Obertoggenburger Samaritervereine sind über einen «Bettelbrief» zutiefst verärgert

Der Haussegen zwischen den Obertoggenburger Samaritervereinen und der Dachorganisation hängt schief.

Adi Lippuner
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Samariterlehrerin Regula Schafflützel, Krummenau, Sonja Hickert, Präsidentin Nesslau und Monika Stauffacher, Präsidentin Wildhaus- Alt St.Johann mit dem umstrittenen Spendenaufruf des Schweizerischen Samariterbunds.

Samariterlehrerin Regula Schafflützel, Krummenau, Sonja Hickert, Präsidentin Nesslau und Monika Stauffacher, Präsidentin Wildhaus- Alt St.Johann mit dem umstrittenen Spendenaufruf des Schweizerischen Samariterbunds.

Bild: Adi Lippuner

Jeweils im Frühjahr, teilweise im Spätsommer oder Herbst wenden sich die örtlichen Samaritervereine mit einem Brief an die Bevölkerung. Darin bitten sie um eine freiwillige, finanzielle Zuwendung zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Nun, während der Coronapandemie, hat der Schweizerische Samariterbund, das ist die Dachorganisation, einen gestaffelten Versand in der ganzen deutschen und französischen Schweiz lanciert.

Insbesondere die Begründung: «Samariterinnen und Samariter sind während der Coronakrise an vielen Orten der Schweiz im Einsatz, sie unterstützen Kantone und Gemeinden, Gesundheitseinrichtungen und Privatpersonen», stösst den örtlichen Samaritervereinspräsidentinnen sauer auf.

Lokale Empörung, kantonale Zurückhaltung

«So nicht, wir distanzieren uns in aller Form von dieser Sammlung,» lautet die Aussage aller Verantwortlichen aus dem Obertoggenburg. Hinter der Aktion – Information der Öffentlichkeit – stehen Monika Stauffacher, Wildhaus-Alt St.Johann, Hans Koller, Stein, Sonja Hickert, Ennetbühl, und Ursula Frei, Ebnat-Kappel. Die Präsidentinnen und der Präsident haben sich abgesprochen und wollen der Bevölkerung mitteilen, dass die Gelder, welche auf diesem Weg gesammelt werden, zur Finanzierung der Dachorganisation und nicht der örtlichen Vereine dienen. Der Tenor aus dem Obertoggenburg lautet:

«Die Einnahmen brechen bei allen weg und deshalb ist es unfair, wenn auf schweizerischer Ebene vorgeprescht wird.»

Ursula Forrer, Bazenheid, Präsidentin Samariterverband St.Gallen-Fürstentum Liechtenstein und Mitglied im Zentralvorstand des Schweizer Samariterbunds hat Verständnis, dass die lokalen Vereine Mühe mit den Neuerungen haben. «Aber die gesammelten Gelder kommen letztlich allen zu gute.»

Auf die Fragen an den Schweizerischen Samariterbund nahm Peter Lack, Direktor und Gesamtprojektleiter, Stellung: «Wir haben 24 Kantonalverbände und sind seit mehr als zwölf Monate in einem Strategieprozess zur Neuausrichtung. In diesem Zusammenhang ist auch die Beschaffung der Mittel ein Thema. Von Seiten der Kantonalverbände gab es positive Rückmeldungen.»

Gelder für Dachorganisation und Kantonalverbände

Durch die Coronapandemie sei erstmalig ein nationales Spendemailing versandt worden, «denn wir durften feststellen, dass sich die Samariter auf allen Ebenen ab dem 17. März sehr für die Bevölkerung eingesetzt haben.» Bezüglich Ertrag der Spendenaktion war zu erfahren, dass die Gelder zwischen der Geschäftsstelle der Dachorganisation und den Kantonalverbänden, welche ebenfalls finanzielle Mittel für die Aufrechterhaltung des Samariterwesens benötigen, aufgeteilt werden. Die Kantonalverbände seien frei, die Spenden an ihre Mitglieder der lokalen Vereine weiter zu geben. Zudem stehe die Sammelaktion nicht in Konkurrenz zu Sammlungen der Ortsvereine. Peter Lack sagt:

«Die lokalen Vereine haben ihre eigenen, treuen Spender, wir versuchen, zusätzliche Quellen zu erschliessen.»

Gemäss Aussagen der Obertoggenburger wurden die Präsidenten und Kursleiter via Newsletter Ende März über das Spendenmailing des Schweizerischen Samariterbunds informiert.

Begründet wird dieses Vorgehen unter anderem: «Wir beschreiten mit dieser Massnahme neue Wege und sind davon überzeugt, dass wir so langfristig neue Finanzierungsmöglichkeiten erschliessen und die verbandsinterne Finanzierung durch die Mitglieder entlastet wird.»