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Sie nehmen die Zukunft in die Hände

An der Buchser Oberstufe steht auch Politik im Fokus der schulischen Bildung. Mehrere Jugendliche des OZ Grof haben an der Jugendsession in Herisau teilgenommen – freiwillig und mit grossem Interesse.
Armando Bianco
Politisch interessierte Buchser Schüler: (von links) Livio Sutter, Alessandro Wedam, Raphael Guntli, Agnesa Kastrati, Kemeh Tracy Charles, Vanessa Zurbrügg. (Bild: Armando Bianco)

Politisch interessierte Buchser Schüler: (von links) Livio Sutter, Alessandro Wedam, Raphael Guntli, Agnesa Kastrati, Kemeh Tracy Charles, Vanessa Zurbrügg. (Bild: Armando Bianco)

Am 10. November fand in Herisau die 39. Jugendsession des Jugendparlamentes Kanton St. Gallen und beider Appenzell statt. Unter den rund 80 freiwilligen Teilnehmern zwischen 13 und 25 Jahren waren auch Buchser Schülerinnen und Schüler der 2. Sekundarklassen 2sa und 2sb des OZ Grof. Der W&O hat sich mit sechs Jugendlichen über ihre Gedanken zu Politik unterhalten (siehe Titelseite). Auch wenn sie an der Urne noch keine Stimme abgeben können, zeigt sich, dass sie durchaus interessiert sind an einer Meinungsbildung.

Kemeh Tracy Charles diskutiert oft und gerne

Kemeh Tracy Charles interessierte sich schon vor der Teilnahme am Jugendparlament für Politik. «Die Neugier hat mein Vater geweckt, er hat oft politische Sendungen geschaut. Er ist mit 21 Jahren aus Nigeria in die Schweiz gekommen und war überrascht, dass sich Regierung und Politik um das Wohl der Bürger kümmern.» Das demokratisch abgestützte Recht auf Mitbestimmung habe ihn für das Schweizer System begeistert, da er selbst aus einem eher wenig demokratischen Land kommt. Kemeh kann sich vorstellen, später einmal Politikerin oder Anwältin zu werden. «Ich diskutiere oft und gerne», sagt sie. Ihre Mitschüler in dieser Runde grinsen und nicken. «Ich möchte meine Meinung einbringen und nicht so sein wie alle anderen.» Die junge Buchserin stammt aus einem christlich geprägten Elternhaus, sie macht den Eindruck einer ausgewogen denkenden Person mit grosser Toleranz. «Politisch kann ich mich deswegen am ehesten mit der CVP identifizieren. Leute mit extremen Positionen kann ich irgendwie nicht ganz ernst nehmen.» Sie denkt, als Jugendliche mit Migrationshintergrund hat man eine etwas andere Sicht auf das Leben und die Politik.

Livio Sutter beurteilt Menschen nicht nach Partei

Livio Sutter glaubt, dass man als Jugendlicher durchaus von Politik betroffen ist. «Mein Vater ist Tierarzt, deshalb reden wir daheim über die Hornkuh-Initiative vom 25. November. Das hat mein Interesse geweckt.» Vor dem Besuch im Jugendparlament wusste er eher wenig bis gar nichts über die aktuellen Abstimmungsvorlagen – das ist nun anders. «Wenn ich stimmberechtigt wäre, wusste ich nun recht gut, ob ich Ja oder Nein stimmen würde. Das Wissen über die Hornkuh-Initiative hat er nur zu einem kleinen Teil aus den Medien. «Ich begleite meinen Vater ab und zu bei der Arbeit, dort war das in letzter Zeit fast immer ein Thema, vor allem bei Bauern. Ich habe gemerkt, dass in diesem Fall Politik gemacht wird, welche die Menschen stark beschäftigt.» Welche Partei Livio bevorzugt, kann er noch nicht sagen, aber was er ganz sicher weiss: «Die Grünen sind es nicht.» Menschen möchte er aber nicht nach Politik oder Nationalität beurteilen. «Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter.»

