Der Seveler Schmied Melchior Huber hat nur ein einziges Berufsgeheimnis

Melchior Huber aus Sevelen widmet sich mit Herz und Seele dem Schmiedehandwerk.

Heidy Beyeler
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Melchior Huber wollte bereits als kleiner Junge Schmied werden.

Melchior Huber wollte bereits als kleiner Junge Schmied werden.

Ralph Ribi

Die erste Begegnung mit Melchior Huber, seines Zeichens Schmied, fand im Gamser Wald statt, als er als Bieneninspektor mit Hilfe des Forsts und seinem Vater Lorenz Huber ein Bienenvolk aus einer Rottanne rettete (der W&O berichtete darüber). Neben seinem Beruf als Schmied und Schlosser sowie seiner Schmiedewerkstatt in Sevelen, engagiert er sich auch als Bieneninspektor in der Region Werdenberg.

Zu Hause in Sevelen hat Melchior Huber eine eigene kleine aber feine Schmiede.

Zu Hause in Sevelen hat Melchior Huber eine eigene kleine aber feine Schmiede.

Ralph Ribi

Die zweite Begegnung fand im Herbst 2019 beim Trübeli-Fest in Frümsen statt. Melchior Huber präsentierte das Schmiedehandwerk und überzeugte die Gäste mit seiner neusten Kreation, dem Nussöffner. Im Nussdorf Frümsen fand er viele Interessenten dafür. Mit einem einfachen, geschmiedeten Nussöffner aus Stahl lässt sich jede Baumnuss – egal welcher Grösse, ob klein oder gross – knacken.

Schmieden ist sein Leben

Ein Besuch in der Schmiede zeigte weitere – unerwartete – Engagements für die Existenz der Menschen, Tiere und der Natur (Pflanzen) auf. Im Sommer betreut Melchior Huber rund 40 Bienenvölker. Das heisst: Huber ist Imker, Bienen-Inspektor, gelernter Schlosser und Schmied. Ein ruhiger Mensch und urchiger Handwerker. Eigentlich wollte er Schmied werden. Aber damals gab es diese Berufsausbildung schon nicht mehr. Der Beruf ist somit ausgestorben. Es gibt eigentlich keine Alternative dazu. Heute heisst der Ausbildungsberuf Metallbauer. Seine Lehre absolvierte er als Metallbauer. Dort durfte er während seiner Ausbildung, neben den Schlosserarbeiten auch häufig schmieden. «Das hat mir sehr gut gefallen, weil ich in der Praxis beide Berufssparten (Schlosser und Schmied) lernen konnte.» Das war wichtig. 

«Ich war froh, dass ich einen Lehrmeister gefunden hatte, bei dem ich beides lernen durfte.»

Komfortable Ausgangslage

Schon als Stöpsel im Alter von sechs, sieben Jahre besuchte Melchior Huber mit seinem Vater die Hammerschmiede von Christoph Friedrich, Sennwald. Vater Lorenz absolvierte in der Sennwaldner Hammerschmiede einen Schmiedekurs. «Ich war fasziniert von diesem Handwerk. Und so hat es mir halt den Ärmel reingezogen. Ich wusste schon damals, welchen Beruf ich lernen wollte.» Damals gab es den Schmiedberuf noch.
Nach der Lehre als Metallbauer wechselte Huber die Arbeitsstelle. Er fand in Liechtenstein einen Job in der Schlosserei-Schmiede Vaduz, wo er als Schlosser-Schmied arbeitete. «Wir durften für das Schloss Vaduz schöne Schlösser restaurieren und andere Schmiedearbeiten verrichten. Das war toll. Dabei habe ich viel gelernt. Wir waren für das Schloss Vaduz zuständig und durften wirklich schöne Sachen fürs Schloss machen». 17 Jahre lang hat Melchior Huber dort gearbeitet. In den letzten fünf Jahre wurde allerdings fast nichts mehr geschmiedet.«Die letzten schönen Sachen durfte ich dort für das Schloss Vaduz machen», erinnert sich Melchior Huber.

«Und so habe ich mich danach entschieden, etwas Eigenes aufzubauen. Es war immer mein Traum eine eigene Schmiede zu betreiben.»

Melchior Huber richtete sich im Keller seines Hauses im Välsli Sevelen eine kleine, aber feine Schmiede ein. Während dreier Tage arbeitet er als Schlosser in einem Liechtensteiner Betrieb. Dort wird nicht mehr geschmiedet, «schmieden kann ich ja jetzt zu Hause in meiner eigenen Schmiede», sagt Melchior Huber zufrieden. Die Arbeitsstelle als Schlosser gibt ihm und seiner Familie eine gewisse Sicherheit. Er hat vier Kinder im Alter zwischen drei und 17 Jahren, «aber immer mit der gleichen Frau Desireé», betonte Huber lachend. Am liebsten würde er nur noch in seiner schnuckeligen Schmiede arbeiten, die jetzt auch schon seit vier Jahren besteht. Aber eben …

Mit dem Handwerk zu Märkten

Er mag Arbeiten, bei denen das traditionell Schmiedische gefragt ist. Vielen sei es gar nicht mehr bewusst, dass der Ursprung des Schmiedens vornehmlich das Herstellen von Werkzeugen war. Vorzugsweise fabriziert er Spezialwerkzeuge, Schnitzwerkzeuge und Beschläge für Türen sowie Schlösser.

Messer in verschiedenen Grössen schmiedet Melchior Huber.

Messer in verschiedenen Grössen schmiedet Melchior Huber.

