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Schwabengängerei von Gamser Kindern im 19. Jahrhundert aufgearbeitet

Passend zum Generationenwechsel des Werdenberger Jahrbuchs steht in der 31. Ausgabe das Thema «Kindheit» im Fokus. Der Panorama-Teil offenbart, warum man das 150-Jahr-Jubiläum der Buchser Bahnhofstrasse schon vor ein paar Jahren hätte feiern dürfen.
Sarah Mehrmann
Tag der Heimkehr der Schwabengänger: Neu eingekleidet warten die Kinder am abgemachten Treffpunkt in Friedrichshafen (das Bild entstand wohl um 1900).
Innenansicht der Michaelskirche in Gams mit Ausstattungsbestand und Farbfassung von Chor und Schiff von zirka 1868/70 – der Zustand vor der Kirchenrenovierung 1923. (Bild: Bilder: Werdenberger Jahrbuch 2018)
Neugeschaffene Landschaft am renaturierten Abschnitt des Werdenberger Binnenkanals.
3 Bilder

Schwabengängerei von Gamser Kindern

Das Werdenberger Jahrbuch 2018 erscheint in neuem Layout und mit angepasstem Konzept. Gleich bleibt jedoch die Dreiteilung in einen Thementeil, einen offenen Teil und einen Jahresrückblick. Die drei Teile heissen neu «Fokus», «Panorama» und «Chronik». Der Fokus liegt dieses Jahr auf dem Thema «Kindheit».

Zehn Beiträge befassen sich auf unterschiedliche Weise mit den Fragen, wie Kindheit im Werdenberg war, sein konnte oder ist. Von der Geburt über die Schulzeit bis hin zur Jugend wird das ganze Spektrum abgedeckt. Sowohl für den historisch interessierten Leser als auch für den Liebhaber persönlicher Erzählungen sind spannende Beiträge dabei.

Auf Höfen in Süddeutschland Arbeit gesucht

Eine mit speziellem Blick auf das Werdenberg bisher eher am Rande behandelte Erscheinung ist die über Jahrhunderte hinweg praktizierte Schwabengängerei. Im diesjährigen Werdenberger Jahrbuch arbeitet nun Noldi Kessler erstmals detailliert die Gamser Schwabengängerei im 19. Jahrhundert auf. Jeweils von Frühjahr bis zum Herbst waren viele Kinder aus den alpenländischen Gebieten gezwungen, auf Höfen in Süddeutschland Arbeit zu suchen. So machten sie sich zwischen Februar und März auf den Weg über die Grenze an sogenannte «Hütekindermärkte», wo sie dann auf Arbeitgeber hofften.

Die Wege der Schwabengänger aus dem Tirol, dem Vorarlberg und Graubünden sind am besten dokumentiert und aufgearbeitet. Die bevorzugten Routen der arbeitsuchenden Gamser Kinder sind jedoch nirgends festgehalten. Es ist aber davon auszugehen, dass sie nicht in so langen Kolonnen reisten wie ihre Bündner und Österreicher Gefährten, sondern gemeinsam mit den immer zahlreicher werdenden, erwachsenen Arbeitssuchenden aus der eigenen Gemeinde unterwegs waren. In Bregenz führten die Wege der Reisenden zusammen, egal aus welchen südlichen Alpengebieten sie kamen. Von dort ging der Fussmarsch weiter bis Ravensburg, wo es für die bereits etablierten Kinder direkt auf die grossen Bauernhöfe ging und für alle anderen auf den Hütekindermarkt, um sich zu verdingen.

Obwohl es im 19. Jahrhundert üblich war, dass die Kinder auch zu Hause arbeiteten, war die Schwabengängerei in den betroffenen Gebieten nicht gern gesehen und wurde schon immer kontrovers behandelt. Dies wird im Beitrag anhand von Zitaten aus Zeitungsartikeln belegt. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass es manchen Kindern in der Fremde besser gegangen ist als daheim. So schätzten sie die gute, reichliche Verpflegung und freuten sich über die schönen neuen Kleider, die sie nach Hause nehmen durften. Dennoch sind die Schwabengänger ein trauriger Teil der Werdenberger Geschichte.

Ausführliche Antworten auf Fragen wie, welche Arbeiten die Kinder verrichten mussten, ob es wirklich nur katholische Schwabengänger gab und welche Aspekte zum Ende der saisonalen Verdingung führten, finden sich ebenfalls in Noldi Kesslers Beitrag. Eine hervorragende Ergänzung zur Dokumentation über die Gamser Schwabengänger findet sich im rechtshistorischen Aufsatz, in dem die Juristin Nicole Gönitzer die Entwicklung des Kindesrechts im 20. Jahrhundert nachzeichnet.

