhochschule Ost erläutert den Anwesenden die technologische Innovation.

Bild: Adi Lippuner

Vor zwei Jahren gelangte Richard Hollenstein von der Fachstelle Obstbau am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) mit einem Anliegen an Michael Burkhardt, Leiter des Instituts für Umwelt- und Verfahrenstechnik an der OST – Ostschweizer Fachhochschule Rapperswil. Er wollte vom Professor für Umwelttechnik mit Schwerpunkt Wasseraufbereitung wissen, ob es eine Möglichkeit gibt, nach dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die verwendeten Geräte effizient und umweltbewusst zu reinigen.

Wie Michael Burkhardt anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme des Waschplatzes am Mittwoch betonte, habe er diese Herausforderung gerne angenommen. Burkhardt sagt:

«Insbesondere die von Anfang an intensive Zusammenarbeit mit Praktikern hat uns zu einem guten Resultat gebracht. Dabei mussten wir während der Entwicklungszeit auch Kritik einstecken und Angedachtes verbessern, doch das Resultat darf sich sehen lassen.»
Sarah Schäfer, Projektleiterin Creabeton, erklärt die Funktionsweise des neuen Waschplatzes mit Pestizidabscheider.

Sarah Schäfer, Projektleiterin Creabeton, erklärt die Funktionsweise des neuen Waschplatzes mit Pestizidabscheider.

Bild: Adi Lippuner

Realisiert wurde die Anlage in Frümsen durch die Firma Creabeton. Projektleiterin Sarah Schäfer zeigte auf, dass im Pestizidabscheider im Staatswingert 20 Kubikmeter Wasser gereinigt werden kann, bevor die Aktivkohle ersetzt werden muss.

Drei wichtige Arbeitsschritte

Geht es um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, sind drei Arbeitsschritte einzuhalten, wie Richard Hollenstein ausführt. Es geht um das korrekte Befüllen des Geräts, die richtige Applikation bei den Pflanzen und was am Mittwoch im Fokus stand: die Reinigung des Geräts. Dabei dürfe nie auf einem unbefestigten Platz gereinigt werden und eine Entwässerung in die Kanalisation sei nicht erlaubt. «Bisher wurden die Geräte auf einem befestigten Waschplatz gereinigt und das Reinigungswasser gesammelt, wie Markus Hobi, LZSG-Leiter, auf Nachfrage erklärte.

Für Richard Hollenstein, Fachstelle Obstbau am LZSG, sind zur Erhaltung der Pflanzengesundheit drei Arbeitsschritte einzuhalten.

Für Richard Hollenstein, Fachstelle Obstbau am LZSG, sind zur Erhaltung der Pflanzengesundheit drei Arbeitsschritte einzuhalten.

Bild: Adi Lippuner

«Das Wasser muss dann auf ein gesichertes Kompostbeet geleitet werden und verdunstet. Die Rückstände sind Sondermüll und gehören in die Verbrennung,» so die Erläuterung. Mit dem neuartigen Pestizidabscheider, der auf der Basis von Aktivkohle betrieben wird und gemäss Michael Burkhardt 99,9 Prozent der Pestizide filtert, könne ein ganz neuer Weg beschritten werden. «Zudem übernehmen wir als LZSG eine Vorreiterrolle und können unser Wissen weitergeben», so Markus Hobi.

Erklärtes Ziel: Wasser der Kläranlage zuführen

Zwar darf das Wasser auch nach dieser Reinigung nicht in die öffentliche Abwasserreinigungsanlage gelangen, sondern kann auf den Feldern, im Rebberg oder der Obstanlage wieder zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln gebraucht werden. Erklärtes Ziel der Verantwortlichen ist es, wie am Mittwoch von Markus Hardegger, Leiter kantonale Fachstelle für Weinbau, betont wurde, dass das gereinigte Wasser der Kläranlage zugeführt werden kann. Bis dies so weit sei, brauche es umfangreiche Abklärungen und Bewilligungsverfahren.

Mario Eggenberger, Betriebsleiter Staatswingert, nimmt die Reinigung auf dem neuen Waschplatz vor.

Mario Eggenberger, Betriebsleiter Staatswingert, nimmt die Reinigung auf dem neuen Waschplatz vor.

Bild: Adi Lippuner

Reicher Massnahmenplan ist auf Kurs

Bruno Inauen, Leiter des kantonalen Landwirtschaftsamts, zeigte auf, dass die Umsetzung des Aktionsplans Pflanzenschutzmitteln (PSM) seit 2017 kontinuierlich vorangetrieben wird. Er hält fest:

«Die 51 vorgeschriebenen Massnahmen sind entweder schon eingeführt oder in Erarbeitung, wir sind auf Kurs.»

Die Landwirtschaft sei sich bewusst, dass Handlungsbedarf bestehe. Deshalb sei er auch gerne zur Einweihung des neuen Waschplatzes gekommen und freue sich, dass zahlreiche Interessierte bäuerlicher Organisationen, von Obst-, Wein- und Beerenanbau über den St. Galler Bauernverband sowie Gäste aus dem Nachbarkanton Graubünden den Weg in den Staatswingert fanden.