Die Kinos verzeichneten keinen guten Sommer

Die heissen Temperaturen und die Fussball-WM liessen die Besucherzahlen in den Schweizer Kinos einbrechen, einige kämpfen um ihre Existenz. Auch das Kiwi-Treff Werdenberg verzeichnete einen Besucherrückgang, sieht seine Zukunft aber nicht als gefährdet.

Miriam Cadosch
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Actionfilme kommen auf dem asiatischen Markt gut an, floppen aber in Europa. (Bild: Urs Bucher)

Actionfilme kommen auf dem asiatischen Markt gut an, floppen aber in Europa. (Bild: Urs Bucher)

Die Schweizer Kinos zittern um ihre Besucherzahlen. In den vergangenen drei Jahren waren die Zahlen der verkauften Eintritte stets rückläufig. Grund dafür sind veränderte Freizeitgewohnheiten und Streamingplattformen wie Netflix. Das erste Halbjahr 2018 hat die Branche besonders hart getroffen: Die Besucherzahlen sind im Durchschnitt um fast 20 Prozent eingebrochen. So auch beim Werdenberger Kiwi-Kino. «Es war dieses Jahr gesamtschweizerisch dasselbe Problem», so der Geschäftsführer Rohy Batliwala.

«Es gibt verschiedene Faktoren, die den starken Rückgang erklären. Einerseits läuft es in einem Fussball-WM-Jahr nie gut für die Kinobranche. Andererseits war heuer ein Jahrhundertsommer, da will niemand ins Kino.» Die Zahlen seien zwar nicht zufriedenstellend, bei düsterem Wetter sei das Kiwi-Treff jedoch gut besucht gewesen.

Kiwi-Treff noch ohne Probleme mit Konkurrenz

Seit 1994 lockt das Kiwi-Kino Werdenberg Besucher an. Nur vier Jahre später eröffnete das Cineplexx Hohenems. Multiplexe, Grosskinos mit fünf oder mehr Sälen und mit Anbindung an Gastro- oder Shoppingangebote, sind bei Jungen beliebt und werden zunehmend zur grossen Konkurrenz der kleineren Kinos. Mit dem geplanten Bau eines solchen Kinokomplexes in Chur liegen bald zwei Multiplexe in gut erreichbarer Nähe vom Werdenberg. Auf die Besucherzahlen wirkt sich dies laut Rohy Batliwala allerdings nicht aus. «Hohenems war noch nie ein Problem für uns. Obwohl natürlich viele aus der Region gerne nach Hohenems gehen, hatten wir trotzdem gute Jahre. Der geplante Kinokomplex in Chur wird sich kaum auf die Besucherzahlen im Werdenberg auswirken.»

Auch Streamingplattformen wie Netflix sind für Batliwala noch kein Grund zur Sorge. «Trends kommen und gehen. Das Kino wurde schon totgesagt, als Videokassetten und später DVD auftauchten. Natürlich sind Streamingplattformen für Junge attraktiv, jedoch ist Kino nicht vergleichbar damit. Es ist etwas anderes als Zuhause zu sitzen, man geht immerhin noch mit Kollegen in den Ausgang.»

Andere Kinobetreiber bekämpfen den Rückgang der Besucherzahlen, indem sie spezielle Events wie zum Beispiel Filmmarathons anbieten. Dabei werden bekannte Filmreihen am Stück gezeigt. Solche Events sind im Kiwi-Kino nicht geplant, Rohy Batliwala zweifelt am Erfolg dieser Idee.

Die Problematik liegt laut Batliwala nicht nur an der Konkurrenz, sondern auch am Angebot der Filme. Die Chinesen beeinflussen den Filmmarkt immer mehr – auch in Hollywood. Dadurch entstehen mehr abgedrehte Actionfilme, die auf den asiatischen Markt abgestimmt sind, in Europa jedoch nicht boomen. Im Vergleich locken europäische Low-Budget-Filme aktuell mehr Besucher an als Hollywoodfilme. Zudem gehen der Branche die grossen Stars verloren. Namen wie Julia Roberts und Brad Pitt haben früher noch massenweise Besucher in die Kinos gelockt, heute fehlen der jüngeren Generation die grossen Namen.

Zukunft kaum voraussehbar

Obwohl das Kiwi-Kino Werdenberg aktuell nicht gefährdet ist, ist die Zukunft ungewiss. «Ich hoffe, wir können noch viele Jahre überleben. Aber ein Wahrsager bin ich nicht. Die Gesellschaft verändert sich und damit auch die Kinokultur», so Rohy Batliwala. Die Frage, ob die Kinos in der Schweiz nach und nach um ihre Existenz kämpfen müssen, hänge auch davon ab, wie der Wandel der Gesellschaft weitergeht.