Snowboarder Jan Scherrer aus Ebnat-Kappel präsentiert mit neuem Sprung eine Weltpremiere

Der Obertoggenburger Jan Scherrer hat einen neuen Sprung kreiert – und ihn gestanden. Der Stolz ist gross, die Möglichkeiten endlos.

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Jan Scherrer hat ein Ausrufezeichen gesetzt. Mit seinem neuen Sprung hat er die Chance, sich in seinem Sport an die Spitze zu katapultieren.

Jan Scherrer hat ein Ausrufezeichen gesetzt. Mit seinem neuen Sprung hat er die Chance, sich in seinem Sport an die Spitze zu katapultieren.

Bild: PD

(pd) Switch Alley-Oop Double Rodeo 1080 Indy to Nose – der Sprung ist tatsächlich so spektakulär, wie er klingt. Und auch fast genauso schwer zu verstehen wie zu erklären. Selbst der Urheber Jan Scherrer zögert bei der genauen Definition: «Grundsätzlich ist es ein Switch Alley-Oop Double Rodeo 1080 Indy to Nose.» Aber eben doch nicht ganz, «weil ich unterschiedlich auslöse.»

Bei diesem Trick steht der Ebnat-Kappeler einen rückwärts angefahrenen Doppelsalto mit drei hangaufwärts gedrehten Drehungen um die eigene Achse. Ergänzt wird der Sprung mit einer Grab-Kombination, bei welcher der Athlet zuerst die hintere Hand in der Mitte seines Bretts zwischen die Füsse platziert, die vordere bleibt dabei an der Nase des Bretts.

Schwieriges Herantasten an den Sprung

Dass Jan Scherrer jener Snowboarder ist, der in diesem Jahr mit einer Weltpremiere die Snowboard-Szene kurzerhand zum Staunen bringt, kommt nicht von ungefähr. Seit mehr als fünf Jahren schwirre ihm dieser Trick bereits im Kopf herum, gesteht der 26-Jährige.

«Ich wusste nicht, wie ich mich an diesen Sprung herantasten sollte. Ich hatte keinen Anhaltspunkt, keine Videoaufnahmen, woran ich mich hätte festhalten können. Nichts. Eine Extremsituation für die Psyche. Schliesslich schmeisst du deinen Körper in die Pipe und weisst nicht genau, wie es ausgeht.»

Doch er fand einen Weg, in Crans-Montana. Im Frühling dieses Jahres trainierte das Snowboard Freestyle-Team zwei Wochen im Walliser Skiort. «In Crans-Montana stimmte der mentale Zustand, die Kreativität im Kopf. Ich hatte die Freiheit, konnte das machen, was ich schon lange habe versuchen wollen.» Er tastete sich an den Trick ran, prüfte verschiedene Grab-Kombinationen, bis er eine Variante entdeckte, die eine interessante Drehung ergibt und auch in der Pipe funktionieren könnte.

Die Bedingungen für den neuen Trick waren perfekt

Ein halbes Jahr und kein einziges Halfpipe-Training später folgte die Verwirklichung in Saas-Fee auf dem Schnee. Anfang Oktober steht Jan Scherrer als erster Snowboarder weltweit einen Switch Alley-Oop Double Rodeo 1080 Indy to Nose. «Ein energiegeladener Moment. Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Trick direkt am zweiten Trainingstag nach so einer langen Schneepause machen werde.»

Ohne grosse Ambitionen startete der Obertoggenburger in den Tag. Er wärmte sich auf, genoss einige Runs in der Pipe. Die Halfpipe zeigte sich in einem perfekten Shape, es herrschte kein Wind – da konnte er nicht widerstehen. «Wenn ich das jetzt nicht mache, muss ich es nie wieder tun», sagte er zu sich selbst. Denn die Bedingungen waren perfekt, es gab keinen Grund, diesen Trick nicht zu versuchen. Und es funktionierte. Für Scherrer, den sonst so selbstkritischen Typ, ein unvergesslicher Moment.

«Ich war noch nie in einer solchen Situation, und es erfüllt mich mit Stolz, dass ich mich getraut und diesen Traum verwirklicht habe.»

Vor mehr als sieben Jahren kreierte Youri Podladtchikov seinen Yolo-Flip und flog damit 2014 in Sotschi zu Olympia-Gold. Nun taucht mit Jan Scherrer ein weiterer Name aus dem Schweizer Team in der Erfinderliste von Snowboard-Tricks auf. Grössenwahn sucht man aber bei Scherrer vergebens. Einen speziellen Namen hat er für seinen Trick nicht. Das ist nicht seine Art. «Es ist nicht mein Ziel, dass dieser Trick nach mir benannt wird, das finde ich doof. Viel wichtiger ist mir, dass die Menschen, welche sich für diese Szene interessieren, wissen, dass ich diesen Trick weltweit als Erster gemacht habe.»

An jedem Wettkampf vorne mitfahren können

Jan Scherrer ist bekannt für seinen ästhetischen Snowboard-Stil, verfügt über ein ausgefeiltes Grundrepertoire an technisch komplexen Tricks, die ihn regelmässig Topresultate erzielen lassen. Seit vergangener Saison ist Scherrer, der lange Zeit so manchen vierten Platz in Kauf nehmen musste, definitiv an der Weltspitze angekommen. An den prestigeträchtigen X Games belegte er den dritten Platz und bestätigte als Zweiter beim Burton US Open seine bestechende Form. Jan Scherrer ist für Swiss Snowboard zu einem Garanten für Spitzenplätze geworden.

Und jetzt erst recht – obwohl Scherrer bei seinem neuen Trick anfänglich nicht an einen Contest-Sprung gedacht hatte. Aber da die Sache nun funktioniert habe, sehe die Situation anders aus. Scherrer sagt:

«Ich will den Sprung nun verfeinern, automatisieren und an einem Contest zeigen. Damit habe ich endlose Möglichkeiten, und ich sehe auch, dass ich es nun in den eigenen Händen habe, um an jedem Wettkampf vorne mitfahren zu können.»

Diesen Trick wird er nun berühmt machen und öffnet dem Snowboarder ganz neue Dimensionen. Die kommende Saison wird zeigen, welche es sein werden.

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