Bauern im Strassenverkehr: In Salez bringen sie sich auf dem neusten Stand der Sicherheitsvorschriften

Landwirte in Ausbildung lernen in Salez die neusten Regeländerungen im Strassenverkehr kennen.

Heidy Beyeler
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Der Einstieg in den Kurs fiel den angehenden Landwirten leicht. Bei der Befestigung eines landwirtschaftlichen Gerätes auf einem Anhänger gilt es dennoch sorgfältig vorzugehen, die Gurten dürfen keine Schäden aufweisen.
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Ueli Lehmann erklärt den Lernenden die neuen Vorschriften zur Berechnung des Ladegewichts.

Der Einstieg in den Kurs fiel den angehenden Landwirten leicht. Bei der Befestigung eines landwirtschaftlichen Gerätes auf einem Anhänger gilt es dennoch sorgfältig vorzugehen, die Gurten dürfen keine Schäden aufweisen.

Bilder: Heidy Beyeler

Knapp 60 Lernende im dritten Lehrjahr erfuhren am Landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen (LZSG) in Salez anhand von praktischen Beispielen, wie sie sicher unterwegs sind mit ihren grossen und kleinen Traktoren sowie anderen Zugfahrzeugen, mit und ohne angehängte Maschine, voll beladene Anhänger und Brückenwagen.

Den vierstündigen Kurs «landwirtschaftlicher Strassenverkehr» bietet das BZB/LZSG Salez neu für seine Lernenden an. Einerseits, weil die Zahl der Unfälle im landwirtschaftlichen Strassenverkehr zugenommen haben und andererseits, weil seit 1. Februar 2019 massgebende Neuerungen im Strassenverkehrsgesetz in Kraft sind. «Mit diesem Kurs werden angehende Landwirte sensibilisiert, vermehrt auf die Sicherheit zu achten», erklärt Martin Willi, Abteilungsleiter BZB Buchs.

Wichtig ist es, die Ladung richtig zu sichern

Bei vier verschiedenen Stationen zeigten die Fachleute (Polizisten und Ausbilder am LZSG Salez) auf, wo und wie die Sicherheit im Strassenverkehr verbessert werden kann und welche gesetzlichen Neuerungen gelten.

Bei der ersten Station ging es darum, eine Ladung auf einem Brückenwagen optimal zu sichern. Konkrete Beispiele wie randvoll gefüllte Paloxen mit Gemüse, Siloballen oder ein Fass mit Flüssigkeit wurden in der Praxis geübt. Die meisten Teilnehmenden wussten, wie eine Ladung mit Spanngurten gesichert wird. Dass dies in der Praxis jedoch nicht immer gemacht wird, erleben die Polizisten immer wieder, wenn ein Unfall passiert.

Marco Alabor, Fachstelle für Landtechnik/Unfallverhütung am LZSG Salez, sensibilisierte die Kursteilnehmer für heikle Situationen, die es zu berücksichtigen gilt, damit die Ladung einem plötzlichen Bremsmanöver standhält. Es empfiehlt sich, nur Gurten mit Herstelleretikette zu verwenden, keine angerissenen und verölten Gurten einzusetzen und einen Schutz um scharfe Kanten zu legen.

Neue Vorschrift für die Anhängelast

Knifflig wurde es bei der zweiten Station. Neu muss das Gewicht auf den Antriebsachsen mindestens 22 Prozent des Betriebsgewichts betragen (minimales Adhäsionsgewicht). Dies gilt seit Februar 2019 für Fahrzeugkombinationen mit einer durch die Bauart bedingten Höchstgeschwindigkeit über 25 bis 40 Stundenkilometern, wie Ueli Lehmann von der Fachstelle für Landtechnik am LZSG Salez den Lernenden erklärte. Ein Beispiel: Bei einem Traktor mit Vierradantrieb und einem Leergewicht (= Adhäsionsgewicht) von 5000 kg darf die gesamte Kombination aus Traktor und Anhänger maximal 22727 kg wiegen, abzüglich Traktor bleiben 17717 kg Anhängelast übrig. «Das gilt auch, wenn im Fahrzeugausweis eine höhere Anhängelast eingetragen ist», betonte Lehmann.

Weiter machte Lehmann klar, dass ein Augenmerk auf die Bremsen gerichtet werden muss und die neuen Vorschriften zu den Bremssystemen brachtet werden müssen. Der Hydraulikanschluss für eine Einleiter-Hydraulikbremse ist weiterhin zulässig, sofern das Fahrzeug mit einer Zweileitungsbremse, hydraulisch oder pneumatisch, ausgerüstet ist. Der Bremsdruck am Anschluss muss mindestens 130 bis maximal 150 bar betragen.

Wertvolle Hinweise aus polizeilicher Sicht

Bei der dritten Station erklärte Thomas Rutz von der Kantonspolizei St.Gallen die wichtigsten Punkte im Bereich landwirtschaftlicher Strassenverkehr. Insbesondere ging es darum, dass der Traktor und die angehängte Maschine den Vorschriften ohne Wenn und Aber genügen müssen. Anhand von einigen Beispielen zeigte er auf, was erlaubt ist und was nicht. Verschiedene gesetzlich vorgeschriebene Signalisationen und Beleuchtungen sind ein Muss.

Den Abschluss machte Hansjakob Gabathuler vom Stützpunkt Mels der Kantonspolizei an der vierten Station. Mit Bildern von Unfällen sensibilisierte er in Bezug auf Schäden und Umtriebe, wenn Siloballen, Paloxen, Heuballen etc. nicht ausreichend gesichert werden. Er zeigte Situationen, welche die Teilnehmende staunen liessen, dass immer noch derart schlecht gesicherte Fuhrwerke im öffentlichen Verkehr unterwegs sind. Es fand aber auch ein lockerer Diskurs zwischen dem Referenten und den Lernenden statt.

Es war ein aufschlussreicher Beitrag zum Thema Sicherheit im Strassenverkehr, der da und dort auch Defizite bei Landwirten zutage brachte.