Sevelen
Das Zelt als Thema der Saisoneröffnung

Der Gedankenberg wird am Donnerstag eröffnet: Eine 600 Kilogramm schwere zeltförmige Installation mit dem Titel «Das gläserne Zelt» empfängt die Besucher unmittelbar nach dem Erklimmen der steilen Stahltreppe auf einer der vielen Aussichtsplattformen.

Mirjam Kaiser
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Gert Gschwendtner und Mali Gubser freuen sich über die Ausstellung.

Gert Gschwendtner und Mali Gubser freuen sich über die Ausstellung.

Bild: Marco Ritter

Seit kurzem steht auf dem Gedankenberg in Sevelen, einem begehbaren Kunstpark auf dem Storchenbüel, eine neue Glasskulptur von Künstler Gert Gschwendtner. Die 600Kilo schwere zeltförmige Installation mit dem Titel «Das gläserne Zelt» empfängt die Besucher unmittelbar nach dem Erklimmen der steilen Stahltreppe auf einer der vielen Aussichtsplattformen.

Auf der – je nach Sonneneinstrahlung – unterschiedlich reflektierenden vorderen Glasscheibe steht die buddhistische Weisheit «Form ist leer – Leerheit ist Form», die dazu aufrufen soll, selbst zu denken. «Bedeutungen sind Gefässe, die man Dingen gibt», erklärt Künstler Gert Gschwendtner beim Parkrundgang. Geht man den Weg durch den Park weiter und bei der Strasse angelangt weiter zum oberen, privaten Parkplatz, erreicht man über eine Treppe hinab eine gläserne Ausstellungshalle.

Zelte als Zeichen der Reduktion

In der kleinen Halle auf dem Storchenbüel ist vom 1. bis 3.April eine Ausstellung von Gert Gschwendtner zu sehen, die – wie die neue Glasskulptur – das Thema Zelte aufgreift. Die meisten der ausgestellten Werke sind in den 1980er-Jahren entstanden, haben aber nichts an ihrer Aktualität eingebüsst. Gert Gschwendtner sagt:

«In der momentanen Umbruchsituation, in der wir angehalten sind, zu Hause zu bleiben, wird die Kleinräumigkeit wieder bedeutsam.»

Zudem ist das Zelt meist ein kleiner Unterschlupf, in dem man reduziert leben muss. Auch dies ein Thema in der heutigen Zeit des Überflusses.

Zelt ist ursprüngliche Architektur

Und da die Zeltarchitektur meist einen zentrierten Raum bietet, fühlt sich der Mensch darin wohl und geborgen. «Ein Zelt bietet Schutz vor Regen, Wind und Sonne.» Gert Gschwendtner bezeichnet das Zelt als die ursprüngliche Architektur, die ein nachhaltiges und flexibles Bauen ermöglicht. Wenn einem beispielsweise die Lebensbedingungen an einem Ort nicht mehr passen, kann man – ohne Schäden zu hinterlassen – an den nächsten Ort weiterziehen.

«Ein Zelt kann man als Aufruf verstehen, in der Architektur neue Wege zu gehen. Die heutige Architektur könnte sich – inspiriert von Zeltbauten – durchaus mehr mit recycelbaren Materialien beschäftigen», so der Künstler. «Das Zelt hat nichts Monumentales.» Es sei ein schlichter Gebrauchsgegenstand ohne repräsentativen Charakter und damit ohne Machtdemonstration, was es für Gert Gschwendtner umso faszinierender macht.

Variationen von der Idee der Zelthaut

Diese Eigenschaften des Zeltes griff Gert Gschwendtner in seinen Kunstwerken auf verschiedene Weise auf. In mehreren aquarellierten Zeichnungen stellt er das Zelt als zweite Haut des Menschen dar. Auf einem der Werke zeichnete er beispielsweise ein Skelett auf die gegerbte Zelthaut. «Dies zeigt die menschliche Wirklichkeit, wie er seine Haut zum Markte trägt», so Gschwendtner. Auf einer anderen Papierarbeit hat er eine sogenannte Kulturhaut durch verschiedene internationale Schriftzeichen dargestellt.

Neben diesen feinen Papierarbeiten sind auch zwei grössere Installationen ausgestellt, deren «Stoff» Gschwendtner aus den Keilrahmen von Leinwänden rausgeschnitten hat, auf Holzstöcke gelegt und anschliessend wieder in einen Rahmen verbannt hat. Der Künstler erklärt:

«Ich habe die Bilder rausgenommen, damit sie als Zelte bewohnbar werden.»

Ein weiteres Thema schneidet Gert Gschwendtner mit seiner Kunst an: die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen. Auf einem Tryptichon, das aus zwei Porträts besteht und die sich zu einem viergliedrigen Bild öffnen lassen, thematisiert er mit sich wiederholenden Schriftzügen wie «mein Grund» und «gemeinsamer Grund» die begrenzte Welt, die künstlich in Besitztümer aufgeteilt wurde.

Durch das Zusammenführen der einzelnen «Grundstücke» zu einem gemeinsam genutzten Grund will er auf die Begrenztheit der Erde aufmerksam machen und die Notwendigkeit, Flächen gemeinsam zu nutzen. Diese Verflochtenheit der Ressourcen stellt er durch skriptive, schriftähnliche Zeichen dar, die sich mehrfach überlagern. «Wir leben in einer gemeinsamen Zelthaut», sagt er dazu.

Torteile aus Walknochen

Bevor man Gschwendtners «Zeltwelt» betritt, muss der Besucher ein angedeutetes Eingangstor aus geschliffenem und lackiertem Holz passieren, das an Torteile aus Walknochen in der Maori-Kultur erinnert. «Dies hat mir gezeigt, dass es eigentlich alles schon gegeben hat und dass wir Dinge nur in kleinen Variationen neu erfinden.»

Vernissage: Eröffnung: 1.April, 19Uhr. Treffpunkt beim Eingang des Gedankenbergs. Offen am Freitag, 2. und Samstag, 3.April von 11 bis 18Uhr unter Anwesenheit des Künstlers.