Selber Einkaufen oder Einkaufen lassen? Es ist die falsche Zeit, den Helden zu spielen

Wem es schlecht geht oder zur Risikogruppe gehört, soll den Einkauf unbedingt von zu Hause aus tätigen.

Robert Kucera
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Keine Bequemlichkeit, sondern eine gesundheitliche Notwendigkeit: Der Einkauf kommt nach Hause.

Keine Bequemlichkeit, sondern eine gesundheitliche Notwendigkeit: Der Einkauf kommt nach Hause.

Bild: PD

Nur noch wenige Meter. Gleich ist es geschafft. Die Eingangstür zur Wohnung ist passiert, die Küche ist nahe, wo die prall gefüllten Einkaufstüten endlich abgestellt werden können. In wenigen Sekunden füllen sich Kühlschrank, Tiefkühltruhe, Vorratsschränke. Uff. Was für eine Schlepperei, was für eine Schinderei. Kann das nicht jemand anders machen?

Besonders bei Grosseinkäufen kommt, Pardon, auch mal ein Fluchwort über die Lippen. Und ist alles ausgepackt, dann setzt man sich erst mal. Froh darüber, dass die Arme keine gefühlten 50 Kilogramm mehr durch die Gegend schleppen. Froh darüber, dass die Küche wieder voller frischer Lebensmittel ist. Diese frohe Kunde ist im Februar 2020 eine Selbstverständlichkeit und keinen freudigen Gedanken wert.

April 2020. Die prall gefüllten Einkaufstüten werden mit Leichtigkeit über die Schwelle der Eingangstür gehievt. Der Gang in die Küche gleicht einem lockeren Einlaufen. Die Arme melden: «Hey, wie wäre es, wenn wir wieder mal ein paar Kilogramm heben dürfen?» Rasch wird ausgepackt, die Esswaren fachgerecht versorgt. Die Freude ist riesig. Endlich wieder eine Küche voller frischer Lebensmittel. Ein erhebendes Gefühl.

275 Helfer registriert und 113 Erstanfragen

Wer in der Coronazeit nicht mehr selber einkaufen gehen kann, ist ganz und gar nicht aufgeschmissen. Die Zivilschutzorganisation (ZSO) Werdenberg ist der zentrale Dienst in der Region für alle, die Hilfe im Alltag benötigen. Beispielsweise zum Einkaufen. Wie Roland Huber, Kommandant ZSO Werdenberg, mitteilt, gingen seit Mitte März 113 Erstanfragen bei ihnen ein. «Die Leute sind sehr froh darüber, dass wir das machen. Es ist eine grosse Solidarität da, die man auch spürt. Schön, sind viele Leute dazu bereit, zu helfen», äussert sich Huber zufrieden.

Mittlerweile haben sich 275 Helfer registriert. Wie Huber mitteilt, dürfe man sich nach wie vor als Helfer melden. Dies geht unter derselben Telefonnummer, die man wählt, wenn man diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen will, respektive dazu gezwungen ist.

Roland Huber empfiehlt jedem, sich an die Weisungen des Bundes zu halten, und betont, dass die angebotene Unterstützung angenommen werden soll. Ist jemand nicht schlüssig, ob er oder sie auf Hilfe angewiesen ist, ist der Fall bereits klar. «Bestehen Zweifel, dann sollte man die Hilfe in Anspruch nehmen.» Für erkrankte Personen oder jene, die einer Risikogruppe angehören, gilt: Es ist die falsche Zeit, den Helden zu spielen.

Noch am selben Tag meldet sich der freiwillige Helfer

Vor allem, wenn es Solidarität und Hilfe in der Region gibt. So einfach geht der Einkauf von zu Hause: Die von der ZSO Werdenberg zugeteilte Helferin meldete sich noch am selben Tag, an welchem man bei der ZSO angerufen hat. Rasch wurden alle Formalitäten am Telefon erledigt, die Einkaufsliste im Anschluss per E-Mail verschickt. Zum vereinbarten Zeitpunkt der Einkauf-Lieferung läutet es an der Tür. Um niemanden zu gefährden, sollte diese erst nach einer Weile geöffnet werden, um dann die Einkaufstüten in die Küche zu tragen. Beim Bezahlen hat jeder Helfer seinen eigenen Wunsch. Um direkten Kontakt zu vermeiden, ist Homebanking ideal. Fakt ist: Wer diesen Dienst in Anspruch nimmt, wird nie zuvor und/oder danach eine Überweisung lieber tätigen.

Meldestelle der ZSO: Telefon 081 772 02 71 (8–17 Uhr, Telefonbeantworter ausserhalb Bürozeiten); E-Mail: meldestelle@zso-werdenberg.ch.