Erinnerungen an die Kindheit aus unterschiedlichen Perspektiven

Aus der Perspektive des Erwachsenen bleibt einem nur die Erinnerung an die eigene Kindheit. Diesen Aspekt behandeln mehrere Beiträge aus je unterschiedlichen Perspektiven. So hat eine Schulklasse ihre Eltern und Grosseltern gebeten, sich zu erinnern, womit sie zu Kindertagen am liebsten gespielt haben. Die von den Schülerinnen und Schülern dazu verfassten Texte sowie Fotos, in denen sie die Lieblingsspielsachen präsentieren, dokumentieren auf anschauliche Weise Kontinuitäten und Wandel der Spielgewohnheiten verschiedener Zeiten und Kulturen.

Auf die Suche nach den eigenen Kindheitserinnerungen haben sich Doris Büchel, Elsbeth Maag, René Mehrmann, Alice Gabathuler und Anja Nora Schulthess gemacht. Ihre manchmal sehr persönlichen, teils literarischen Beiträge sagen nicht nur etwas über ähnliche Kindheitserfahrungen in der gleichen Generation aus, sondern auch über den psychologischen Aspekt beim Erinnern an die eigene Kindheit.

Die oben vorgestellten Texte sind nur eine Auswahl aus den zehn Beiträgen zum Thema, weitere behandeln beispielsweise die Entstehung der Schule in der Gemeinde Wartau, gehen der Geschichte der Freizeitvereine im Werdenberg auf den Grund und vieles mehr. Ziel war es, auf den etwas über 100 Seiten des Fokus-Teils im neuen Jahrbuch ein besonders vielschichtiges Bild zu Kindheit im Werdenberg zu geben.

Das 150-Jahr-Jubiläum der Michaelskirche in Gams

Von den zahlreichen aktuellen Beiträgen, Analysen und Dokumentationen aus der Region, die im Panorama-Teil des Werdenberger Jahrbuchs enthalten sind, drehen sich mehrere um zwei diesjährige Jubiläen. So finden sich vier Beiträge zum 150-jährigen Bestehen der Michaelskirche in Gams. Sie beleuchten die spätmittelalterliche Seelsorge der Kirchgemeinden Gams und Wildhaus, den Gamser Kirchenschatz, das grosse Engagement des Pfarrers Gion Durgiai für den Kirchenneubau sowie die Bau- und Ausstattungsgeschichte der neuerrichteten Michaelskirche.

Nächstes Jubiläumsfest schon in 47 Jahren?

Ein Jubiläum, das wohl allerdings doch keines ist, behandelt Hanna Rauber in ihrer Untersuchung zu den Ursprüngen der Buchser Bahnhofstrasse. Dabei geht sie dem Mythos nach, wonach die Buchser Bahnhofstrasse vor 150 Jahren in einer Nacht-und-Nebel-Aktion durch mit Sägen und Äxten ausgerüstete Männer entstanden sein soll. Bei dieser Aktion, die alle Autoren, die sich bisher damit befassten, aufs Jahr 1868 datierten, soll der Feldweg vom Dorf zur Station schnurgerade gemacht worden sein. Hanna Rauber entdeckte durch erneute Erforschung der Quellen, dass die Dufourkarte von 1866 belegt, dass der ehemalige Feldweg vom Restaurant Ochsen im Dorf bis zur Bahnstation und weiter zur Rheinfähre im Jahr 1866 bereits geradegezogen war und damit die Bahnhofstrasse in jedem Fall mindestens drei Jahre älter ist als bisher angenommen. Weitere Details zum genauen Entstehungsjahr finden sich im Jahrbuch.

Doch auch weitere aktuelle Geschehnisse sollen einen Platz im Panorama-Teil haben. Dieses Jahr deckt die Dokumentation zur Renaturierung des Werdenberger Binnenkanals diese Aktualität ab.

Natürlich fanden auch die beliebten und bewährten Inhalte des Jahrbuchs, wie der Jahresrückblick der Werdenberger Gemeinden, die Buchbesprechungen oder die Rubrik «Unsere Verstorbenen» ihren Platz im neugestalteten Werdenberger Jahrbuch.

Hinweis

Bildnachweise: Alle Bilder auf dieser Seite sind aus dem Werdenberger Jahrbuch 2018. Detaillierte Bildnachweise finden sich im Buch.

Werdenberger Jahrbuch 2018. Kindheit. Historisch-Heimatkundliche Vereinigung der Region Werdenberg (Hg.), Verlag Format Ost, Schwellbrunn 2018.

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