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Schäden durch Arbeitslager beseitigt

Im Sommer 1938 ging ein verheerendes Unwetter über Sennwald und das benachbarte Lienz nieder. Ein Arbeitslager für ältere Arbeitslose half mit, die Schäden zu beseitigen.
Werner Hagmann
Aufruf zur Hilfe – Flugblatt der Hilfsdienstkommission Lienz und Sennwald und des Kantonalen Aktionskomitees für Arbeitsbeschaffung von 1938. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)
Die durchschnittlich 30 Teilnehmer des Arbeitslagers Lienz-Sennwald im Jahr 1938 waren in einer Militärbaracke untergebracht. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)
Die im Arbeitslager Lienz-Sennwald eingesetzten Arbeitslosen räumten in harter Handarbeit den Schutt weg, der von einem schweren Unwetter im Frühsommer 1938 herrührte. (Bild: Staatsarchiv St. Gallen)
Der Sennwalder Nationalrat Jakob Fenk (1879–1968). (Bild: Werner Hagmann)
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Schäden durch Arbeitslager beseitigt

Unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise wurde 1933 der Freiwillige Arbeitsdienst (FAD) ins Leben gerufen. Dieser setzte sich zum Ziel, jugendliche Arbeitslose vor den moralisch nachteiligen Folgen der Erwerbslosigkeit zu bewahren und ihre Arbeitsfähigkeit und Arbeitswilligkeit durch geregelte Beschäftigung zu erhalten und zu fördern. Mittel dazu waren Arbeitslager, bei denen ähnliche Projekte wie bei den Notstandsarbeiten zur Durchführung gelangten. Anders als bei jenen erhielten die Teilnehmer jedoch keinen Lohn, sondern neben freier Kost und Unterkunft lediglich ein Taschengeld. Als Träger der Arbeitslager kamen kantonale und kommunale Amtsstellen sowie private Vereinigungen in Frage.

Unterstützung durch den Bund

Die Rechtsgrundlage für die Unterstützung der Arbeitslager durch den Bund wurde im Bundesbeschluss über Krisenhilfe für Arbeitslose vom 13. April 1933 geschaffen. Der Bundesrat konnte «an Arbeitslager und ähnliche Unternehmungen, welche dazu dienen, jüngere Arbeitslose zu regelmässiger Tätigkeit anzuhalten, Bundesbeiträge ausrichten», die 40 Prozent der Auslagen für Verpflegung, Unterkunft, Ausrichtung eines Taggeldes und Reisespesen der Arbeitslosen nicht übersteigen durften. Materialkosten waren nur ausnahmsweise anrechnungsfähig. Kanton und Gemeinden hatten zusammen einen mindestens gleich hohen Beitrag zu leisten, sofern sie nicht selbst als Träger der Unternehmung in Erscheinung traten. Die zu beschäftigenden Arbeitslosen sollten das 22. Altersjahr nicht überschritten haben.

Im Bundesbeschluss über Krisenbekämpfung und Arbeitsbeschaffung vom 21. Dezember 1934 wurde der Freiwillige Arbeitsdienst noch eingehender geregelt. Die bereitgestellten Arbeitsprojekte sollten von volkswirtschaftlichem oder kulturellem Wert sein und durften die Privatwirtschaft möglichst nicht konkurrenzieren – es musste sich also um «zusätzliche» Arbeiten handeln. Der Freiwillige Arbeitsdienst stand Arbeitslosen aus allen Kantonen offen. Kantonale und kommunale Leistungen gingen dabei zu Lasten derjenigen Gemeinwesen, in denen die Teilnehmer eines Arbeitslagers ihren Wohnsitz hatten. Neu konnten auch Bundesbeiträge an Arbeitslager für ältere Arbeitslose ausgerichtet werden.

1935 wurden erstmals besondere Arbeitslager für ältere Arbeitslose durchgeführt, die in den folgenden Jahren zunehmende Tendenz verzeichneten. Der Arbeitsdienst für Jugendliche hingegen war 1936 auf dem Höhepunkt angelangt; jüngere Arbeitslose profitierten stärker vom beginnenden Aufschwung als ältere. Durch Bundesratsbeschluss vom 15. Dezember 1939 wurde der bis anhin freiwillige Arbeitsdienst durch eine Arbeitspflicht im Dienste der Landesverteidigung abgelöst, die alle arbeitslosen, für körperliche Arbeit geeigneten Schweizer Bürger im Alter von 19 bis 60 Jahren erfasste.

Situation im Kanton St. Gallen

In einer Verordnung vom 6. April 1934 umriss die St. Galler Regierung die Rahmenbedingungen für die Subventionierung von Arbeitslagern. Vorzugsweise sollten dabei versicherte Arbeitslose zum Zuge kommen, erhoffte man sich doch auf diese Weise eine gewisse Entlastung für die Arbeitslosenkassen. Der Kantonsbeitrag, der von einer Subventionierung durch den Bund abhängig gemacht wurde, war auf maximal 20 Prozent der subventionsberechtigten Kosten limitiert. Von den Gemeinden, aus denen sich die am Arbeitsdienst Teilnehmenden rekrutierten, wurde ein Anteil in mindestens gleicher Höhe erwartet, sofern sie nicht selbst Träger der Unternehmung waren. Ein erstes Arbeitslager im Kanton St. Gallen wurde 1934 in Stein im Obertoggenburg organisiert; die dabei gemachten Erfahrungen vermochten aber nicht zu überzeugen.

