Sennwalder Schmied kreierte Skulptur für Staubern-Talstation mit Unterstützung aus England

Der Schmied Christoph Friedrich durfte für die Talstation der Staubernbahn in Frümsen eine Stahlplastik herstellen. Bei der Umsetzung der «Nussknacker»-Stahlskulptur hatte der Sennwalder Herausforderungen zu meistern.

Corinne Hanselmann
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Christoph Friedrich mit dem Modell der Stahlplastik in der Hammerschmiede Sennwald.

Christoph Friedrich mit dem Modell der Stahlplastik in der Hammerschmiede Sennwald.

Corinne Hanselmann

Seit Herbst weisen bei der Talstation der Staubernbahn in Frümsen drei gestauchte, grosse Stahlträger und sechs Säulen mit Nussschalenteilen aus Stahl den Weg vom Parkplatz zum Eingang. Gestaltet und hergestellt hat sie Christoph Friedrich aus Sennwald. Die gestauchten Stahlträger symbolisieren die Kraft, die nötig ist, um eine Nuss zu öffnen. Die nachfolgenden Säulen mit metallenen Nussschalenteilen, die durch Krafteinwirkung entstanden sind, weisen den Weg, öffnen sich und geben das Innere der Nuss preis.

Mithilfe eines Krans wurden die Stahlträger platziert.

Mithilfe eines Krans wurden die Stahlträger platziert.

PD

Für den diplomierten Schmiedemeister Christoph Friedrich war die Gestaltung und Herstellung der Stahlplastik mit dem Namen «Nussknacker» ein ganz besonderer Auftrag. Bereits bei der Erstellung der Muster zeigte sich aber, dass er diesen Auftrag nicht alleine wird bewältigen können. Zu schwer und zu unhandlich waren die glühenden, fast drei Zentimeter dicken Metallplatten, aus denen die Schalenteile entstehen sollten.

Die Skulptur weist den Weg zum Eingang.

Die Skulptur weist den Weg zum Eingang.

Staubern-Wirt wollte eine Skulptur aus der Region

Im vergangenen Frühling kam der pensionierte, ehemalige Sennwalder Schulratspräsident Christoph Friedrich mit Daniel Lüchinger vom Berggasthaus Staubern ins Gespräch. Dieser wünschte sich eine Skulptur von Friedrich, die bei der neu gebauten Talstation der Seilbahn in Frümsen den Weg vom Parkplatz zum Eingang weist. Friedrich ist gelernter Huf- und Wagenschmied sowie Metallbauschlosser. 1981 kaufte er mit seiner Frau Margrit die im Jahr 1860 erbaute Hammerschmiede in Sennwald und reaktivierte diese.

Die fertige Stahlplastik.

Die fertige Stahlplastik.

Nach dem Gespräch mit dem Staubern-Wirt machte sich Christoph Friedrich erste Gedanken, begutachtete die Situation vor Ort und zeichnete Skizzen. Diese besprach er mit dem Auftraggeber, um zu spüren, in welche Richtung es gehen soll. Einige Gespräche und Skizzen später hatte man sich geeinigt: Die Stahlplastik soll aus drei gestauchten Stahlträgern sowie sechs Säulen mit Nussschalenteilen entstehen.

Geblieben ist auch eine Freundschaft

Schon bei der Erstellung der Muster stellte Christoph Friedrich fest, dass er unter anderem die geplante Nusshalbschale nicht alleine wird anfertigen können. «Sie besteht aus einem fast drei Zentimeter dicken und rund 20 Kilogramm schweren Stahlblech. Wenn dieses glüht, kann ich es nicht alleine hochheben und in der Presse positionieren», erklärt Friedrich. Er nutzte seine Kontakte zum Hereford College of Arts in England und bot einem Studenten an, in Sennwald ein Praktikum zu machen und bei der Ausführung dieses besonderen Auftrags zu helfen.

Die eiserne Nussschale ist einer echten Nuss nachempfunden.

Die eiserne Nussschale ist einer echten Nuss nachempfunden.

PD
«Die Begeisterung bei den Studenten war gross, etwa zehn wollten kommen.»
Dominic Powell unterstützte Christoph Friedrich bei der Umsetzung.

Dominic Powell unterstützte Christoph Friedrich bei der Umsetzung.

PD

Er wählte aus den Bewerbungen Dominic Powell aus. Für drei Wochen kam dieser in die Schweiz und unterstützte Friedrich bei den schweren Arbeiten. Geblieben ist davon nicht nur die fertige Skulptur, sondern auch eine Freundschaft.

«Für mich war das ein sehr lässiger Auftrag. Beeindruckt hat mich besonders, dass Daniel Lüchinger von Beginn weg darauf bestand, dass die Skulptur in meiner Schmiede angefertigt werden muss. Das habe ich so noch nie erlebt, normalerweise geht es um den Preis und die Zeit, die benötigt wird. Aber Daniel Lüchinger war es wichtiger, dass das Werk aus der Region kommt.» Zudem hat Friedrich es sehr geschätzt, dass er viele Freiheiten und keinen Zeitdruck hatte.

Nuss passte nicht in den Gasofen

So entstanden die gestauchten Stahlträger.

So entstanden die gestauchten Stahlträger.

PD

Bei der Umsetzung hatten Friedrich und Powell einige Herausforderungen zu meistern. So mussten sie beispielsweise gewisse Werkzeuge, etwa Pressstempel, um die Nuss zu formen, zuerst selber herstellen. Auch Improvisation war nötig, denn es stellte sich heraus, dass die grossen Nussschalenteile nicht mehr in den Gasofen passen, mit dem üblicherweise gearbeitet wird.

«Also machten wir ganz traditionell in der Esse ein grosses Kohlefeuer und brachten das Teil so zum Glühen», so Friedrich. Auch das Handling der rund 300 Kilogramm schweren und grossen Stahlträger mittels Kran war herausfordernd. Vor der Montage wurden die Stahlträger sandgestrahlt, damit sie wie gewünscht zu rosten beginnen. Mit dem Endresultat ist Friedrich sehr zufrieden.

«Solch ein Auftrag ist traumhaft umzusetzen. Das mache ich noch lieber als Ferien»

sagt der Pensionär und lacht.

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