Etwa 1000 Schafe machten sich in der Bündner Herrschaft selbständig und mussten erneut auf die Alp getrieben werden

Eine grosse Schafherde wanderte im Gebiet des Falknis zu früh in ein anderes Tal ab. Der verantwortliche Schäfer wurde freigestellt. Seine Hüte-Philosophie passe nicht zur grossen Herde und der Topografie, sagen die Verantwortlichen.

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Der legendäre «Schafübergang» am Falknis: Die Schafkolonne zieht sich jedes Jahr Anfang August wie eine Perlenschnur jeweils mehrere Kilometer in die Länge.

Der legendäre «Schafübergang» am Falknis: Die Schafkolonne zieht sich jedes Jahr Anfang August wie eine Perlenschnur jeweils mehrere Kilometer in die Länge.

Bild: PD

(ms) Der normalerweise auf August angesetzte «Schafübergang» fand heuer versehentlich früher statt: Letzte Woche ist ein Grossteil der Herrschäftler Schafherde selbstständig von der Guscha über den Falknis ins Fläscher Tal gewandert. Danach mussten rund 1000 Schafe den weiten Weg über den «Kamm» zurück in die Bündner Herrschaft, dann wieder hoch auf die Guscha getrieben werden. Der verantwortliche Schäfer wurde freigestellt.

Hirtwechsel nach 16 Jahren

In der Herrschäftler Schafsaison läuft es dieses Jahr nicht so, wie es sollte. Seinen Lauf nahm das ungewöhnliche Jahr mit dem Austausch des langjährigen Schäfers. Der deutsche Hirte hatte die rund 1500 Tiere umfassende Herde während 16 Jahren zuverlässig betreut. Aufgrund einer Schulteroperation war er bis Mitte Mai zu 100 Prozent arbeitsunfähig geschrieben, weshalb sich die Schafverantwortlichen für die Mitte April beginnende Saison nach einem Nachfolger, beziehungsweise einer Nachfolgerin umsehen mussten. Die gewählte Hirtin legte ihren verantwortungsvollen Job aus privaten Gründen allerdings schon nach wenigen Wochen nieder.

Etwas andere Philosophie

So musste während der laufenden Saison abermals ein Nachfolger gesucht werden. Doch auch dieser ist bereits wieder weg. Wie Hansruedi Möhr, Schafverantwortlicher von Maienfeld, auf Anfrage begründete, war er seiner Aufgabe nicht gewachsen, beziehungsweise pflegte er eine Hüte-Philosophie, welche zur grossen Herrschäftler-Herde und zur Topografie nicht passte.

«Schon als die Schafherde beim Heidibrunnen war, mussten wir mit ihm ein ernsthaftes Gespräch führen.»

Auf der Guscha sei die Situation dann eskaliert und es zu besagter Abwanderung der Schafe gekommen.

«Inzwischen haben wir uns vom besagten Hirten getrennt und mit einem Südtiroler einen versierten Nachfolger gefunden», so Möhr weiter.

Die Schafe mussten zurück ins Tal und erneut auf die richtige Alp getrieben werden.

Die Schafe mussten zurück ins Tal und erneut auf die richtige Alp getrieben werden.

Symbolbild: Severin Bigler

Zurück ins Tal und wieder hinauf

Die rund 1000 Schafe, welche den Falknis letzte Woche selbstständig überquert hatten, wurden am Freitag zurück ins Tal und am Samstag wieder auf die Guscha hinaufgetrieben. Bis auf rund 20 Tiere, welche man im Raum Türme zu einem späteren Zeitpunkt holen werde, seien nun alle wieder vereint.

Über unfallbedingte Ausfälle könne er noch keine gesicherten Angaben machen. «Nach erster Beurteilung sind wir diesbezüglich glimpflich davongekommen», so Möhr abschliessend.