Übernahme
Schon Charlie Chaplin war Kunde: Die Schweizer Schuh-Traditionsmarke Kandahar wird künftig in Sennwald produziert

Die seit 1932 existierende Schuhmarke Kandahar bekommt mit der Thurgauer Unternehmerfamilie Karl Müller (Kybun & Joya) eine neue Besitzerin. Als Folge der Übernahme wird die Produktion von Gwatt im Berner Oberland schrittweise nach Sennwald verlegt.

Armando Bianco
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Karl Müller III und Karl Müller IV haben die Markenrechte des traditionellen Schweizer Qualitätslabels Kandahar von Manuel von Allmen übernommen: Künftig werden die Schuhe in Sennwald unter der Leitung von Markus Bartholet produziert (von links).

Karl Müller III und Karl Müller IV haben die Markenrechte des traditionellen Schweizer Qualitätslabels Kandahar von Manuel von Allmen übernommen: Künftig werden die Schuhe in Sennwald unter der Leitung von Markus Bartholet produziert (von links).

Bild: PD

Produziert werden die Kandahar-Schuhe künftig in der bestehenden Kybun-Manufaktur in Sennwald. «Die hochwertigen Schuhe erfordern viel Handarbeit. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, automatisieren wir möglichst viele Prozesse. Nur so können wir nachhaltig in der Schweiz produzieren», sagte Karl Müller III gestern vor den Medien. Sein Sohn Karl Müller IV will mit Kandahar im Herbst 2022 gar eine neue Ära einläuten:

«Wir wollen die Qualität der Marke und das Lebensgefühl der ‹heilen Welt› auch vermehrt an ein jüngeres Segment vermitteln.»

Von allen Seiten wurde mehrmals betont, dass man glücklich sei, eine Schweizer Traditionsmarke im Land behalten zu können, anstatt sie nach «Fernost» zu verlieren. Karl Müller III lobt denn auch das unternehmerische Denken von Firmen wie Swatch und Victorinox, welche auf die Qualität der Produktion in der Schweiz setzen. Mittel- und langfristig sollen in Sennwald zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Der Name «Kandahar» steht seit fast 90 Jahren für exklusive Qualität, Handarbeit und Swissness. Ein Schuh dieser Marke besteht aus rund 50 Einzelteilen. Das Zusammennähen dauert lange, kein Arbeitsschritt kommt ohne Handarbeit aus. Für die Fertigung braucht es teils bis zu 200 Arbeitsschritte.

15'000 Paare in Spitzenzeiten

Zu Spitzenzeiten produzierte das Familienunternehmen in ihrer Schuh-Manufaktur mit 30 Mitarbeitenden rund 15'000 Paar Schuhe pro Jahr. Die Verkaufszahlen sind in den letzten Jahren unter anderem «wegen der immer wärmer werdenden Winter und der Coronasituation eingebrochen», so Firmeninhaber Manuel von Allmen. Der neuen Besitzerfamilie wird er vorderhand beratend zur Seite stehen. Er und Karl Müller IV können sich mit Blick nach vorne sogar vorstellen, dass dereinst ein kombinierter Schuh aus Kandahar-Aufbau und Kybun-Sohle auf den Markt kommt.

Schweizer Qualität hat ihren Preis

Kandahar-Schuhe haben in der Schweiz eine solide Stammkundschaft im oberen Preissegment. «Swiss made» sieht man als Qualitätsmerkmal, für das man gerne auch mal etwas tiefer in die Tasche greift. Vor allem die Langlebigkeit und die Wetterbeständigkeit zählen für Träger zu den wichtigsten Kaufargumenten. Karl Müller IV sagt:

«Wir glauben an einen nachhaltigen Erfolg der Marke Kandahar. Jetzt gilt es die Marke kontinuierlich weiter aufzubauen und wieder zu etablieren.»

Wirtschaftlich steht Kandahar als Familienbetrieb in dritter Generation im Gegenwind. Manuel von Allmen sieht in Roggwil bzw. Sennwald gute Chancen für eine verlässliche Zukunft. «Die Unternehmerfamilie Müller bietet aus meiner Sicht die besten Chancen, dass Kandahar nachhaltig bestehen bleibt. Ich spüre ein grosses Gefühl von Sicherheit. Hinzu kommt, dass die Sympathien stimmen.»

Zu den prominentesten Kunden gehörte unter anderem der weltberühmte Komiker und Schauspieler Charlie Chaplin, strichen die neuen Ostschweizer Besitzer der Berner Schuhmarke vor den Medien hervor.

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