Salezer und Haager Vereinspräsidenten hätten gerne eine Mehrfachturnhalle, Gemeindepräsident sagt: «Für Schule genügt eine Halle»

Die IG Mehrfachhalle fordert von der Gemeinde Sennwald, Bedürfnisse der Vereine und Bürger abzuklären. Der Gemeinderat möchte aber am Plan, die Turnhalle Türggenau in der bisherigen Grösse zu ersetzen, festhalten. Die IG fordert deshalb dazu auf, das Budget 2020 abzulehnen.

Corinne Hanselmann
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Verschiedene Sennwalder Vereinspräsidenten fordern, dass abgeklärt wird, ob anstelle einer neuen Einfachturnhalle eine Zwei- oder Dreifachturnhalle beim Schulhaus Türggenau Sinn macht.

Verschiedene Sennwalder Vereinspräsidenten fordern, dass abgeklärt wird, ob anstelle einer neuen Einfachturnhalle eine Zwei- oder Dreifachturnhalle beim Schulhaus Türggenau Sinn macht.

Bild: Corinne Hanselmann

Die Turnhalle Türggenau hat ausgedient. Die Gemeinde Sennwald will sie abreissen und ersetzen, wie Mitte Februar am Anlass «Behörden informieren» bekannt wurde. Mehrere Sportvereinspräsidenten aus der Gemeinde haben sich daraufhin zusammengetan, die Interessengemeinschaft (IG) Mehrfachhalle gegründet und einen Brief an den Gemeinderat geschrieben. Sie fordert ihn auf, «nachhaltig zu handeln» und «mit Sportvereinen oder anderen Interessensgruppen den Kontakt zu suchen» und abzuklären, ob der Bau einer Zweifach- oder Dreifachturnhalle mit zusätzlicher Infrastruktur wie Küche sinnvoller sei. Paul Koch, Präsident der Volleyballgruppa Chrüzberg, sagt im Namen der IG Mehrfachhalle:

«Wir wollen nicht, dass man jetzt diese Turnhalle abbricht und einfach eine neue Einfachturnhalle hinstellt. Wir fordern, dass man genau hinsieht und abklärt, was die Bedürfnisse sind.»

IG will, dass Bürger das Budget ablehnen

Gemäss Koch hat die IG auf ihren Brief an den Gemeinderat erst nach knapp einem Monat und mehrmaligem Nachfragen eine Antwort erhalten, und diese war negativ. Im Budget 2020 der Gemeinde ist ein Planungskredit in der Höhe von 140000 Franken für eine Einfachturnhalle enthalten. Weil über das Budget am 19. April abgestimmt wird, drängt die Zeit. Die IG Mehrfachhalle hat sich deshalb für den Weg an die Öffentlichkeit entschieden. Sie fordert Stimmbürger auf, das Budget abzulehnen. Dies jedoch hätte für die Gemeinde weitreichende Folgen.

Budget abgelehnt, was dann?

Weil die Bürgerversammlung infolge Coronavirus abgesagt werden musste, wird am 19. April an der Urne über das Budget abgestimmt. «Im Gegensatz zur Bürgerversammlung, wo ein einzelner Antrag abgelehnt werden kann, das restliche Budget aber genehmigt wird, würde an der Urne das gesamte Budget samt Steuerfusssenkung abgelehnt», erklärt Gemeindepräsident Peter Kindler auf Anfrage des W&O. «Die Gemeinde könnte dann nur noch dringliche und gebundene Ausgaben im Sinne eines Notbudgets tätigen. Sämtliche Investitionsvorhaben wie Erdbebensanierung Schulhaus Türggenau, Leitungsbau Wasser, Strassenprojekte und Gewässerverbauungen wären blockiert.»  

Die kürzlich gegründete Interessengemeinschaft (IG) Mehrfachhalle hätte beim Schulhaus Türggenau gerne eine Doppel- oder Dreifachturnhalle anstelle der Einfachturnhalle, die ersetzt wird.

«Die bestehenden kleineren Hallen der umliegenden Dörfer sind sehr gut ausgelastet und teilweise sehr klein», begründet die IG in ihrem Schreiben an den Gemeinderat. Sportturniere seien jeweils nur sehr mühsam und mit hohem logistischem Aufwand durchführbar. Der FC Haag würde eine grosse Halle fürs Wintertraining sehr begrüssen. Viele weitere Vereine würden ebenfalls vom zusätzlichen Platzangebot profitieren. Die neue Halle müsse für über 30 Jahre ausgelegt sein, für 30 Jahre Bevölkerungswachstum in einer steuertechnisch interessanten Gemeinde mit hohem Wachstumspotenzial, schrieb die IG weiter.