Agnesa Kastrati will sich stets selbst ein Bild machen

Agnesa Kastrati hätte nie gedacht, dass das Jugendparlament so interessant ist, weil sie eigentlich nur der Freundschaft zu Klassenkameradin Kemeh wegen nach Herisau mitgereist ist. Und dafür opfert sie einen ganzen Samstag, an dem man als Jugendliche auch spannendere Dinge machen könnte? «Ich finde, man sollte sich mit allem zuerst einmal auseinandersetzen, bevor man sagt, dass interessiert mich nicht. Es gibt ja auch noch genug Samstage, um anderes zu machen.» Dass sie ihr Weg in die Politik führen wird, kann sich Agnesa momentan aber nicht vorstellen. Zuhause bei ihr wird eher wenig über Politik geredet, «obwohl mein Vater gerne auch mal eine politische Sendung im Fernsehen schaut. Ich bleibe dann aber lieber in meinem Zimmer». Den Einfluss der Eltern will sie nicht überbewerten. «Ich glaube, Interesse für Politik ist sehr individuell und kann sich auch entwickeln, wenn man nicht in einem politischen Umfeld aufwächst.» Was sie feststellt: Wenn man einen Migrationshintergrund hat, ist man von der Politik in der Schweiz oft ganz anders betroffen als die Schweizer selbst.

Alessandro Wedam denkt, dass die Politik übertreibt

Das Interesse für Politik wurde bei Alessandro Wedam vor dem Radio geweckt: «Ich habe Hitparade und Fussballberichte gehört, dazwischen gab es Nachrichten, diese fand ich meistens spannend.» Er habe das Gehörte dann seinen Eltern erzählt, «doch sie interessieren sich eigentlich nicht grossartig für Politik, obwohl sie häufig Nachrichten konsumieren», erzählt er mit einem Schmunzeln. Im Gespräch mit ebenfalls politischen interessierten Mitschülern stellt er fest, dass die SVP eine Partei ist, mit der er nur wenig anfangen kann. «Ihre Meinung ist mir zu extrem.» In sein Sozialleben fliesst das allerdings nicht ein. «Freunde sind Freunde, da ist es mir egal, welche Partei sie gut finden.» Alessandro denkt, dass in der Politik übertrieben wird, besonders vor den Abstimmungen. «Das sieht man jetzt bei der Selbstbestimmungsinitiative, wo die Parteien je nach Ausgang schlimme Sachen vorhersagen.» Nach einer Abstimmung sei dann vieles wieder vergessen. «So war das auch nach der Wahl von Präsident Donald Trump in den USA, da hat es auch geheissen, jetzt gebe es einen neuen Weltkrieg.»

Vanessa Zurbrügg findet sture Politiker mühsam

Vanessa Zurbrügg kommt aus einer Familie, in der politisiert wird. Ihre Mutter Pia Zurbrügg ist Präsidentin der Kreispartei SP Werdenberg. Die Jugendliche selbst ist derzeit Präsidentin des Buchser Jugendrats You Speak. «Dort hat man auch mit Politik zu tun, wir vertreten die Anliegen der Jugend in unserer Stadt. Da muss man manchmal gemeinsam Kompromisse finden.» Sie hat eine klare Vorstellung davon, welche Richtung sie in der Politik bevorzugt, betont aber auch: «Ich habe trotzdem ein offenes Visier und kann mich gut in die Argumente anderer Parteien hineinversetzen.» Sie wäre nicht jemand, die einfach nur auf der Parteilinie marschiert. Vanessa will dereinst in die SP eintreten, «weil ich von den Ansichten der Partei überzeugt bin und meinen früh verstorbenen Grossvater stolz machen will. Er hat sich beispielsweise für die Rechte der Arbeiter eingesetzt». Politiker, die keinen Zentimeter von ihrer Meinung abweichen, findet sie eher mühsam. «Ich diskutiere gerne und weiss, dass man manchmal auch flexibel sein muss, um weiterzukommen.»

Raphael Guntli glaubt an den Einfluss von Politik

Politik spielt im Leben von Raphael Guntli keine grosse Rolle, er kann sich aber vorstellen, «dass sich das einmal ändern wird». Bei ihm dreht sich derzeit noch vieles um ganz andere, für ihn als Jugendlichen wohl viel wichtigere Dinge. Der Besuch im Jugendparlament in Herisau sei zwar ganz interessant gewesen, «die langen Vorträge waren aber schon eher mühsam». Es sei halt schwierig, sich für etwas zu begeistern, dass man nicht so richtig versteht. Die Abstimmungen und das ganze Prozedere rundherum hingegen fand Raphael spannend. Die Frage, ob es politische Themen gibt, deren Auswirkungen ihn selbst oder seine Eltern betreffen, beantwortet er, wie aus der Pistole geschossen: «Steuern zahlen.» Er glaubt daran, dass Politik einen direkten Einfluss auf jeden Menschen haben kann, und dass man in einer Demokratie den Entwicklungen nicht einfach ausgeliefert ist. Ob und in welcher Partei er einmal mitmachen will, weiss Sekundarschüler Raphael noch nicht. «Doch was ich von der SP höre, finde ich manchmal schon noch gut», fügt er an.

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