Snowboarderin Julie Zogg zieht eine Zwischenbilanz: Schulnote 5,0 bei Saisonhälfte

Mit einem Sieg, zwei weiteren Podestplätzen und der Führung im Slalom-Weltcup kann Julie Zogg eine positive Zwischenbilanz ziehen.

Urs Huwyler
Merken
Drucken
Teilen
Slalom-Weltmeisterin Julie Zogg hofft auf eine Steigerung im Riesenslalom.

Slalom-Weltmeisterin Julie Zogg hofft auf eine Steigerung im Riesenslalom.

Bild: PD

«Die Note 5,5 im Slalom, eine 4,5 im Riesenslalom»: dies die Selbsteinschätzung von Parallelslalom-Weltmeisterin Julie Zogg bei Saisonhälfte. «Im Slalom», so die Alpin-Snowboarderin, «habe ich einen Halbfinal verloren, ansonsten alle Duelle gewonnen. Auch jene im Teambewerb. Damit darf ich zufrieden sein.» Also Note 5,5. Resultatmässig ergaben die konstanten Leistungen die Ränge eins in Russland, zweimal drei in Bad Gastein und die Führung in der Slalom-Disziplinen-Wertung. Der Gewinn der kleinen Kristallkugel bleibt für die Titelverteidigerin ein realistisches Saisonziel.

Im Riesenslalom präsentiert sich die Situation etwas anders. Julie Zogg musste zuletzt sowohl beim Heim-Weltcup in Scuol als auch in Rogla (Slowenien) nach dem verlorenen Viertelfinal zusammenpacken. Zwei sechste Ränge schauten heraus. Also Note 4,5 im Riesenslalom und insgesamt 5,0. Dabei scheinen die Unterschiede zwischen den beiden Disziplinen minimal. «Das höre ich oft, aber die Distanzen zwischen den Toren sind im Riesenslalom einiges grösser», erklärt die 27-Jährige.

Ramona Hofmeister derzeit überragend

Trotzdem dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis die zu Unrecht als «Slalom-Spezialistin» abgestempelte Zeitsoldatin aufs Podest carvt. Immerhin wurde sie 2018 Olympia-Sechste im Riesenslalom. «Es ist keine Frage der Technik, sondern des Selbstvertrauens. Dieses fehlt mir im Riesenslalom noch etwas. Doch der Knopf wird sich lösen», lässt sich Julie Zogg nicht mehr stressen. Die vielen gut gemeinten Ratschläge, all die Fragen um ihre «Schwäche» liessen die Allrounderin zuletzt im Kopf nicht frei(er) werden.

Die vergessene Weltklasseathletin

(uhu) Dem Snowboard-Sport fehlt es an Wertschätzung. Dies zeigte sich zuletzt bei der Wahl zur Schweizer Sportlerin des Jahres. Obwohl Julie Zogg mit dem WM-Titel, dem Gewinn der kleinen Kristallkugel im Slalom und einem Weltcupsieg in einer olympischen Disziplin objektiv den besten Leistungsausweis besass, wurde sie nicht unter die Top 6 gewählt, sondern von der Fachjury auf Position 14 eingestuft.

Ein Leichtathletik-Hallen-EM-Titel, ein WM-Titel in einer nicht-olympischen Disziplin, zwei Tennis-Turnierseige oder ein Ski-WM-Titel in der Alpinen Kombination wurden höher eingestuft als Julie Zoggs Erfolge. «Ich war schon enttäuscht, dass es bei dieser Ausgangslage nicht unter die besten Sechs gereicht hatte», gesteht die von den Sportredaktionen und Spitzensportlern «Vergessene».

Der Sieg beim Super-10-Kampf mit Beat Hefti und Stefan Küng entschädigte die polysportiv veranlagte Boarderin zumindest etwas.

Abgefahren sein könnte der Zug im Gesamtweltcup. Die überragende Deutsche Ramona Hofmeister liegt 2160 Punkte vor Verfolgerin Julie Zogg, die im Teambewerb von Bad Gastein auch Hofmeister bezwingen konnte. «Ramona fährt eher unerwartet in beiden Disziplinen derart stark», urteilt Zogg. «Ob sie das Niveau über die ganze Saison zu halten vermag, wird sich vor allem während der intensiven Wettkampfphase zwischen Mitte Februar und Mitte März zeigen. Dann fällt eine Vorentscheidung.»

Die Reise geht nach Korea, Kanada und Russland

Nach wir vor verkauft sich die Snowboard-Szene unter ihrem Wert. So wurde an den meisten Wettkampforten lediglich ein Rennen terminiert und damit Chancen vergeben, sich zu präsentieren. «Das verstehen viele nicht. Die Pisten sind dann ja präpariert. Kräftemässig würden wir zwei Rennen allemal verkraften», sagt Julie Zogg. Auch wegen «Unterforderung» wechselt Snowboard-Weltmeisterin Ester Ledecka immer wieder zu den Ski-Alpinen.

Im Piancavallo folgen am Wochenende ein Slalom sowie ein Teambewerb. Mit Dario Caviezel zusammen reichte es beim ersten Auftritt in Bad Gastein zu Rang drei. «Wichtig ist», so die Wartauerin, «dass ich nun wieder einmal einen Slalom fahren kann. Danach folgt eine mehrtägige Pause. Anschliessend fliegen wir nach zwei Rennen in Lackenhof nach Korea, Kanada und Moskau.» Auf dem Programm stehen an den vier Orten ein Slalom und fünf Riesenslaloms. Zwei Podestplätze sollten es bei Julie Zogg werden.