Aus Sorge um die Trinkwasserqualität werden Schafe von der «Bollenwees» verbannt – im Visier ist auch die Roslenalp auf St.Galler Boden

Der Innerrhoder Wunsch überrascht die St.Galler Alpbesitzer – die Ortsgemeinde Sax.

Adi Lippuner
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Die Schafe auf der Alp Roslen werden im Umtriebsweide-System gesömmert.

Die Schafe auf der Alp Roslen werden im Umtriebsweide-System gesömmert.

Bild: PD

Bis mindestens zum Jahr 2030 werden auf der Alp Bollenwees keine Schafe mehr weiden. Dies ist in einer Vereinbarung zwischen der Innerrhoder Jagdverwaltung und der Bollenwees GmbH festgehalten. Als Gründe dafür werden die Verbesserung der Wasserqualität der Quellen im Einzugsgebiet, aber auch die Förderung der Biodiversität genannt.

Im Visier haben die Verantwortlichen in Appenzell Innerrhoden auch die Nachbaralp Roslen, die auf dem Gebiet des Kantons St.Gallen liegt und im Besitz der Ortsgemeinde Sax ist.

Wenig Begeisterung auf der anderen Seite der Kreuzberge

Ginge es nach den Wünschen der Appenzeller, sollte auch dort auf die Beweidung mit Schafen verzichtet werden. Dieses, wenn auch freundlich formulierte Ansinnen löst auf der anderen Seite der Kreuzberge wenig Begeisterung aus, wie Recherchen des W&O bei den Alpbesitzern ergaben.

Zurückhaltend reagiert auch der Leiter des Landwirtschaftsamts des Kantons St.Gallen, Bruno Inauen. Er habe zwar eine diesbezügliche Anfrage auf dem Tisch, doch man stehe mit dem ganzen Verfahren erst am Anfang, ist von ihm zu erfahren.

Wie Thomas Dörig, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bollenwees GmbH, auf Anfrage betonte, wird eine gemeinsame Lösung über die Kantonsgrenzen hinweg gesucht. Doch direkt kontaktiert hat man die Ortsgemeinde Sax als Besitzer der Alp Roslen, zu der auch der Saxer Höberg gehört, nicht.

«Es wird nur auf dem Verhandlungsweg gehen»

Deren Präsident Rony Dürr sagte deshalb zur entsprechenden Frage:

«Wir hatten von diesem Wunsch bisher keine Kenntnisse.»

«Wir wissen, dass wir kein Druckmittel gegenüber den Nachbarn haben, es wird nur auf dem Verhandlungsweg gehen», sagt Thomas Dörig. Er habe den Kontakt über das St. Galler Landwirtschaftsamt gesucht und sein Anliegen bei dessen Leiter Bruno Inauen deponiert.

Dörig führt aus: «Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und für die Verbesserung der Wasserqualität sorgen. Denn es ist erwiesen, dass bei uns über Jahre durchgeführte Proben am Rohwasser zeigen, dass dieses vor der Bestossung der Alp mit Nutztieren und einige Wochen danach bakteriologisch einwandfrei ist.»

Kanton St. Gallen überprüft Bestossungszahlen

Während der Alpzeit müsse das Wasser jedoch technisch nachbehandelt werden, um die Trinkwasservorschriften zu erfüllen. Bei Bruno Inauen ist zu erfahren, dass beim St. Galler Landwirtschaftsamt eine Anfrage der Bollenwees GmbH vorliegt. «Von Seiten des Kantons St. Gallen können wir nicht viel unternehmen.» Derzeit werde die Bestossungszahlen der Schafalpen geprüft. «Sind diese in Ordnung, werden wir kaum etwas unternehmen können», so Bruno Inauen.

Es sei nicht zu erwarten, dass eine reduzierte Bestossung zu einer raschen Verbesserung der Wasserqualität führen würde. Der Amtsleiter stellte fest:

«Für ein genaues Resultat müssten die Wasserflüsse untersucht werden, und dies im Zusammenhang mit der Ausscheidung eines Schutzgebietes.»

Zudem betonte er: «Die Quellfassungen liegen im Innerrhodischen, also ausserhalb der St. Galler Kantonsgrenzen. Und soweit ich informiert bin, sind die Schutzbereiche momentan nicht rechtskräftig ausgeschieden.»

Das Verfahren zur Ausscheidung von Schutzzonen für die private Nutzung sei, wenn es über die Kantonsgrenze hinaus gehe, sicher nicht ganz einfach. «Aus meiner Sicht müsste mit Hilfe von Färbversuchen geprüft werden, welche Ausscheidung Sinn macht.»

Herde mit rund tausend Schafen auf Saxer Alpen

Bezüglich der Anliegen aus Appenzell geben sich die Vertreter der Ortsgemeinde Sax zurückhaltend. Deren Präsident Rony Dürr sagt dazu: «Wir befolgen strikte die Vorschriften des Kantons St. Gallen. Wir halten uns an den Normalbesatz. Es werden rund 1000 Schafe gesömmert und von einem erfahrenen Hirten betreut, der die Umtriebsweide vorschriftsgemäss umsetzt.» Ebenfalls als Schafweide genutzt wird die Alp Alpeel. Diese 370 Schafe kommen aber nur bis zum Sattel am Fusse des Hochhus.

Innerrhoden führt intensive Nutzung ins Feld

Auf der Bollenwees wurden bisher, wie Thomas Dörig bestätigt, 40 Schafe geweidet. Diese tiefe Bestossungszahl wird von den Besitzern der Alp Roslen nicht kommentiert. Auch bezüglich «Erhalt der Biodiversität» wollen sich weder der Präsident der Ortsgemeinde noch der Alpmeister äussern. Die Appenzeller führen ins Feld, dass die Futterkonkurrenz und die räumliche Nutzung eine entscheidende Rolle spielen, ist in der Medienmitteilung des Kantons Appenzell Innerrhoden zu lesen.

«Schafe beanspruchen dieselben Kräuter und Gräser wie Gams und Steinwild, dies führt zu einer intensiven Nutzung der Nahrungsgrundlagen bei Standweiden.»