Der IG gehörten von Anfang an der Fussballclub Haag, die Volleyballgruppa (VBG) Chrüzberg und weitere Sportvereine aus Salez und Haag an. «Im Laufe der Abklärungen gesellten sich auch Vereine aus anderen Dörfern hinzu», sagt Initiant Paul Koch, Präsident der VBG Chrüzberg, gegenüber dem W&O. Er sieht die Mehrfachturnhalle auf dem Bauland zwischen Türggen- au und Landwirtschaftlichem Zentrum. Dieses hat die Gemeinde schon vor Jahren in vorausschauender Weise erworben. Koch sagt:

«Es wäre schade, diese Gelegenheit nicht zu nutzen.»

«Hatten uns erhofft, ernstgenommen zu werden»

Doch auf ihren Antrag erhielt die IG keine positive Antwort. «Der Gemeinderat will dieses Jahr die Planung der neuen Einfachturnhalle vorantreiben und im Frühling den Bau beginnen. Alles andere kommt nicht in Frage», fasst Paul Koch die Antwort des Gemeindepräsidenten Peter Kindler zusammen. «Wir hatten uns als Stimmbürger und Vereinsvertreter erhofft, vom Gemeinderat ernstgenommen und angehört zu werden, dass das von uns angesprochene Bedürfnis der Vereine geprüft und eine umsichtige Abklärung in die Wege geleitet wird», sagt Paul Koch enttäuscht. «Wir finden, dass unsere Bürgerrechte nicht wahrgenommen wurden.»

«Ansichten liegen weit auseinander»

Doch Gemeindepräsident Peter Kindler krebst zurück: «Der Antrag für eine Dreifachturnhalle mit Küche und zusätzlicher Infrastruktur ging völlig überraschend am 24. Februar ein. An der Behördeninfo vom 17. Februar war dies überhaupt kein Thema, wohl auch, weil der Hauptinitiant gar nicht anwesend war.» Der Gemeinderat habe am 2. März beschlossen, dass er an seiner Strategie festhalte, so Kindler. Dennoch bot er der IG einen Gesprächstermin an, gemeinsam mit Schulratspräsidentin Laila Roduner. Aufgrund der aktuellen Lage fand dieses Gespräch aber bisher nicht statt. Kindler sagt:

«Da die Ansichten zwischen einer Dreifachturnhalle und einer reinen Sanierung so weit auseinanderliegen, erübrigt sich dies ohnehin.»

Für ihn ist klar, «dass eine Turnhalle für die Schule jetzt und auf Jahre hinaus genügt». «Grundsätzlich ist es schön, dass die Hallen ausgelastet sind, dafür sind sie ja da. Aber als neuer Verein muss man hinten anstehen», sagt Kindler. Er spielt damit auf die Tatsache an, dass die 2019 gegründete VBG Chrüzberg in der Turnhalle Salez wegen Vollbelegung keine Trainingszeit erhielt und auf die kleinere, niedrigere Turnhalle Frümsen ausweichen musste.

Im November soll bereits abgestimmt werden

Im Budget 2020 ist ein Planungskredit in der Höhe von 140000 Franken enthalten für die Turnhalle Türggenau. Dieser beinhaltet die Planungskosten für das Bauvorhaben bis und mit Baueingabe und für die nötige Urnenabstimmung über den Baukredit, voraussichtlich im November 2020, erläutert Kindler. Der Gemeinderat habe klar festgelegt, dass die jetzige Turnhalle nicht saniert, sondern abgebrochen, und am bestehenden Ort und in bestehender Grösse neu aufgebaut wird.

Die IG Mehrfachhalle fordert nun die Ablehnung des Budgets bei der Urnenabstimmung am 19. April. Man fordere dies nicht zu Gunsten eines überteuerten Megaprojektes. «Wir fordern eine umsichtige Abklärung», so Paul Koch. Er ist sich bewusst, dass viele Nutzergruppen jetzt aus der Zeitung zum ersten Mal von diesen Überlegungen lesen.

«Die IG hat es sich lediglich zur Aufgabe gemacht, die Gemeinde zu überzeugen, dass eine solche Abklärung sinnvoll ist. Schliesslich geht es um die Zukunft unserer Gemeinde und um ein wichtiges Bauprojekt an zentraler Lage.»

Aus finanzieller Sicht sieht Koch kein Problem. Er sagt: «Die Gemeinde ist finanziell gut gestellt und der Bau einer grösseren Turnhalle ergäbe kein substanzielles Problem. Im Moment geht es uns jedoch einzig und allein um die Abklärung der Bedürfnisse der Bevölkerung und Nutzergruppen.»