Spitalregion steht Einführung einer Notfallgebühr von 50 Franken skeptisch gegenüber.

Wer die Notaufnahme eines Spitals aufsucht, soll in Zukunft eine Gebühr von rund 50 Franken bezahlen müssen – es sei denn, er oder sie muss hinterher stationär behandelt werden. Die Gebühr soll verhindern, dass Patientinnen und Patienten wegen Bagatellen gleich ins Spital gehen.

Armando Bianco
Drucken
Teilen
Kann eine Gebühr von 50 Franken helfen, den Andrang in den Notfällen der Spitäler einzuschränken?

Kann eine Gebühr von 50 Franken helfen, den Andrang in den Notfällen der Spitäler einzuschränken?

Bild: Urs Bucher

Der Nationalrat hiess kürzlich in seiner Session mit 108 zu 85 Stimmen bei einer Enthaltung eine parlamentarische Initiative des ehemaligen GLP-Nationalrates Thomas Weibel (Zürich) gut. Darüber muss noch der Ständerat befinden.

Im Spital Grabs zählt man im Schnitt 33 Notfälle pro Tag

Wie beurteilt die Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland grundsätzlich die Idee einer Notfallgebühr von 50 Franken? «Wir glauben nicht, dass die Idee einer Notfallgebühr an den Patientenströmen auf dem Notfall etwas zu verändern vermag», so Andrea Bachmann, Leiterin Kommunikation und Marketing. Für die Spitalregion sei es deshalb wichtiger, dass die Patienten auf dem Notfall gut und schnell triagiert werden, um Bagatellfälle und Notfälle entsprechend zu trennen.

Zirka 10 bis 15 Prozent der Fälle können gemäss den Beobachtungen auf den Notfallstationen in Grabs, Walenstadt und Altstätten in die Kategorie Bagatellfälle eingeordnet werden. «Idealerweise meldet sich der Patient immer beim Hausarzt, welcher ihn bereits kennt. Am Abend und am Wochenende kann der vom lokalen Ärzteverein organisierte regionale Notfalldienst kontaktiert werden. Dadurch kann oft rasch entschieden werden, ob der Patient ins Spital weitergewiesen soll oder durch den diensthabenden Notfallarzt in gleicher Qualität ambulant behandelt werden kann.»

Leute mit Bagatellen binden die Ressourcen unnötig

In der Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland suchen pro Jahr knapp 27 000 Menschen den Notfall auf, das entspricht im Durchschnitt 74 Personen pro Tag. Davon entfallen rund 12 000 Menschen auf das Spital Grabs, das macht 33 Fälle pro Tag.

Einerseits gut findet die Idee Raphael Stolz, Geschäftsleitungsmitglied der kantonalen Ärztegesellschaft. Es sei unglaublich, mit welchen Bagatellen die Leute die Notfallstationen aufsuchten. «Das ist gefährlich, weil sie Ressourcen binden, welche für schlimmere Notfälle dann fehlen», sagt er. Andererseits sei eine exakte Definition unmöglich. «Ob jemand ein Notfall ist oder nicht, definiert der Patient. Er entscheidet, wie dringend er in Behandlung gehen möchte», sagt Stolz.

Mehr zum Thema