Schwimmen
Schweizer Meisterin Saskia de Klerk tritt zurück

Das Sprintwunder vom SC Flös Buchs, amtierende Schweizer Meisterin über 50 Meter Freistil auf der Langbahn, sitzt coronabedingt seit Monaten auf dem Trockenen. Nun ist bei Saskia de Klerk der Entschluss erfolgt, die Laufbahn als Spitzenschwimmerin zu beenden.

Michelle Weder
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Beim SC Flös Buchs wird man sie sehr vermissen: Saskia de Klerk hat ihren Rücktritt erklärt.

Beim SC Flös Buchs wird man sie sehr vermissen: Saskia de Klerk hat ihren Rücktritt erklärt.

Bild: PD

Wie viele andere Sportler auch, kann Saskia de Klerk seit fast einem Jahr nicht mehr richtig trainieren. Sie gehört zwar über die 50 und 100 Meter Freistil sowie über 50 Meter Brust und 100 Meter Lagen zu den Schnellsten in der Schweiz, aber eine Erlaubnis, trainieren zu dürfen, kriegt sie dennoch keine. «Ich muss realistisch bleiben. Wenn die Pandemie vorbei ist, brauche ich ein Jahr, um wieder in Top-Form zu sein», erklärt die 30-Jährige etwas konsterniert.

In ihrem Alter gehört sie zur älteren Garde an der Schweizer Spitze. Und das ist auch der Grund, warum sie den Entschluss zum Rücktritt gefasst hat: «Es wird mit zunehmendem Alter schwieriger, mit den jüngeren Athletinnen mitzuhalten. Und wenn man nicht einmal mehr trainieren kann, dann wird es kritisch.»

Jahrelanges hartes Training, ein disziplinierter Lebensstil und viele Entbehrungen prägen den Weg an die nationale Spitze im Schwimmsport. Saskia de Klerk hat mehrfach bewiesen, dass sie eine Kämpferin ist, die nicht so schnell aufgibt. Das ist auch nötig, denn der monotone Alltag im Hallenbad, die unzähligen Längen, die man immer und immer wieder abspulen muss, verlangen dies.

Coronabeschleunigte Entscheid

Sie hatte sich vorgestellt, noch ein, zwei Jahre alles zu geben und ihren Titel zu verteidigen. Aber Corona hatte auch ein Wörtchen mitzureden und hat die Debatte letzten Endes gewonnen.

«Es ist hart, immer wieder runtergefahren zu werden und sich dann wieder auf ein gewisses Niveau hoch zu kämpfen. Und mit zunehmendem Alter wird das auch immer schwieriger. Mein Körper steckt das nicht mehr so einfach weg. Und mein Kopf schon gar nicht.»

Sie hatte sich den Rücktritt anders vorgestellt. Die Entscheidung zu fällen, ohne einen sportlichen Höhepunkt oder einen Zielwettkampf, sei bedrückend: «Es fühlt sich unfertig an», merkt sie an.

Dennoch möchte die Wasserratte dem Schwimmsport verbunden bleiben: «Wenn es wieder möglich ist, werde ich sicher drei- bis viermal pro Woche schwimmen und später vielleicht einmal an Masters Wettkämpfen teilnehmen.» Dann möchte sie aber eher längere Distanzen in Angriff nehmen, denn von den Sprints hat sie vorläufig genug.

So wird Saskia de Klerk in Erinnerung bleiben: Als regelmässige Pokalgewinnerin an Schwimmwettkämpfen und Medaillenhamsterin.

So wird Saskia de Klerk in Erinnerung bleiben: Als regelmässige Pokalgewinnerin an Schwimmwettkämpfen und Medaillenhamsterin.

Bild: PD

Schritt für Schritt zum Schweizer-Meister-Titel

  • 2016: Saskia de Klerk knackt über 100 Meter Freistil erstmals die Marke von 1 Minute und stellt mit 59,84 eine neue Bestzeit auf
  • 2016: An ihrer ersten Kurzbahn-Schweizer-Meisterschaften in Savosa platziert sie sich über 50 Meter Freistil in 26,78 auf Rang 4
  • 2018: An der Kurzbahn-Schweizer-Meisterschaften in Uster sichert sich de Klerk die erste Medaille: Rang 3 über 50 Meter Freistil in einer Zeit von 25,98.
  • 2019: An den Langbahn-Schweizer-Meisterschaften in Lancy stellt sie eine neue persönliche Bestzeit im 50-Meter-Becken auf und wird mit in einer Zeit von 26,64 Schweizer Meisterin über 50 Meter Freistil
  • 2019: Saskia de Klerk wird für ihre herausragenden Leistungen doppelt geehrt: Im Rahmen der Sportgala der Interessengemeinschaft St. Galler Sportverbände und sie erhielt den Sportpreis der Stadt Buchs

Beim Schwimmclub Flös wird man die Vorzeigeathletin vermissen. Als Teamcaptain hat sie über viele Jahre die Elite Mannschaft geprägt. Ihr Engagement auch neben dem Becken war vorbildlich. Sie organisierte regelmässig Teamanlässe ausserhalb des Beckens, stand als Richterin im Einsatz und gab zeitweise als Trainerin ihr Wissen an den Nachwuchs weiter.

Headcoach Karoly von Törös, der Saskia die letzten zwei Jahre begleitet hat, kann ihren Entscheid nachvollziehen. Dennoch wird er sie vermissen - als Schwimmerin und als Mensch:

«Es war mir eine Ehre, sie zu trainieren. Sie ist sehr bescheiden und mannschaftsorientiert. Ich habe viel Respekt für sie, denn sie hat jeweils nach der Arbeit trainieren müssen, was nicht einfach ist. Sie war ein sehr guter Teamcaptain, ein Vorbild für die jüngeren Schwimmer. Saskia hat sie immer motiviert; sie war wie eine zweite Trainerin für mich.»