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«Schwimmen mag ich nicht so»

Die Badesaison ist vorbei. Die Arbeit auf der Anlage nicht. Bademeister Thomas Kroll macht das Freibad Rheinau in Buchs fit für den Winterschlaf. Für den W&O lässt er den Traumsommer nochmals Revue passieren.
Alexandra Gächter
Thomas Kroll steht viele Stunden an der prallen Sonne und achtet auf die Sicherheit der Gäste. (Bild: Beat Belser

Thomas Kroll steht viele Stunden an der prallen Sonne und achtet auf die Sicherheit der Gäste. (Bild: Beat Belser

Bademeister zu sein ist ein Schoggijob. Beim schönen Wetter draussen stehen, mit den Gästen plaudern und den Kindern beim Planschen zusehen. Wer das glaubt, irrt gewaltig. Hinter dem Beruf steht viel mehr. Früh morgens, wenn noch keine Gäste im Bad sind, ist der Buchser Bademeister Thomas Kroll bereits auf den Beinen. Er saugt das Becken, misst und kon­trolliert das Wasser, entsorgt Abfall, nimmt Laub zusammen und schaufelt Sand zurück in den Sandkasten oder ins Volleyballfeld. «Wir legen sehr viel Wert auf Sauberkeit», sagt Kroll. Er und die zwei anderen Buchser Bademeister überprüfen jede Stunde die Toiletten. Der Weg dorthin wird gleichzeitig als Kontrollgang durch die Wiese und zu den Schwimmbecken genutzt.

Bis zu 90 Dezibel laut

Hauptsächlich aber steht Thomas Kroll am Beckenrand und ist verantwortlich, dass nichts passiert. Tönt einfach, ist aber in Wirklichkeit der strengste Teil der Arbeit. Mehrere Stunden am Tag steht er an der prallen Sonne. «Die Hitze macht müde. Und der Lärm erst. Es kann bis zu 90 Dezibel laut werden. Ausserdem wuselt es von Kindern. Ich muss ständig hoch konzentriert sein. Das ist sehr anstrengend.» Thomas Kroll trinkt an heissen Tagen bis zu vier Liter Mineralwasser pro Tag. Trinkt er weniger, erhält er Kopfschmerzen. Nach Badeschluss ist für Thomas Kroll noch nicht Feierabend. Die ­Anlage muss gereinigt werden. Bis zu zehn Stunden verbringt er im Sommer im Freibad.

"Danach bin ich nudelfertig, esse etwas und gehe direkt ins Bett."

Diesen Sommer war es besonders streng. Die lang anhaltende Hitze hat viele Besucher ins Schwimmbad gelockt. In den vergangenen zehn Jahren zählte das Freibad Rheinau in Buchs durchschnittlich rund 31000 Besucher. Dieses Jahr waren es über 43 000. «2018 ist ein Spitzenjahr, ganz klar.» Thomas Kroll fiel auf, dass heuer mehr auswärtige Besucher kamen. «Gut möglich, dass unser 1. Platz beim Voting der schönsten Ostschweizer Badi dazu beigetragen hat.»

Wegen des warmen Wassers blieben die Besucher länger im Becken. Die Stadt Buchs hat deswegen an den Hitzetagen drei Bademeister eingesetzt. «Auffallend ist, dass es gegenüber früher enorm mehr Familien in der Badi hat», freut sich Kroll. Er vermutet, dass dies am Kinderplanschbecken und an der Rutschbahn liegt, welche vor drei Jahren neu gebaut wurden. «Mittlerweile hat es sich herumgesprochen. Die Wiese ist voll von Familien mit Kleinkindern.» Mehr Arbeit gibt dies aber nicht. «Ich muss den Familien ein Kränzchen winden. Sie passen auf ihre Kinder auf, verhalten sich angemessen und räumen ihren Abfall weg.

Thomas Kroll hat seinen Traumjob gefunden. Seit elf Jahren ist er Bademeister des Freibades Buchs. (Bild: Beat Belser)

Thomas Kroll hat seinen Traumjob gefunden. Seit elf Jahren ist er Bademeister des Freibades Buchs. (Bild: Beat Belser)

Nicht so vorbildlich verhalten sich dagegen die Jugendlichen. «Denen muss ich regelmässig erklären, dass der Abfall in den dafür vorgesehenen Kübel gehört.» Noch mehr als dies muss Thomas Kroll auf die Baderegeln hinweisen. Also nicht von der Seite ins Schwimmerbecken springen oder sich nicht in grossen Gruppen auf den Springturm begeben. «Balgen die da oben herum, besteht die Gefahr, dass jemand mal neben dem Becken herunterfällt.» Um die 20-mal am Tag muss Thomas Kroll Jugendliche auf diese Regeln hinweisen. Dank seiner ständigen Präsenz haben sich nur zwei Vorfälle ereignet, welche gut ausgegangen sind. Kleinere Verletzungen gibt es jedoch fast täglich. «An gewissen Tagen verteile ich andauernd Pflästerli oder behandle Wespenstiche.»

