Sport und Beruf kann in der Region Werdenberg/Sarganserland gut unter einen Hut gebracht werden

Talent-Oberstufen haben sich im Kanton etabliert. Für die Zeit danach sind individuelle Lösungen gefragt.

Markus Roth
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Waren erfolgreich in Lehre und Sport: Snowboarderin Julie Zogg und der ehemalige Skirennfahrer Patrick Küng.

Waren erfolgreich in Lehre und Sport: Snowboarderin Julie Zogg und der ehemalige Skirennfahrer Patrick Küng.

Bild: Markus Roth

Im Werdenberg und Sarganserland ist es möglich, die Oberstufe optimal mit einer sportlichen oder musikalischen Karriere zu verbinden. In Bad Ragaz widmet sich die Talentschule den Bereichen Sport und Musik, die Sportschule Quarten spricht vor allem Schneesportler an. Doch was passiert nach dem Abschluss der Oberstufe? Im Bereich Sport gibt es verschiedene Wege. Wer die schulischen und sportlichen Voraussetzungen erfüllt, kann ein Sportgymnasium besuchen. Einige Nachwuchssportlerinnen und Sportler aus dem Sarganserland nutzen diese Möglichkeit. In Davos werden sowohl das Gymnasium als auch die Handelsmittelschule angeboten.

Die Weltmeister haben Lehre gemacht

Viele Spitzensportler wählen den Weg der Lehre. Aktuelle Zahlen zeigen, dass von den Schweizer Teilnehmern an den Olympischen Winterspielen 70 Prozent eine Lehre und 30 Prozent ein Gymnasium absolviert haben. In der Region haben zum Beispiel Snowboard-Weltmeisterin Julie Zogg oder Abfahrtsweltmeister Patrick Küng eine Lehre gemacht. Benötigt werden dazu Lehrbetriebe, welche Sportlerinnen und Sportlern die Chance geben, Sport und Beruf zu verbinden.

Ein Betrieb, welcher hier Hand bietet, ist das Strassenkreisinspektorat Buchs. Im Moment ist ein Nachwuchslangläufer in der Ausbildung. Urs Kurath, Strasseninspektor beim Kanton St.Gallen, meint dazu:

«Wir sind vom Konzept der Kombination von Berufslehre und Spitzensport überzeugt und sehen keine Nachteile bei der Vereinbarkeit. Der Aufwand für die Organisation ist für den Lehrbetrieb höher, wir erwarten dafür auch entsprechende Leistungen vom Lernenden in Praxis, Berufsschule und bei überbetrieblichen Kursen.»

Aus Erfahrung wissen die Verantwortlichen beim Strassenkreisinspektorat, dass Lernende, die gleichzeitig Spitzensport betreiben, sehr fokussiert sind. Diese Eigenschaft wirke sich auch auf die übrigen Mitarbeiter aus. Dem Lernenden wird ein Anteil an der Arbeitszeit gewährt, um an Trainings und Wettkämpfen teilnehmen zu können. Kurath: «Wir müssen offen miteinander kommunizieren. Daneben muss auch das Verständnis für Prioritäten sowohl für Sport als auch für die Ausbildung vorhanden sein.» Für ihn ist es ein weiterer Vorteil, dass der verantwortliche Ausbildner ebenfalls Spitzensportler war.

Zusatzvereinbarung zum Lehrvertrag

Swiss Olympic vergibt Betrieben, welche Sportler in der Ausbildung haben, das Label «Leistungssportfreundlicher Lehrbetrieb». Nötig hierfür ist eine Zusatzvereinbarung zum Lehrvertrag. Neben dem Training, den Wettkämpfen und der Arbeit im Betrieb müssen Lernende auch die Berufsfachschule besuchen. Die Gewerbliche Berufsschule Chur (GBC) macht die Absolvierung einer Grundausbildung mit gleichzeitigem Karriereaufbau im Leistungssport möglich. Dank einem Abkommen können auch Lernende aus dem Kanton St.Gallen die GBC besuchen, wenn ihr Beruf dort unterrichtet wird.

Um die Leistungssportler kümmert sich Thomas Gilardi als Ressortleiter Beruf und Leistungssport. Betreut werden von ihm Sportlerinnen und Sportler aus ganz verschiedenen Sportarten. Geboten wird an der GBC eine hohe Flexibilität bei Absenzen. Ebenfalls können Prüfungen verschoben werden. Die Leistungssportler profitieren von einem individuellen Förderunterricht. Damit der Stoff gelernt werden kann, gibt es eine Internet-Plattform. Gilardi steht im Kontakt mit den Sportlern, den Lehrkräften und auch mit den Lehrbetrieben.

Gute Koordination ist wichtig

Wer als Spitzensportler eine kaufmännische Ausbildung absolvieren möchte, kann von einer Sportlehre KV an der Wirtschaftsschule KV Chur profitieren. Hier wird die Lehrzeit auf vier Jahre verlängert. Das Qualifikationsverfahren wird zeitlich gestaffelt. Der Verantwortliche an der Schule koordiniert zwischen den schulischen und betrieblichen Ausbildungsgefässen.

Das Zwischenjahr mit Sport verbinden

Eine weitere Option ist ein Brückenangebot. Wer sich nach der Oberstufe noch nicht für einen Beruf oder eine schulische Ausbildung entscheiden kann, hat die Möglichkeit, in einem Zwischenjahr die sportliche Karriere während eines Jahres voranzutreiben. Das neue Brückenangebot «Der Weg» bietet ein Programm mit Schule und Praktika. Die Nachwuchssportler können daneben die Trainings und Wettkämpfe in ihren Sportarten besuchen. Neben anderen Jugendlichen, welche das Brückenangebot in Sargans besuchen, sind im Schuljahr 2019/20 vier Sportlerinnen und Sportler mit dabei.