So erging es einer Werdenbergerin: Im Internet bestellt, bezahlt, betrogen

Wer online einkauft, sollte wachsam sein. Es lauern vielerorts Internetbetrüger auf die ahnungslosen Kunden.

Nadine Schwizer
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Vorsicht beim Online-Einkauf: Nicht jede Plattform ist so seriös wie diese.

Vorsicht beim Online-Einkauf: Nicht jede Plattform ist so seriös wie diese.

Bild: PD

Region Das Internet macht es einfach, den jeweils besten Preis für ein Produkt zu finden. Doch nicht hinter jedem vermeintlichen Top-Angebot steckt auch ein reales Produkt. Denn Cyber- Kriminelle locken mit günstigen Preisen für diverse Waren; ohne jegliche Absicht, diese je an ihre zahlenden Kunden auszuliefern.

Auch eine W&O-Leserin tappte Mitte Dezember in diese Kauf-Falle. Auf der Suche nach dem günstigsten Preis für das gewünschte neue Mobiltelefon stolperte sie über das Angebot eines spanischen Online-Händlers. Da die Website seriös zu sein schien, entschied sich die Grabserin zum Kauf, der nur via Vorauskasse möglich war.

Die Website des Händlers ist nicht mehr aktiv

Ein paar Tage später wollte sie sich via die offizielle ­E-Mail-Adresse des Shops erkundigen, wann die Ware ankommt. Prompt erhielt die junge Frau eine Benachrichtigung darüber, dass das versandte E-Mail nicht zugestellt werden konnte.

Irritiert wollte sie erneut auf die Website des Händlers zugreifen – jedoch ohne Erfolg. Der gesamte Webauftritt sowie jegliche Kommunikationskanäle des vermeintlichen ­Onlineshops waren nicht mehr aktiv. Das Handy wurde nie geliefert.

Online-Betrugsfälle auf hohem Niveau

Was die junge Grabserin erfahren musste, ist keineswegs ein Einzelfall. Markus Rutz von der Kantonspolizei St.Gallen stellt auf Anfrage des W&O fest: «Solche Betrugsfälle bewegen sich ständig auf einem hohen Niveau. Für die Täterschaft/Betrüger ist diese Art von Betrug aktuell eines der lukrativsten Geschäfte.»

Zudem warnt der Mediensprecher: «Alle Personen, welche Onlineshopping betreiben, sind der Gefahr eines Betrugs ausgesetzt.»

Auch die Mobiliar ist mit dem Thema Internet-Betrug vertraut. Laut Mediensprecher Jürg Thalmann verzeichnet der Versicherer «regelmässig Schadenmeldungen im Bereich Cyber».

«Von Ferienwohnungen bis zu Fahrzeugen»

Die junge W&O-Leserin wurde um ein Mobiltelefon betrogen. Doch nicht nur elektronische Geräte werden online von ­Cyberkriminellen angeboten.

So weiss Jürg Thalmann: «Solche betrügerischen Angebote erstrecken sich von Ferienwohnungen, die es nicht gibt, über gefälschte Onlineshops für Modeartikel bis hin zu ­Occasionsfahrzeugen, welche aus dem Ausland zu einem äusserst attraktiven Preis angeboten werden und dann gegen ­Vorauskasse bezahlt werden müssen.»

Wie kann man sich vor solchem Betrug schützen?

Doch was können Konsumenten unternehmen, um zu verhindern, Opfer solcher Cyberbetrüger zu werden?

Die Kantonspolizei St.Gallen rät, sich möglichst auf sicheren Websites zu bewegen, welche der breiten Öffentlichkeit auch bekannt sind. Bei Käufen auf bekannten Auktionsplattformen weist Markus Rutz zudem speziell auf die jeweiligen Angebote des Verkäuferschutzes und das Beurteilungssystem für Käufer und Verkäufer hin.

Jürg Thalmann von der Mobiliar ruft auf weniger bekannten Sites zu Skepsis auf: «Ist ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, sollte man sehr ­genau hinschauen. Bei ­gefälschten Onlineshops reicht manchmal bereits ein Blick in die AGB, um festzustellen, dass hier etwas nicht stimmt. Oft findet man Schreibfehler, oder die Firma tarnt sich als Schweizer Anbieter, befindet sich aber im Ausland.»

Zudem empfiehlt der Mobiliar-Mediensprecher: «Wenn immer möglich, sollte man grössere Beträge nicht vor Erhalt der Ware überweisen.»

Versicherungen bieten Cyberschutz-Pakete an

Mittlerweile bieten diverse ­Versicherungsgesellschaften in der Schweiz einen Cyberschutz mit unterschiedlichen Schadensdeckungen an. Die Mobiliar bietet ihren Kunden ein ­Cyberschutz-Leistungspaket als Zusatzdeckung in der Haushaltversicherung an. Es erbringt unter anderem Leistungen bei betrügerischen Handlungen in Zusammenhang mit Online­geschäften und bei Vermögensschäden durch Diebstahl von Bank- und Kreditkartendaten.

Die Zurich Schweiz informierte auf Anfrage über eine Zusatzdeckung in ihrer Hausratversicherung, die einen allfälligen Kreditkartenmissbrauch deckt.

Hinweis: Weitere Informationen gibt es auf der Website der Schweizerischen Kriminalprävention unter dem Thema Betrug: www.skppsc.ch/de/

Was tun, wenn man Opfer eines Online-Betrugs wird?

Falls man in die Cyberfalle tappt, so ist laut Polizeisprecher Markus Rutz «in jedem Fall eine Anzeige bei der Polizei zu tätigen». Die Kantonspolizei St. Gallen sei in diesem Bereich gut aufgestellt. Rutz schildert: «Seit etwas mehr als einem Jahr betreibt die Kantonspolizei St. Gallen zusammen mit der Staatsanwaltschaft St. Gallen das Kompetenzzentrum Cybercrime. Hier arbeiten spezialisierte Staatsanwälte und Spezialisten der Kantonspolizei St. Gallen eng zusammen.» Die Chancen, die jeweiligen Betrüger zu schnappen, sind gemäss Rutz sehr unterschiedlich – und unter Umständen gering: «Da sich die Täterschaft jedoch oftmals im Ausland befindet, ist es für die Polizei je nach Land schwierig, an die entsprechenden Daten zu gelangen.»