«Praktisch in der Badi gewohnt»

Die Begeisterung für das Freibad hat Thomas Kroll bereits früh erlangt. Sein Vater war im Schwimmclub Wattwil, und so sassen er und seine Familie immer in der Badi. «Im ­Sommer haben wir praktisch in der Badi gewohnt», so Kroll. Die Mädchen anspritzen und später Hand in Hand durch die Badi spazieren? Kennt er alles selber aus seiner eigenen Jugend. «Diesbezüglich hat sich nichts geändert. Die Jugendlichen verhalten sich heute noch genauso wie früher.»

Gleichwohl Thomas Kroll die Gäste nicht gern zurechtweist, liebt er den Kontakt mit Menschen. Aber selbst bei einem Schwatz mit den Besuchern wirft er stets ein Auge auf das Becken. Eine Angewohnheit, die Thomas Kroll nicht abschalten kann. Auch in den Ferien nicht. Hat er mal frei, reist er – wie könnte es anders sein – an den Strand. «Wasser ist mein Element», sagt Thomas Kroll. Kaum am Strand, sieht er das Kleinkind mit Flügeli und den Badegast auf der Luftmatratze und kann beide nicht mehr aus den Augen lassen. Um abschalten zu können, geht Thomas Kroll tauchen. «Unter Wasser bin ich allein, das ist entspannend.» Auch Schifffahren mag der Buchser Bademeister.

«Hauptsache, ich bin am, im oder auf dem Meer.»

Während der Freibadsaison hat Thomas Kroll wenig Zeit für Hobbys. Im Winter schon. Dann verbringt er mehr Zeit bei der Feuerwehr und arbeitet tagsüber mit Flüchtlingen beim Buchser Sozialamt. Der Wechsel von der Sommer- zur Winter­beschäftigung erfolgt demnächst, vor vier Tagen war nämlich Saisonschluss des Freibades Rheinau.

Den krönenden Abschluss der erfolgreichen Badesaison hatte Thomas Kroll mit dem Ultratriathlon. Zusammen mit den Mitarbeitern der Stadt Buchs ist er bei der Stafette mitgerannt. Ein Bademeister, der rennt, anstatt schwimmt? «Schwimmen mag ich nicht so. Vor allem Langstrecken liegen mir nicht. Aber auf 50 Meter bin ich brutal schnell, wenn es darauf ankommt», sagt Kroll.

Im Freibad Buchs gibt es das ganze Jahr durch Arbeit für Thomas Kroll. (Bild: Beat Belser)

Im Freibad Buchs gibt es das ganze Jahr durch Arbeit für Thomas Kroll. (Bild: Beat Belser)

Bademeister ist nicht nur ein Job für den Sommer. Jetzt nach Saison-ende arbeitet Thomas Kroll drei Wochen lang jeden Tag auf der Anlage. Das Freibad wird für den Winterschlaf fit gemacht. Alles muss gereinigt und versorgt, die Hecken zurückgeschnitten und Bestellungen für das nächste Jahr getätigt werden. Im Winter begibt sich Thomas Kroll jede Woche einmal ins Freibad Buchs. «Ich entferne das Laub in der Umkleidekabine, kontrolliere die Becken und den Wasserstand. Um das Schwimmbecken zu schützen, ist dieses über den Winter mit Wasser gefüllt. Ebenfalls kontrolliere ich, ob der Föhnsturm oder Vandalen gewütet haben – was glücklicherweise selten vorkommt», so Kroll. Arbeiter vom Werkhof mähen regelmässig den Rasen.

Viel Herzblut

In der ersten Aprilwoche wird das Schwimmbad aus dem Winterschlaf geholt. Die Vorbereitungsphase dauert sechs Wochen. «Es gibt unheimlich viel zu tun. Aber es ist trotzdem meine Lieblingsarbeit, denn sie ist mit grosser Vorfreude verbunden», sagt Kroll. Es gibt jeweils viel zu putzen, da alles voll Russ ist. Das Becken wird geleert, gereinigt und wieder mit Wasser gefüllt, der Rasen muss gemäht, das Unkraut gejätet und die Holzschnitzel verteilt werden. Beim Sandkasten wird der Sand aus hygienischen Gründen komplett ausge­wechselt. Sogar auf dem Dach der Garderobe und Toilette sieht man den Bademeister im Frühling arbeiten. «Auch dort hat es Unkraut, das ich her­ausreissen muss.»
Thomas Kroll arbeitet mehr als eigentlich nötig für das Freibad Buchs. «Ich habe mein Herz an die Badi verloren. Bei allem steckt sehr viel Herzblut drin.» Bademeister zu sein ist also kein Schoggijob. Aber ein Traumjob. «Mein absoluter Traumjob, für den ich im Sommer alles unterordne», sagt Thomas Kroll.

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