Naturkatastrophe als Auslöser

Im Werdenberg gab eine verheerende Naturkatastrophe den Anstoss zur Durchführung eines Arbeitslagers. Am 22. Juni 1938 ging ein ausserordentlich starkes Gewitter über dem nördlichen Teil des Bezirks nieder. Die über die Ufer getretenen Bergbäche verursachten enorme Flur- und Gebäudeschäden in der Gemeinde Sennwald sowie im benachbarten Dorf Lienz. In der Folge richteten die Gemeinderäte von Sennwald und Altstätten (zu welcher Gemeinde Lienz gehört) ein Gesuch an das «Kantonale Aktionskomitee für Arbeitsbeschaffung», für die Aufräumungsarbeiten ein Arbeitslager für ältere Arbeitslose zu organisieren. Das Komitee hiess dieses Begehren umgehend gut und beschloss die Einrichtung eines Arbeitslagers für voraussichtlich 32 Mann, die in einer Militärbaracke untergebracht werden sollten. Die Tagesentschädigung wurde auf zwei Franken (statt ein Franken wie bisher) festgesetzt, sodass sich umgehend eine Anzahl von Freiwilligen meldete. In erster Linie sollten alleinstehende, arbeitslose Männer aus dem Rheintal und Werdenberg berücksichtigt werden. Zur Finanzierung des Unternehmens wurde zudem eine Geldsammlung im ganzen Kanton in die Wege geleitet.

Das Arbeitslager in Lienz und Sennwald dauerte vom 25. Juli bis zum 23. Dezember 1938 – insgesamt also 22 Wochen. Auftraggeber war die «Hilfsdienstkommission Sennwald-Lienz». Neben vier für die Leitung zuständigen Personen waren durchschnittlich 29 Teilnehmer im Einsatz, bezogen auf den ganzen Zeitraum insgesamt 46 Arbeitslose. Davon stammte etwa die Hälfte aus den betroffenen Gemeinden des Rheintals und Werdenbergs, die andere Hälfte aus der Stadt St. Gallen. Finanziert wurde das Arbeitslager zu 60 Prozent durch den Bund, der Rest je zur Hälfte durch den Kanton und durch die erwähnte Geldsammlung. Weder die Gemeinden noch die Geschädigten selbst wurden also belastet. Der ausserordentlich hohe Bundesbeitrag dürfte mit den speziellen Umständen der Unwetterkatastrophe zusammenhängen.

Ausländische oder auswärtige Arbeitslose?

Das Arbeitslager im Unwettergebiet Lienz-Sennwald war nicht unumstritten. Einzelne Zeitzeugen meinen sich zu erinnern, es seien «ausländische» Arbeitslose zum Einsatz gekommen (W&O vom 22. Juni 2018). Tatsächlich aber war es der Beizug auswärtiger und nicht etwa ausländischer Teilnehmer, der Anlass zu Kritik in der Presse bot. Dadurch würden einheimische Arbeitslose übergangen, wurde moniert. Dies beträfe besonders die Kleinbauern, die dringend auf Nebenverdienst angewiesen seien, jedoch nicht als Arbeitslose anerkannt würden. Anstelle eines Arbeitslagers wäre offenbar die Durchführung der Aufräumarbeiten als Notstandsarbeit vorgezogen worden. Das Aktionskomitee für Arbeitsbeschaffung trat diesen Vorwürfen energisch entgegen, da sie nur darauf abzielten, «das Werk des FAD in den Augen der Bevölkerung herabzusetzen». Es wurde sogar die Verteilung eines Aufklärungsschreibens in jede Haushaltung der Gemeinde erwogen. Da aber keine weiteren Angriffe mehr erfolgten, verzichtete man darauf. Indizien deuten darauf hin, dass der Anstoss zu diesen kritischen Stellungnahmen vom Sennwalder Nationalrat Jakob Fenk ausgegangen ist, der verärgert aus der Hilfsdienstkommission Sennwald-Lienz austrat, nachdem die Wahl des Vorarbeiters nicht in seinem Sinne erfolgt war.

Ein weiteres Arbeitslager in unserer Region wurde 1942 in der Gemeinde Wartau organisiert. Unter der Leitung des kantonalen kulturtechnischen Büros wurde dabei eine Fläche von 21,5 Hektaren Land in den Rheinauen urbarisiert. Durchschnittlich waren rund 100 Mann beschäftigt, darunter nur wenige Wartauer. Die Auswärtigen wurden in fünf Baracken untergebracht. Bei diesem zweiten Arbeitslager im Werdenberg dürfte – mitten im Zweiten Weltkrieg – die Sicherung der Landesversorgung als Motivation gegenüber der Arbeitsbeschaffung im Vordergrund gestanden sein.

Quellen Staatsarchiv St. Gallen: Freiwilliger Arbeitsdienst 1935–1937 und Kantonales Aktionskomitee für Arbeitsbeschaffung: Allgemeine Akten, Protokolle 1935–1938; Hagmann, Werner: Krisen- und Kriegsjahre im Werdenberg

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