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Spitalstrategie: Beim Bevölkerungsgespräch in Grabs blieben viele Stühle leer

Das nicht kostendeckende Tarifsystem ist nur eines der Probleme, die der Lenkungsausschuss im Rahmen der Strategieentwicklung für die St. Galler Spitäler in Angriff nimmt. Am Standort Grabs wird festgehalten, das bestätigten die Regierungsmitglieder beim Bevölkerungsgespräch in Grabs.
Corinne Hanselmann
Verwaltungsratspräsident Prof. Dr. Felix Sennhauser, Verwaltungsratsmitglied Yvonne Biri Massler, Regierungsrat Benedikt Würth, Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Regierungsrat Marc Mächler (von links) stellten sich den Fragen aus dem Publikum. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Verwaltungsratspräsident Prof. Dr. Felix Sennhauser, Verwaltungsratsmitglied Yvonne Biri Massler, Regierungsrat Benedikt Würth, Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Regierungsrat Marc Mächler (von links) stellten sich den Fragen aus dem Publikum. (Bilder: Corinne Hanselmann)

700 Besucherinnen und Besucher in Wattwil, 650 in Altstätten, 700 in Walenstadt, 800 in Flawil. Die Bevölkerungsgespräche der St. Galler Regierung zur Zukunft der Spitäler sind an den bedrohten Standorten auf riesiges Interesse gestossen und führten teils zu emotionsgeladenen Diskussionen. Am Mittwochabend fand in Grabs das vorerst letzte dieser Bevölkerungsgespräche statt. Viele Stühle in der Mehrzweckhalle Unterdorf blieben leer. Nur zwischen 100 und 150 Besucherinnen und Besuchern fanden sich ein.

Beim Bevölkerungsgespräch in Grabs blieben viele Stühle leer.

Beim Bevölkerungsgespräch in Grabs blieben viele Stühle leer.

Investition in Grabs steht nicht zur Diskussion

Regierungsrat Marc Mächler bestätigte: Die Investition von 137 Millionen in den Spital-Standort Grabs ist nicht in Frage gestellt – ein Teil sei ja auch schon fast fertiggestellt.

«Das ist wohl auch der Grund, weshalb dieser Saal nicht so berstend voll ist wie andernorts.»

Marc Mächler ist Mitglied des Lenkungsausschusses, der sich dem Projekt Zukunft der St. Galler Spitäler angenommen hat. Dem Lenkungsausschuss gehören auch Regierungsrätin Heidi Hanselmann, Regierungsrat Benedikt Würth, der Verwaltungsratspräsident der Spitalregionen, Prof. Dr. Felix Sennhauser, und Verwaltungsratsmitglied Yvonne Biri Massler an. Sie informierten über den aktuellen Stand und beantworteten Fragen aus der Bevölkerung:

«Wir möchten Ihnen die Situation aufzeigen, wo wir mit der Spitalstrategie im Moment stehen», so die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann.

«Der stete Wandel prägt unseren Alltag.»

Ein Blick in die Presselandschaft zeige, dass die finanziellen Probleme der Spitäler kein St. Galler Problem seien, sondern ein schweizweites. Wöchentlich lese man von Fusionen und Defiziten. Hanselmann versuchte zu erklären, wodurch diese Probleme entstanden sind. Unter anderem haben die Eingriffe des Bundesrats in die Tarifstruktur der ambulanten Vergütungen einen Einfluss. Ärzte und Spitäler bekommen dadurch weniger Geld für dieselben Leistungen, wobei der Kanton St. Gallen sowieso schon den zweitniedrigsten Tarif schweizweit habe.

Wenn man nichts unternehme, müsste man in Zukunft mit einem jährlichen Defizit von 70 Millionen Franken rechnen. Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde hat deshalb dem Regierungsrat im vergangenen Mai ein Grobkonzept vorgelegt, wie er der aktuellen Situation begegnen will. Hunderte offene Fragen zu diesem Grobkonzept wollen beantwortet werden. Die Regierung setzte dafür einen Lenkungsausschuss ein. «Wir sind uns im Klaren, dass wir auch jetzt noch viele Fragen nicht beantworten können. Wir sind in der Erarbeitungsphase. Dennoch ist es uns wichtig, das aufzuzeigen, was wir bis jetzt wissen», so Hanselmann.

