Das Spezialgebiet des Buchser Autogrammexperten Alessandro Pippia sind Elvis-Signaturen

Der Buchser Alessandro Pippia ist aktuell Europas führender Experte für Unterschriften und Autogramme. Sein Wissen brachte ihn schon ins Fernsehen.

Christian Imhof
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Der Autografspezialist Alessandro Pippia besitzt selber einige Autogrammkarten, er handelt aber nicht mit ihnen.
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Der Autografspezialist Alessandro Pippia besitzt selber einige Autogrammkarten, er handelt aber nicht mit ihnen.

Der Autografspezialist Alessandro Pippia besitzt selber einige Autogrammkarten, er handelt aber nicht mit ihnen.

Bilder: Benjamin Manser

Grosse Bekanntheit erlangte der 27-jährige Alessandro Pippia durch die Teilnahme bei der RTL-Sendung «Die Superhändler – 4 Räume, 1 Deal» mit Sükrü Phelivan. Der Buchser trat in der ersten Staffel auf.

Erlernen könne man diesen Beruf nicht, da es ihn eigentlich auch gar nicht gebe, sagt Alessandro Pippia. Am ähnlichsten sei seiner Tätigkeit noch der Beruf des Grafologen. Und obwohl er täglich mit Autogrammen zu tun hat, sieht sich der Buchser so gar nicht als Jäger oder gar als Händler von Unterschriften, weshalb er über das wertvollste von ihm besessene Stück auch lieber schweigt.

Am Anfang war der King

«Alles begann mit Elvis Presley», erklärt der Unterschriftenexperte. Als er nämlich im Alter von 13 Jahren eine Platte vom King of Rock’n’Roll geschenkt erhielt, auf dem dieser sogar noch persönlich unterschrieben hatte, wurde in ihm die Faszination für Unterschriften geweckt. Es geschah damals eher zufällig, als er einen Freund der Familie zu einem Verkaufstermin begleitete. Der war zu jener Zeit im Kunstgeschäft tätig, und es ging um den Kauf eines Picasso-Gemäldes. Dieses nahm er später mit, um es auf seine Echtheit zu prüfen und liess den Jungen mit dem Verkäufer deshalb alleine in einem Restaurant zurück.

Der Leidenschaft bis heute treu geblieben

Bei ihrem Gespräch über Gott und die Welt muss irgendwann der Funke übergesprungen sein, denn der unbekannte Mann schenkte dem jungen Alessandro eben diese eine Platte, welche er heute noch besitzt. Nicht nur die Platte, sondern auch das Autogramm darauf sei ein Unikat, denn selten habe sich die Musiklegende so viel Mühe für eine Unterschrift gegeben wie in diesem Fall. Er habe fast ein wenig das Gefühl, Elvis habe davor geübt, erklärt Pippia schmunzelnd. Bis heute, fast 15 Jahre später, ist er seiner Leidenschaft treu geblieben und sagt:

«Elvis-Signaturen sind mein Spezialgebiet. Ich beschäftige mich seit damals rund um die Uhr mit seinen Unterschriften. Ich kann anhand seiner Unterschrift sagen, aus welchem Jahr sie stammt und wie sein Gemütszustand ungefähr war.»

Dieses Fachauge brachte ihn in seiner jungen Karriere sogar schon ins deutsche Fernsehen. Als er nämlich in der RTL-Sendung «Die Superhändler – 4 Räume, 1 Deal» mit Sükrü Phelivan auftrat und dort eine Postkarte mit einer originalen Unterschrift des US-Präsidenten John F. Kennedy verkauft hatte, häuften sich bei ihm die Medienanfragen aus dem In- und Ausland. Seine Geschichte scheint für viele Medienschaffende aus diversen Blickwinkeln interessant zu sein: Einerseits gibt es keinen Zweiten wie Alessandro Pippia und andererseits haftet den begehrten Unterschriften von prominenten Persönlichkeiten auch immer etwas Magisches und Verzaubertes an.

Die Unterschrift verrät vieles

Durch sein fundiertes Fachwissen gelingt es Alessandro Pippia immer wieder, bei den Menschen pure Gänsehaut auszulösen. Dies vor allem auch im persönlichen Kontakt mit den Kunden.

«Nebst meinem Schwerpunkt als Fälschungserkenner, werden seit August 2019 jetzt auch persönliche Treffen angeboten, bei denen ich die Möglichkeit verschaffe, die Unterschriften grafologisch, auf einer ganz anderen Ebene, auszuwerten. Eine Unterschrift erzählt viel, was ihre Seele spricht, und was sich tief im Unterbewusstsein verbirgt und vieles mehr. In der Handschrift verstecken sich viele Gefühle und typische Charakterzüge. Dazu könnte ich einige interessante Sachen erzählen.»

Der Spiegel der Seele

Man kennt es sicher: Wenn man für eine neue Identitätskarte oder etwas Ähnliches auf der Gemeinde drei- bis viermal unterschreiben muss und jedes Autogramm ist irgendwie komplett anders. In diesem Wirrwarr schafft es Alessandro Pippia trotzdem, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es sei ihm bis jetzt immer gelungen, die Echtheit einer Unterschrift zu bestätigen oder zu verwerfen.

«Ob man im Stress ist oder sich schlecht fühlt – jeder Mensch hinterlässt automatisch seine Merkmale in seiner Unterschrift. Und ein Merkmal oder ein Charakter kann nicht gefälscht werden. Auch wenn man unter Zeitdruck steht, sich schlecht fühlt oder ähnliches, die Charakterzüge werden immer sichtbar.»

Geirrt habe er sich noch nie, sagt Pippia. «Mein Motto lautet, es gibt nur ein Original oder eine Fälschung. Auch wenn es mal bei einer Überprüfung ein bisschen länger gedauert hat als gewöhnlich, ich bin immer auf einen Entschluss gekommen.»

Kein Geschäft mit den Autogrammen

Auch wenn Pippia selbst auf dem Markt mit den Unterschriften nicht mitmischt, hatte er doch bereits ziemlich teure Originale vor sich. Zum Beispiel Schriftstücke von Napoleon, James Dean, Marylin Monroe, The Beatles, Neil Armstrong, Picasso, Albert Einstein oder auch von Adolf Hitler. Sie alle haben einen enormen Wert, bei dem regelmässig sein Kennerblick und sein Know-how gefragt ist. So hätte er den Kunstfälscher Walter Beltracchi, welcher vor wenigen Jahren gross in den Schlagzeilen stand, wahrscheinlich recht schnell entlarvt, wenn er denn angefragt worden wäre, sagt Alessandro Pippia selbstbewusst.

Der Unterschriftenexperte fügt an: «Ich habe schon bessere Fälschungen als die von Walter Beltracchi gesehen und auch diese entlarvt. Ich wurde mal von einem professionellen Unterschriftenfälscher auf die Probe gestellt. Da ging es um ein Terence-Hill-Autogramm. Ich konnte in nur 20 Sekunden per Ferndiagnose die 100-prozentige Fälschung feststellen.»