Im Sennwalder Altersheim soll Schluss sein mit roten Zahlen

Nach drei verlustreichen Jahren des Altersheims Forstegg zieht der Gemeinderat die Reissleine, wenn auch viel zu spät. Vieles dürfte in der Folge anders aufgegleist werden, sicher mit einer neuen Heimleitung.

Heini Schwendener
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Das Altersheim Forstegg in Sennwald wird einer Betriebsanalyse unterzogen. (Bild Heini Schwendener)

Das Altersheim Forstegg in Sennwald wird einer Betriebsanalyse unterzogen. (Bild Heini Schwendener)

Rote Zahlen schrieb das Altersheim 2016. Schon damals erhob die Geschäftsprüfungskommission (GPK) den Mahnfinger. Trotzdem schrieb das Altersheim auch im Jahr darauf rote Zahlen. Als sich auch 2018 keine Besserung abzeichnete, wurde endlich gehandelt. Kontrollen brachten Buchhaltungsmängel zu Tage. Eine Finanzrevisionsstelle stellte nach Abklärungen immerhin fest, dass keine Gelder veruntreut worden sind. Mitte 2018 wurde eine Altersheimkommission eingesetzt, wie von der GPK schon Anfang 2017 gefordert.

Man glaubt es kaum, aber vorher gab es in Sennwald keine Altersheimkommission. «Wir hatten keine Veranlassung dafür, denn Jahrzehnte lang sind wir damit gut gefahren und konnten Rechnungsüberschüsse den Reserven zuführen», sagt Gemeindepräsident Peter Kindler entschuldigend.

Wer verantwortet dass finanzielle Debakel?

Inzwischen steht fest, dass auch 2018 die Altersheim-Rechnung mit tiefroten Zahlen abschloss, notabene bei einer sehr guten Auslastung des Heims und ohne sonderlich hohe Investitionen und Unterhaltsarbeiten. Gemeindepräsident Peter Kindler gesteht ein, dass die Behörden dem Leiter des Altersheims, M. (Name der Redaktion bekannt), zu wenig auf die Finger geschaut haben.

Wer hat dieses finanzielle Debakel, das die Reserven des Heims auf knapp 300 000 Franken schrumpfen liess, zu verantworten? Primär sicher der Heimleiter, der den völlig selbstständigen Betrieb und dessen Buchhaltung allein und in eigener Kompetenz führt. Er konnte offenbar mit seinen Erklärungen und Daten den Gemeinderat immer wieder davon überzeugen, dass alles wieder gut kommen werde. Darum haben die Behörden so lange nicht wirklich eingegriffen.

Weil in diesem Fall die Kontrolle durch die Behörden fast inexistent war, steht Gemeindepräsident Peter Kindler hin und sagt: «Als politisch Verantwortlicher übernehme ich die volle Verantwortung. Wir sind zu spät tätig geworden. Diesem Vorwurf werde ich mich stellen müssen.» Inzwischen ist eine Betriebsanalyse in Auftrag gegeben worden. Deren Ziel ist es, das strukturelle Defizit des Altersheims zu eruieren und zu beheben. Danach werde das Forstegg mit seiner hohen Auslastung keine roten Zahlen mehr schreiben, ist der Gemeindepräsident überzeugt.

Kein Zusammenhang mit der Kündigung

Inzwischen hat Heimleiter M. gekündigt. Hat er damit der Gemeinde einen schwierigen Entscheid erspart? M. betont, seine Kündigung habe keinen Zusammenhang mit den roten Zahlen der vergangenen Jahre, er wolle sich beruflich verändern. Die mehrfach schlechten Zahlen seien begründbar mit steigenden Unterhaltskosten, höheren Personalkosten wegen neuer Vorschriften und Auflagen sowie mit der kritischen Grösse des Heims.

Forstegg-Verantwortliche wehren sich

Unter dem Titel «Was ist los im Altersheim Forstegg Sennwald?» erhebt Leserbriefschreiber Louis Grandchamp mehrere Vorwürfe an die Altersheim-Leitung. In einem gemeinsamen Statement mit Gemeindepräsident Peter Kindler weist Heimleiter M. die Vorwürfe zurück.
Jessica Nigg