Keine schwarzen Zahlen ohne Privatversicherte

Felix Sennhauser, Verwaltungsratspräsident der Spitalverbunde, informierte im Namen der Spitäler aus fachlicher Sicht. Er zeigte auf, dass ein Spital pro Jahr rund 7000 stationäre Patienten benötige, um effizient betrieben werden zu können. Im Kanton erreichen derzeit nur zwei Betriebe diese Zahl: Das Kantonsspital St. Gallen und das Spital Grabs. «Wir müssen uns die Frage stellen ‹Können wir uns kleinere Spitäler noch leisten?›», so Sennhauser. Konsequenzen der aktuellen Entwicklung sind zum Beispiel die Konzentration von Leistungen und die Bildung von Schwerpunkten an einzelnen Standorten. Schon heute werde das Netzwerk, das durch die Spitalverbunde entstanden ist, vermehrt genutzt. Ein Beispiel: Röntgenbilder, die nachts in Grabs gemacht werden, beurteilen Spezialisten in St. Gallen, die rund um die Uhr vor Ort sind. So kann Tag und Nacht überall dieselbe Qualität angeboten werden wie im Zentrumsspital. «Vieles wäre schon heute in den Regionen nicht möglich ohne so ein starkes Zentrumsspital wie St. Gallen», so Sennhauser. Er zeigte mit Beispielen auf, dass das Tarifsystem in der Schweiz nicht kostendeckend ist. «Mit dem heutigen Tarifsystem gibt es in der Schweiz kein öffentlich-rechtliches Spital, das schwarze Zahlen schreibt, ohne Querfinanzierung durch privat- und halbprivatversicherte Patienten», so Sennhauser. Seine Diagnose:

«Unser Gesundheitssystem ist schwer krank.»

62 Prozent der Werdenberger Patienten im Spital Grabs

«Der Standort Grabs soll im Netzwerk mit Altstätten, Walenstadt, St. Gallen und Liechtenstein funktionieren. Wie dieses Netzwerk aussehen wird und wo welche Leistungen angeboten werden, ist Teil der Abklärungen», sagte Sennhauser. 2017 wurden 62 Prozent der stationären Patienten aus dem Wahlkreis Werdenberg im Spital Grabs behandelt.

«Das zeigt: Grabs hat einen hohen Stellenwert in der Versorgung der Region.»

Das Spital Grabs zählte 2017 34094 Pflegetage – Tendenz steigend. Die Aufenthaltsdauer hingegen ist sinkend, da immer mehr Eingriffe ambulant ausgeführt werden. Im Schnitt blieb ein Patient im Jahr 2017 4,1 Tage im Spital Grabs.

Rettungswesen ist nicht betroffen

Felix Sennhauser betonte, dass das Rettungswesen nicht betroffen sein wird von der weiter entwickelten Spitalstrategie. Dort bleibe alles wie es ist. Auch mit der geplanten Vier-Standorte-Strategie könnten 99 Prozent aller Fälle innert 30 Minuten oder 50 Kilometern ein Spital erreichen. «Damit sind wir immer noch an der Spitze – weltweit!», so Sennhauser.

«Wir müssen bereits heute die Weichen stellen, damit wir auch morgen im Wahlkreis Werdenberg eine gute Versorgungssicherheit gewährleisten können.»

«Spitäler müssen keinen grossen Gewinn machen»

Der St. Galler Finanzdirektor Benedikt Würth stellte in seinen Ausführungen klar: «Die St. Galler Spitäler müssen keinen grossen Gewinn machen. Aber sie sollen die Rechnungen selber bezahlen können. Und zwar nicht nur die Löhne und die übrigen betrieblichen Ausgaben, sondern sie sollen natürlich auch Investitionen finanzieren können. Investitionen in bauliche Infrastruktur, aber auch in die Medizin, in die technische Infrastruktur.» Es sei das Ziel, der Bevölkerung auch in Zukunft eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung und den Spitälern unternehmerische Sicherheit zu bieten.

Der St. Galler Bauchef Marc Mächler bestätigte, was wohl einen grossen Teil der Besucherinnen und Besucher besonders interessierte: Die Investition von 137 Millionen in den Spital-Standort Grabs ist nicht in Frage gestellt. Ander sieht dies etwa in Altstätten aus. Dort stelle sich die Frage, was mit dem geplanten Bauprojekt passiert. Zuerst müsse nun überprüft werden, ob das mit der künftigen Strategie konform sei. Auch in Wattwil sei dies ein brisantes Thema.

Zuständig für die Festlegung von Spitalstandorten ist der Kantonsrat. Weder der Verwaltungsrat noch der Lenkungsausschuss noch die Regierung können dies alleine entscheiden. «Wenn der Lenkungsausschuss nach allen Abklärungen weiss, was man machen will, wird dem Kantonsrat eine Botschaft unterbreitet und dieser wird dann darüber abstimmen», so Mächler.

Nun folgt die zweite Phase

Man befinde sich derzeit am Schluss der ersten von drei Phasen des Projekts «Weiterentwicklung der Strategie der St. Galler Spitalverbunde», erklärte Heidi Hanselmann. In der zweiten Phase werden nun die Strategieentwicklung konkretisiert und Lösungsvorschläge für die einzelnen Standorte erarbeitet. Die dritte Phase sei dann die politische Beratung von Regierung und Kantonsrat.

Hinweis
Viele Informationen gibt es unter spitalzukunft.sg.ch.

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