Skifahrer Josua Mettler: «Die Männer sind eher Spezialisten»

Bereits 16 Winter lang ist der 20-jährige Unterwässler Josua Mettler auf Rennpisten anzutreffen. In diesem Winter will er seine letzte Chance auf einen Startplatz an der Junioren-WM packen.

Sabine Camedda
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Josua Mettler katapultiert sich aus dem Startbereich. Diesen Winter will er an der Junioren-WM für Furore sorgen. (Bild: PD)

Josua Mettler katapultiert sich aus dem Startbereich. Diesen Winter will er an der Junioren-WM für Furore sorgen. (Bild: PD)

Skifahren macht Josua Mettler Spass. So sehr, dass er seiner Passion als Profi nachgeht. Möglich machen dies seine Zugehörigkeit im C-Kader von Swiss Ski, Stiftungen wie die Sporthilfe, Sponsoren und seine Familie. Der 20-Jährige, der im Sommer am Sportgymnasium in Davos erfolgreich die Ausbildung zum Kaufmann EFZ abgeschlossen hat, dankt dieses Engagement mit Resultaten. Im Dezember hat er in zwei Super-G in St. Moritz seine ersten Punkte im Europacup gewonnen. Auf Stufe FIS-Rennen stehen mehrere Top-Ten-Platzierungen zu Buche.

Die Resultate gewinnen umso mehr an Wert, wenn man die Namen der internationalen Konkurrenz betrachtet. Nicht selten findet man dieselben Athleten, die auch bei Weltcup-Rennen am Start stehen.
Josua Mettler schaffte den Sprung vom Nationalen Leistungskader (NLZ) ins C-Kader vor zwei Saisons. «Die grösste Veränderung war, dass ich seither meine Ski nicht mehr selber präparieren muss», sagt er. Dieser Schritt gelingt aber nicht vielen der jungen Athleten. Sind im NLZ-Kader noch rund 20 Skifahrer, so sind es im C-Kader gerade einmal neun. Josua Mettler drückt die harte Selektion anders aus. Im Kader des OSSV seien sie acht Fahrer seines Jahrgangs 1998 gewesen. Von denen würden noch zwei Rennen auf Stufe FIS fahren. Trotzdem seien die Kader in der Schweiz viel breiter als in anderen Ländern.

Spezialisierung auf Speed-Disziplinen


Sein Alltag besteht aus Skifahren und Reisen. Häufig erfährt Josua Mettler erst kurzfristig, an welchen Rennen er starten wird. Als junger und ehrgeiziger Fahrer hofft er auf möglichst viele Starts und nimmt dabei in Kauf, oft nur kurz bei seiner Familie im Toggenburg zu sein. «Je mehr Rennen ich fahre, desto besser komme ich in einen Rennrhythmus. Zudem erhöhen sich die Chancen, sich in der FIS-Punkteliste und somit in den Startpositionen zu verbessern», erklärt er. Vor den Starts bekommen die Skirennfahrer die Möglichkeit, die Läufe anzuschauen. Jeder gehe dies anders an. Letztlich müsse man auf der schnellsten Linie fahren und könne so gewinnen.

Was recht einfach tönt, ist jedoch komplizierter. Josua Mettler verbringt viele Tage auf dem Schnee mit Training. Bereits als Kind und Jugendlicher legte er damit eine Basis, denn in diesen Altersklassen gibt es mehrheitlich nur Rennen in den technischen Disziplinen Riesenslalom und Slalom. Ab der Stufe FIS-Rennen werden auch die Speed-Disziplinen Super-G und Abfahrt gefahren. Noch fährt Josua Mettler alle Disziplinen. «Ich muss mich aber spezialisieren, damit ich besser werden kann», sagt er. Obwohl er auch gerne Slaloms fährt, zieht es ihn eher zu den schnellen Disziplinen.

Dies zeigt sich auch in den Resultaten. Josua Mettler ist in der Weltrangliste auf Rang 177 (Abfahrt) und 184 (Super-G) geführt. In den technischen Disziplinen liegt er etwas weiter hinten. «Als Mann kann man nicht in allen Disziplinen vorne mitfahren, weil das Niveau sehr hoch ist. Bei den Frauen hingegen findet man noch Allrounderinnen», sagt Josua Mettler.

Streben nach tiefer Startnummer

So wichtig die Rennen im Winter sind, das Sommertraining ist nicht zu unterschätzen. 20 bis 25 Stunden in der Woche trainiert Josua Mettler Kraft, Ausdauer und Koordination und macht seinen Körper so fit für den Winter. «Ich bin häufig mit dem Bike unterwegs, am liebsten im Toggenburg», sagt er. Er profitiere auch von den Zusammenzügen im Team. Beim Spiel wird agiert und reagiert, was fürs Skifahren ebenfalls sehr wichtig sei.

Druck von aussen für gute Resultate verspürt Josua Mettler nicht. «Ich mache mir selber am meisten Druck, denn ich will mich ständig verbessern», sagt er. Für einen Skirennfahrer bedeutet dies, dass er eine tiefere Startnummer bekommt. «Das ist ein riesiger Vorteil im Rennen.» Die gerade erst gewonnenen Europacup-Punkte geben Josua Mettler Selbstvertrauen. Das braucht er für sein Saisonziel, die Qualifikation für die Junioren-WM. In der vergangenen Saison hat er es knapp nicht geschafft. «Jetzt habe ich wegen meines Alters die letzte Chance.» Längerfristig möchte Josua Mettler im Weltcup starten. Er ist sich aber bewusst, der Weg dahin ist noch weit.