Ralph Ribi

«Bei diesen Handwerksarbeiten schlägt mein Herz.» Natürlich macht er auch andere nützliche Gerätschaften wie beispielsweise Messer; es gibt aber viele andere Werkerzeuge, die zum Teil noch in der Entwicklungsphase stecken.

Melchior Huber geht häufig mit einer fahrbaren Esse und dem Amboss auf Märkte. Damit kann er den Menschen eins zu eins sein Handwerk zeigen, näherbringen und ihnen die Wertigkeit von guter Handwerksarbeit bewusst machen. Angefangen hat er mit Messerli, die er auf den Märkten gut verkaufen kann. «Ich war überrascht, wie positiv die Leute auf die kleinen Messer reagierten und diese auch kauften.» Das hat ihn motiviert, weiter zu machen – mit etwas grösseren Messern. Er ist immer noch daran, weitere Messergrössen für verschiedene Nutzungen zu entwickeln und natürlich zu verkaufen. Dasselbe gilt für alle anderen, einzigartigen Werkzeuge. Auch für Grabmäler, Verzierungen für den Garten oder fürs Haus (kleine Skulpturen etc.) ist der 37-jährige Schmied zu haben. Ein gutes Beispiel ist die Idee eines einfachen aber funktionellen Nussöffners, mit dem Baumnüsse locker geknackt werden können. Auch für Grillhauben ist er offen, als er dafür eine Anfrage eines Kunden bekam.

Ursprünglich wurde die Schmiedekunst für das Herstellen von Werkzeugen benötigt.

Ursprünglich wurde die Schmiedekunst für das Herstellen von Werkzeugen benötigt.

Ralph Ribi

Das Schmieden ist ein Beruf, bei dem viel Geduld und Muse gefragt ist. Das wird augenscheinlich, wenn man dem passionierten Schmied bei der Herstellung eines grossen Gemüsemessers zuschaut. Während des Gesprächs in seiner Schmiede zeigt er auf einen Bund Stahlstäbe und sagt, «aus denen mache ich Messer. Jetzt sieht das noch aus wie ein Bund Schrott. Aus diesem Material werde ich exklusive Messer und Küchenmesser schmieden», sagt Huber. In der Tat sind diese messerscharf; Zwiebeln, Karotten oder Kräuter lassen sich mit Leichtigkeit sehr klein schneiden.

Vier Eisenstangen, die nicht gerade spektakulär aussehen, schneidet der Schmied in Stücke. Diese werden auf das Feuer gelegt bis die Stangen beinahe schmelzen beziehungsweise fast verbrennen. Danach werden diese auf die Presse gelegt und danach auf dem Krafthammer ausgezogen, also in die Länge gezogen. Diese Stücke werden wieder in Stücke geschnitten und ins Feuer gelegt. Auf diese Weise entstehen unzählige Lagen mit einer vielfältigen, einzigartigen Struktur. Mit dieser Methode (Damaststahl) der Schmiedekunst werden die Klingen sehr hart, zäh und vor allem auch schnitthaltig.

Regelmässig bietet Melchior Huber Schmiedekurse an.

Regelmässig bietet Melchior Huber Schmiedekurse an. 

Ralph Ribi

Huber schmiedet auch Eheringe und einzelne Unikat-Ringe aus «Edeldamast» – eine Erfindung von Melchior Huber. Es ist bisher nicht bekannt, dass es jemandem gelungen ist, Edel- beziehungsweise Chromstahl mit normalem Stahl auf dem Feuer mit den entsprechenden Schichten zusammenzuschweissen. «Wie das funktioniert, ist mein einziges Berufsgeheimnis, das ich besitze», sagte Melchior Huber freudvoll.

Schmieden will gelernt sein

Menschen, die sich vertiefter fürs Schmieden interessieren, können regelmässig an Schmiedekursen bei Melchior Huber in Schaan teilnehmen. Jeweils am Mittwochabend von 19 bis 22 Uhr betreut er zusätzlich die Metallwerkstatt im Gemeinschaftszentrum Resch in Schaan, ausgenommen während der Schulferien und zwischen den Sommer- und Herbstferien. Die Kurse laufen über die Erwachsenenbildung Stein Egerta in Schaan. Mit diesen Kursen sorgt der passionierte Schmied dafür, dass das alte Handwerk weiterhin ausgeübt werden kann und Bestand hat. Melchior Huber stellt sich heute vor, wie es wohl wäre, wenn es irgendwann eine Depression gäbe, die Wirtschaft komplett stillstünde und niemand in der Lage wäre, wichtige Werkzeuge zu reparieren. «Da würde das Schmiedehandwerk wieder sehr wichtig werden.» Er kehrt in seinen Gedanken wieder zurück in die jetzige Zeit und erinnert sich an die Anfrage eines Interessenten, der gerne einen eisernen Strahler-Pickel gehabt hätte – aus einem einzigen Stück. Ein herausforderndes Projekt, «weil das heute keiner mehr aus einem Stück schmiedet, weil es schwierig und aufwendig ist».

Melchior Hubers eigene Philosophie steht fest: «Wenn ich sage das Stück, das Werkzeug, ist geschmiedet, dann ist es geschmiedet, auch wenn ich zum Schluss sagen muss, ich habe wenig oder nichts verdient, spielt das in diesem Moment keine wichtige Rolle.» Neues zu entwickeln ist für Melchior Huber eine Herausforderung. Seine eigene Axt ist ebenfalls am Stück geschmiedet und wird deshalb kaum stumpf.
Sein humoristisches Motto: «Jeder ist seines Glückes eigener Schmied, aber wer kann heutzutage schon schmieden?»