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Selbstreflexion nicht nur am Jahresende

Fassen sich Gemeindepräsidenten an der Schwelle zum Jahreswechsel Vorsätze für die politische Tätigkeit im kommenden Jahr? Für die einen ist dieser Zeitpunkt genau richtig und wichtig, für andere gar nicht, weil sie jeweils situativ Anpassungen vornehmen.
Heini Schwendener
Anstossen auf das neue Jahr: In der Zeit des Jahreswechsels reflektieren viele Menschen ihre berufliche Situation. Der W&O hat Gemeindepräsidenten befragt, wie sie es damit halten. (Bild: Archiv Tagblatt)

Anstossen auf das neue Jahr: In der Zeit des Jahreswechsels reflektieren viele Menschen ihre berufliche Situation. Der W&O hat Gemeindepräsidenten befragt, wie sie es damit halten. (Bild: Archiv Tagblatt)

Gute Vorsätze zum Jahreswechsel haben meist eine kurze Lebenserwartung. Mit dem Abnehmen ist es schon Mitte Februar wieder vorbei. Der Zigarettenverzicht hat gerade einmal drei Wochen gedauert.

Gleichwohl gibt vielen Menschen der Jahreswechsel einen willkommenen Anlass, um in sich zu gehen und sich beispielsweise über die berufliche Situation Gedanken zu machen. Zuweilen resultieren daraus Vorsätze. Wir haben Gemeindepräsidenten in der Region dazu befragt.

In Klausur für den Rück- und den Ausblick

Am ausgeprägtesten nutzt Daniel Gut die ruhigen Tage um den Jahreswechsel. Seit er Buchser Stadtpräsident ist, geht er nämlich während dieser Zeit auswärts für einen Tag in Klausur. Am Nachmittag nimmt er seine Notizen vom Vorjahr hervor und vergleicht seine privaten und beruflichen Zielsetzungen mit dem, was er im ablaufenden Jahr erreicht hat. Der nächste Morgen gehört dann dem Ausblick auf das neue Jahr. Daniel Gut hält für sich fest, was er allenfalls beruflich und privat verändern möchte und welche Ziele er anstrebt. Drei- bis viermal im Verlauf des Jahres zieht er Zwischenbilanz. «Das Resultat fällt natürlich unterschiedlich aus», erzählt Daniel Gut. Wenn er gut auf Kurs sei, gebe ihm das eine grosse Zufriedenheit und es baue ihn so richtig auf.

Roland Ledergerber fasst sich ebenfalls zum Jahreswechsel neue Vorsätze, «privat allerdings weniger, denn da habe ich keinen Änderungsbedarf», erklärt der Seveler Gemeindepräsident zufrieden. Im Beruflichen hingegen hat er Bedarf auf Veränderungen festgestellt und sich auch einen entsprechenden Vorsatz gefasst.Ganz offen spricht er darüber, was er sich für seine Amtstätigkeit vornimmt. Roland Ledergerber sagt: «Ich werde klarer und bestimmter kommunizieren.» Denn manchmal sei er nämlich fast zu anständig und zu lieb und lasse sich immer wieder auf neue Diskussionen ein, «obwohl diese doch schon längst nichts mehr bringen, weil die Meinungen gemacht sind und der vorhandene Spielraum ausgeschöpft ist.» Ledergerber denkt dabei etwa an die endlosen Diskussionen über die Schutzverordnung.

Für den Gemeindepräsidenten Rolf Züllig (Wildhaus-Alt St. Johann) ist die Zeit um den Jahreswechsel wichtig, um sich auf Spaziergängen zu erholen oder schöne Stunden im Familienkreis zu geniessen. Er fasst während dieser Zeit keine Vorsätze. Für ihn ist die Lebens- oder Arbeitsoptimierung nicht am Zeitpunkt des Jahreswechsels festgemacht. «Wenn mit eine Veränderung wichtig genug ist, dann fasse ich die entsprechenden Vorsätze situativ und schiebe sie nicht auf die lange Bank.» Die Fülle und die Dringlichkeit der Aufgaben seines Amtes hätten ihn dazu gebracht, sich permanent anzupassen. So formuliert er für sich selber keine Vorsätze für das neue Jahr.

Zeit für Entschleunigung, aber keine Vorsätze

Peter Kindler, Gemeindepräsident von Sennwald, hält es ähnlich wie sein Wildhauser Kollege. Er schätzt die Ruhe dieser Tage, «sie bieten Freiraum, um sich zu entschleunigen.» Dabei fasst er aber keine Vorsätze für das neue Jahr, was er mit seinem typischen Humor kommentiert: «Sennwald ist ohnehin eine Wohlfühloase. Bei uns läuft es wie geschmiert, was soll man da noch ändern?» Doch dann wird Peter Kindler wieder ernsthafter: Alles gehe heute so schnell, da sei es nötig, politisch sofort zu reagieren. Darum fasse er Vorsätze, mit denen man ja zumeist etwas ändern möchte, nicht zum Jahreswechsel, sondern sehr situativ.

«Privat habe ich Vorsätze für das neue Jahr schon längst aufgegeben», sagt der Gamser Gemeindepräsident Fredy Schöb. Im Beruf nehme er sich aber schon das eine oder andere vor, was er im neuen Jahr verbessern möchte. Das Tagesgeschäft werfe dann allerdings solche Vorsätze häufig wieder über den Haufen, so Fredy Schöb. Dann müsse man eben situationsbezogen reagieren und Verbesserungen sofort umsetzen. Über allem stehe dann letztlich der Vorsatz, während des ganzen Jahres stets bestrebt zu sein, sein Bestes für die Gemeinde und die Bürgerschaft zu geben, sagt Schöb. Die Zeit ohne fremdbestimmte Termine nutzt er, um das zu erledigen, was während des Jahres immer wieder hinter dem Tagesgeschäft habe zurückstehen müssen.

Auch der Wartauer Gemeindepräsident Beat Tinner verbringt in diesen Tagen eine geruhsame Zeit. Vorsätze fasst er dabei keine. Er verschafft sich im Laufe des Jahres Freiräume zur Selbstreflexion. «Alle drei bis vier Monate nehme ich mir diese Zeit. Das ist für mich sehr wichtig», sagt Beat Tinner. In sich gehen, über sein Privatleben und über seine berufliche Tätigkeit nachdenken, das kann der Wartauer Gemeindepräsident sehr gut beim Zugfahren. Oder bei einem Flug in die Ferien, und zuweilen auch während den Ferien selbst.

Der Grabser Gemeindepräsident Niklaus Lippuner war zum Zeitpunkt unserer Umfrage nicht erreichbar. Weil er bereits die willkommene Ruhe dieser Zeit ohne fremdbestimmten Termine geniessen durfte, haben wir ihn nicht mit unseren Fragen «belästigt».

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