Schlossmediale
«Nicht einfach gewesen, am Festival festzuhalten»: Grande Finale mit Emotionen

Die 9. Schlossmediale Werdenberg ist am Sonntag mit stimmiger Musik zu Ende gegangen.

Heidy Beyeler
Merken
Drucken
Teilen
Augenzwinkernde Erinnerung an die «Carmen»-Inszenierunggrosse Menschen lassen zum Ende der Schlossmediale Werdenberg kleine Kinder wie Marionetten laufen.

Augenzwinkernde Erinnerung an die «Carmen»-Inszenierunggrosse Menschen lassen zum Ende der Schlossmediale Werdenberg kleine Kinder wie Marionetten laufen.

Bild: Heidy Beyeler

Ja, es sei eine wacklige Geschichte gewesen, bis zum Schluss, stellte Mirella Weingarten, künstlerische Leiterin und Mitglied der Geschäftsleitung Schlossmediale, am Tag des Abschlusses fest. Sie war froh, dass das zehntägige Festival mit allem Drum und Dran doch noch gut über die Bühne ging. Dazu brauchte es Mut, Improvisationstalent und Durchhaltevermögen. Mirella Weingarten hält fest:

«Es ist nicht einfach gewesen, sich zu trauen am Festival festzuhalten und den eingeschlagenen Weg zu gehen bis zum Schluss. Erst recht, als die anderen Festivals schon dabei waren abzusagen oder schon abgesagt haben.»

Thomas Gnägi, Geschäftsführer, habe ihr Mut zugesprochen und immer wieder gesagt, «gedulde dich, das ziehen wir jetzt durch».

Dass die Künstler sich bereit erklärt haben, alle Konzerte zweimal zu spielen, sei eine unglaubliche, generöse und tolle Entscheidung gewesen. «Nur so konnten wir das Festival in dieser Form gestalten», betonte Weingarten.

Flexibilität und Improvisationstalent

Am «Grande Finale» erlebten die Besucher am Sonntagabend, wie gut die Organisation und das Zusammenarbeiten funktionierten, wenn alle am gleichen Strick ziehen, und wie gross die Bereitschaft dazu ist. Anstelle des grossen «Carmen»-Chors wurden die Chor-Kinder von grossen Menschen wie Marionetten an langen Schnüren in den Schlosshof geführt.

Danach stellte Mirella Weinstein drei musikalische Tausendsassas, wie sie nannte, vor: die Akkordeonistin Viviane Chassot, Anna Fusek und Gianluca Geremia, zwei virtuose Multi-Instrumentalisten. Diese drei Musiker haben für den Abschlussabend, quasi ad hoc, ein aussergewöhnliches Konzert entworfen. Viviane Chassot und das Duo Anna Fusek und Gianluca kannten sich vorher noch nicht.

Im Zentrum des Eröffnungskonzerts Eines Tages Alltäglich der Schlossmediale stanen der kleine Alltag und die grossen menschlichen Ideen.

Im Zentrum des Eröffnungskonzerts Eines Tages Alltäglich der Schlossmediale stanen der kleine Alltag und die grossen menschlichen Ideen.

Bild: Anja Köhler

1259 Besucher auf dem Schloss

(pd) Es war eine ganz besondere Schlossmediale: Im Jahr 2020 wegen der Corona-Pandemie mitsamt Künstlerinnen und Künstlern und Programm in einen einjährigen Dornröschenschlaf versetzt, war auch bis vier Wochen vor Beginn des Festivals nicht klar, ob es tatsächlich stattfinden konnte. Doch es gelang: Von 21. bis 30. Mai konnten die Besucherinnen und Besucher der 9. Schlossmediale Werdenberg an zehn mitreissenden Abenden das Jahresthema «Gross und Klein» nicht nur erleben, sondern es in der Ausstellung auch aus unterschiedlichsten Perspektiven wahrnehmen und selbst durchwandern.

Um der aufgrund der Corona-Vorschriften geringeren Personenanzahl pro Konzert gerecht zu werden, hatten sich die Künstlerinnen und Künstler in diesem Jahr spontan bereit erklärt, ohne zusätzliche Gage zweimal pro Abend zu spielen. Und das Publikum liess sich diese erste Chance auf ein Live-Konzert nach so langer Kulturabstinenz nicht entgehen: Zahlreiche Konzerte waren ausverkauft. Auch die Ausstellung war sehr gut besucht. Unter Berücksichtigung aller Einschränkungen konnten bei der Schlossmediale in diesem Jahr insgesamt 1259 Besucherinnen und Besucher gezählt werden, heisst es in einer Mitteilung.

«Diese Schlossmediale war für uns alle wie ein allererstes Mal», fasst die künstlerische Leiterin des Schloss Werdenberg, Mirella Weingarten die Stimmung der zehn Festivaltage zusammen: «Für viele Künstler war es der erste öffentliche Live-Auftritt vor Publikum seit Monaten».

Und auch Thomas Gnägi, Leiter des Schloss Werdenberg, zeigt sich erleichtert und hocherfreut: «Dass es die – doch etwas überraschenden! – Öffnungen im Mai ermöglicht haben, unser Festival tatsächlich abzuhalten, war ein wunderbares Erlebnis. Es war an allen Abenden sehr intensiv zu spüren, wie sehr das kulturelle Leben geschätzt wird

Viviane Chassot machte den Anfang mit einer Abfolge von vier wunderschönen Stücken aus einer französischen Suite von Johann Sebastian Bach: Allemande, Courante, Saraband und Gavotte. Zwischen diesen Beiträgen präsentierte das Duo Fusek/Geremia mühelos und frei Musik aus verschiedenen Zeitepochen. Es waren kurze Geschichten, welche die Musik-Welten verbinden.

Eines von zahlreichen ausverkaufen Konzerte war Grande Mondo.

Eines von zahlreichen ausverkaufen Konzerte war Grande Mondo.

Bild: Anja Köhler

Besondere Schlossmediale und inspirierter Singvogel

Es war ein stimmiger Abschluss auf dem Schlosshof, der die besondere Schlossmediale in bestem Licht zeigte. Während der kurzen Pausen, bei denen es auf dem Schlosshof leise war, konnte man sogar einen Singvogel hören, der hoch oben auf einem Laubbaum sass, so als ob er durch die sanften Klänge des Konzertes inspiriert wurde.